VfB-Präsident Dietrich: „Verlieren jedes Jahr Millionen“
25.04.2017
Fußball | VfB Stuttgart

VfB-Präsident Dietrich: „Verlieren jedes Jahr Millionen“

Im SPONSORs-Interview spricht Präsident Wolfgang Dietrich über seine Ausgliederungspläne mit dem VfB Stuttgart, über potenzielle Gesellschafter neben Ankerinvestor Daimler und darüber, wie sein Plan B im Falle eines Scheiterns aussehen würde.

Am 9. Oktober 2016 wurde Wolfgang Dietrich zum ehrenamtlichen Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt. Sein Hauptaugenmerk ist seit seinem Amtsantritt neben der Rückkehr in die Bundesliga auf die Ausgliederung der Profifußballabteilung aus dem Gesamtverein gerichtet, um frisches Kapital zu beschaffen. Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, benötigt der VfB auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am 1. Juni eine Dreiviertelmehrheit.

SPONSORs: Herr Dietrich, Sie haben den VfB Stuttgart im Oktober 2016 übernommen, wenige Monate nach dem Abstieg in die 2. Liga, und kümmern sich seitdem intensiv um die Ausgliederung des Vereins. Blieb da viel Zeit, sich einzuarbeiten?

Dietrich: Ich stand auch schon früher dem Verein sehr nahe, sodass der VfB kein Neuland für mich war. Eine lange Einarbeitungsphase war nicht notwendig. Wir haben einerseits Ruhe in den Verein gebracht, befinden uns gleichzeitig aber auch in einer Aufbruchsstimmung. Wir haben – auch unterstützt durch die positive Entwicklung der Mannschaft – ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Daher fahre ich jeden Tag auch gern in die ­Geschäftsstelle.

SPONSORs: Sie kommen als ehrenamtlicher Präsident täglich zum VfB Stuttgart?

Dietrich: Ja, zwischen sieben und acht Uhr bin ich in der Regel hier und gehe nicht vor abends. Wir haben einiges zu tun.

SPONSORs: Was waren Ihre ersten Amtshandlungen als VfB-Präsident?

Dietrich: Unter anderem haben wir seit  Oktober vergangenen Jahres einige Prozesse im Verein verändert und neu definiert. Unser größter Fokus gilt mit Abstand dem Aufstieg, direkt danach kommt aber die Ausgliederung. Dabei geht es um Satzungsfragen, es müssen Fragen der Finanzbehörden geklärt werden, es stehen Termine mit Wirtschaftsprüfern an und wir werden nun die Ausgliederungsunterlagen an unsere Mitglieder verschicken. Das schütteln wir uns alles nicht aus dem Ärmel.

Vita
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Wolfgang Dietrich

Wolfgang Dietrich* (69) ist seit 9. Oktober 2016 ehrenamtlicher Präsident des VfB Stuttgart. Er wurde von der Mitgliederversammlung des Clubs für vier Jahre gewählt. Der gebürtige Schwabe gründete mit 22 Jahren sein erstes Unternehmen und baute in den 80er- und 90er-Jahren mehrere mittelständische Software-Unternehmen auf. Ab 2004 konzentrierte er sich auf Finanzierungs- und Marketingthemen im Bereich des Profifußballs. Nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft im September 2010 war der zweifache Familienvater bis Februar 2015 Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm und Vorstandsvorsitzender des gleichnamigen Vereins.

* Dietrich (links) mit Wilfried Porth (VfB-Aufsichtsrat und Vorstandsmitglied der Daimler AG)

SPONSORs: Sie sagten, Ihre erste Amtshandlung war es, einerseits Ruhe in den Verein zu bekommen und ihm andererseits neues Selbstbewusstsein einzuimpfen. Warum waren diese Schritte überhaupt notwendig?

Dietrich: Unter anderem, weil bei uns seit einigen Jahren das Vertrauen in die Führung gefehlt hat. Und wenn das Vertrauen fehlt, dann versuchen sich andere automatisch zu sehr ins operative Tagesgeschäft einzumischen.

SPONSORs: Was haben Sie dagegen unternommen?

Dietrich: Wir haben unter anderem einen Verhaltenskodex eingeführt, in dem klar geregelt ist, wer innerhalb des Vorstands, des Aufsichtsrats und des Ehrenrats welche Aufgaben, Rechte und Pflichten hat. An den Verhaltenskodex haben sich ab dem ersten Tag alle gehalten – die Aufsichtsräte, die Ehrenräte und die Mitarbeiter. Und das wirkt sich dann automatisch positiv auf den gesamten Verein aus. Die Mitarbeiter ziehen mit, ich habe bei keinem das Gefühl, dass er quer im Stall steht. Und das liegt auch daran, weil alle wissen, wo wir hinwollen.

SPONSORs: Aus dem Aufsichtsrat des Vereins war zu hören, dass Führung nicht gerade die Stärke Ihres Vorgängers Bernd Wahler war. War der Verein führungslos, als Sie ihn übernommen haben?

Dietrich: Es ist müßig, darüber zu diskutieren, wer für welche Fehler der Vergangenheit verantwortlich war. Daran will ich mich nicht beteiligen. Aber generell vertrete ich schon die Meinung, dass Mitarbeiter Führung brauchen. Ich bin bereit, zu diskutieren. Aber wenn eine Entscheidung getroffen ist, dann muss man diese auch durchziehen.

SPONSORs: Und dieser Entscheidungswille fehlte bislang?

Dietrich: So habe ich es zumindest teilweise wahrgenommen. Wie wollen Sie einen Verein führen, wenn nicht alle wissen, wo es hingehen soll? Wollen wir wie in den vergangenen Jahren ums Überleben kämpfen, oder wollen wir nach vorne und gestalten?

SPONSORs: Es fehlte die Orientierung.

Dietrich: Wenn Sie mit Spielern, Trainern und ihren Beratern, mit talentierten Nachwuchskräften und ihren Eltern sprechen oder Sponsoren gewinnen wollen, dann müssen Sie beantworten können, wo der Verein hinwill. Wir müssen versuchen, diese Visionen und dieses Selbstvertrauen zu transportieren. Daher bin ich auch angetreten, um die gefühlt seit Jahrzehnten in Stuttgart diskutierte Ausgliederungsfrage zu beantworten – wie auch immer die Mitglieder entscheiden werden.

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Das sind die VfB-Kontrolleure

Wer sind die Kontrolleure des Managements im Sport? Woher kommen sie? In diesem Teil der SPONSORs-Reihe: der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart e. V.

SPONSORs: Sie sprechen es an. Am 1. Juni entscheiden die Mitglieder des VfB Stuttgart im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über die Ausgliederung. Warum haben Sie es so eilig?

Dietrich: Weil der neue Medienrechtevertrag der Deutschen Fußball Liga (DFL), der ab der Saison 2017/18 gilt, den Abstand noch weiter vergrößern wird. Wenn wir uns jetzt nicht entscheiden, die Ausgliederung zur Entscheidung zu stellen, dann verlieren wir jedes Jahr weitere Millionen und verpassen eine weitere Transferperiode.

Um Dietrichs Aussage zu verstehen, muss man sich die sportliche Entwicklung des VfB in den vergangenen zehn Jahren anschauen. Der Club befand sich laut Dietrich seitdem „in einer Abwärtsspirale“. Die ersten drei, vier Jahre wurde mit relativ hohen Budgets gerade noch die Qualifikation für die UEFA Europa League geschafft. Anschließend ging es sportlich permanent bergab. Das Problem dabei: In der gleichen Zeit stiegen die TV-Gelder, und die wirtschaftliche Lücke wurde immer größer. Viele Clubs zogen in der Folge am VfB vorbei. Werksclubs wie Bayer 04 Leverkusen und der VfL Wolfsburg, die dank Konzernunterstützung investieren konnten, aber auch Clubs wie RB Leipzig oder 1899 Hoffenheim mit neuen ­Geschäftsmodellen.

SPONSORs: Misslingt der Aufstieg, wird dann die Ausgliederung erneut verschoben?

Dietrich: Sollte der Aufstieg nicht gelingen, dann ist die Stimmung schlechter, die Ausgliederung aber noch wichtiger. Sonst könnten wir in eine Situation geraten wie viele andere Traditionsvereine, die den Umschwung nicht geschafft und sich vor Jahren aus der höchsten Spielklasse verabschiedet haben.

SPONSORs: Wie sieht also Ihr Plan aus?

Dietrich: Wir müssen unsere Stärken ausspielen. Der Verein hat eine unglaubliche Kraft. Das hat man nach dem Abstieg gesehen. Wir haben bei unseren Heimspielen im Schnitt bislang mehr als 50 000 Zuschauer und zudem bei unseren Mitgliedern die 50 000-Marke überschritten. Die Euphorie in der Stadt und der Region ist unglaublich. Diese Kraft der Tradition wollen wir erhalten und weiter stärken. Für uns geht es nun darum, uns dem knallharten Wettbewerb zu stellen, und dafür benötigen wir mehr Eigenkapital.

SPONSORs: Ist die Ausgliederung dabei die einzige Alternative?

Dietrich: Um an frisches Geld zu kommen, gibt es immer verschiedene Möglichkeiten. Eine wäre, sich einen reichen Sugar-Daddy zu suchen, der uns, wenn er gut aufgelegt ist, 30 bis 40 Millionen Euro gibt. Wozu dies führen kann, sieht man derzeit eindrucksvoll bei anderen Vereinen. Oder wir verkaufen unsere Vermarktungsrechte. Wenn der Verein in den vergangenen Jahren allerdings etwas absolut richtiggemacht hat, dann war es die Entscheidung, seine Vermarktungsrechte nicht abzugeben. Damit haben wir ein riesiges Potenzial, das wir allerdings noch besser nutzen müssen.

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VfB Stuttgart 1893 e. V.

Mitglieder: > 50 000 (Stand März 2017)

Präsident (ehrenamtlich): Wolfgang Dietrich
Vorstand (hauptamtlich): Stefan Heim (Vorstand Finanzen, Verwaltung und Operations), Jochen Röttgermann (Vorstand Marketing und Vertrieb), Jan Schindelmeiser (Vorstand Sport)
Mitglied der Geschäftsleitung: Oliver Schraft (Kommunikation)
Aufsichtsratsvorsitzender: Martin Schäfer (stellvertretender Sprecher Würth)

Umsatz (2015): 125,5 Mio. € (+ 17,8 Mio. €)
Gewinn (2015): 1,972 Mio. € Euro (+ 1,075 Mio. €)

Vermarktung: Eigenvermarktung
Verantwortung: Markus Erdmann (Bereichsleiter Sponsoring, Marketing und Vertrieb)

Haupt- und Trikotsponsor: Mercedes-Benz Bank (bis 2018/19; 6 Mio. € p. a.)
Namensgeber Stadion: Mercedes-Benz (bis 2038; einmalig 20 Mio. €)
Exklusiv-Partner (2. Ebene): Krombacher, Mercedes-Benz, Puma, Würth

Sponsoringumsätze (2015): 25,4 Mio. €
Hospitalityumsätze (2015): 14,4 Mio. €

SPONSORs: Dann lassen Sie uns über die Variante Ausgliederung sprechen. Der VfB hat einen Vierjahresplan entwickelt und will nach der Ausgliederung maximal 24,9 Prozent seiner Anteile in mehreren Tranchen veräußern, die erste schon 2017.

Dietrich: Korrekt. Im Vordergrund steht, wie beschrieben, die Tradition zu stärken. Und gleichzeitig mit soliden, seriösen Partnern unsere Eigenkapitalbasis zu erhöhen. Wir haben dabei im ersten Schritt einen sogenannten „Ankerinvestor“ gesucht und freuen uns, mit der Daimler AG Einigkeit erzielt zu haben. Das Ganze natürlich vorbehaltlich der Zustimmung unserer Mitglieder.

SPONSORs: Wie viel Prozent wird Daimler erwerben und wie viel Eigenkapital fließt dem VfB zu?

Dietrich: Daimler würde sich im Falle eines Aufstieges gegen eine sofortige Zahlung von 41,5 Millionen Euro mit 11,75 Prozent an unserer AG beteiligen. Das entspricht dann einem Unternehmenswert des VfB von mehr als 350 Millionen Euro. Hinzu kommt: Daimler würde in diesem Zuge auch sein Sponsoren-Engagement erhöhen.

Als der VfB Stuttgart seine Profifußballabteilung im vergangenen Jahr ausgliedern wollte, wurde der Unternehmenswert des VfB Stuttgart auf 200 bis maximal 250 Millionen Euro taxiert. In dieser Zeit spielte der Club wohlgemerkt noch in der ersten Liga. Im Zuge der neuen Bewertung errechnete der vom VfB Stuttgart beauftragte Wirtschaftsprüfer KPMG nun einen Gesamtwert für die Bundesliga von deutlich über 300 Millionen Euro. Perspektivisch soll dieser Vereinswert, so die Berechnungen, in der Bundesliga auf 400 Millionen Euro anwachsen.

SPONSORs: Die Bewertung des Vereins lag in der Vergangenheit deutlich niedriger. Hat sich der VfB zuletzt schlecht verkauft?

Dietrich: Wir haben KPMG gebeten, die letzten 30 Transaktionen im europäischen Fußball zu bewerten, um eine saubere Benchmark zu bekommen. Am Ende kamen wir – auch dank des neuen Fernsehvertrags und aufgrund der Tatsache, dass wir unsere Vermarktungsrechte zu 100 Prozent in der eigenen Hand haben – auf eine außergewöhnliche Bewertung, die um einiges höher ist.

SPONSORs: Was passiert, wenn der VfB nicht aufsteigt?

Dietrich: Die Zusage der Daimler AG gilt sowohl für die Bundesliga als auch für die 2. Liga. Im Falle eines Zweitliga-Verbleibs werden wir allerdings nur fünf Prozent an die Daimler AG verkaufen, weil wir in diesem Fall eine schlechtere Bewertung hätten. Die Höhe dieser Bewertung liegt bei rund 200 Millionen Euro. Man muss aber auch beachten, dass wir im Falle eines Zweitliga-Verbleibs  weniger Geld benötigen würden als im Oberhaus. Wir glauben daher, dass uns bereits 10,5 Millionen Euro (umgerechnet fünf Prozent, Anm. d. Red.) enorm helfen würden, den nächsten Schritt zu machen, um hoffentlich dann im Folgejahr aufzusteigen.

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SPONSORs: Wie wollen Sie das Geld von Daimler verwenden?

Dietrich: Wir wollen alles, was wir an neuem Kapital dazubekommen, zu 100 Prozent in den Sport investieren. Das heißt aber nicht, dass wir alles direkt für neue Spieler ausgeben werden. Unsere Infrastruktur, die Anzahl und der Zustand der Plätze vor allem im Nachwuchsbereich, sind gerade einmal zweitligatauglich. Außerdem verlieren wir zu früh unsere besten Talente. Wenn wir gute Spieler verpflichten oder die 15- bis 17-jährigen Nachwuchskräfte halten wollen, dann brauchen wir finanzielle Mittel, die entsprechenden Rahmenbedingungen und die Infrastruktur.

SPONSORs: Sie sagen, ein Teil des Geldes soll in Infrastruktur und in die Jugendarbeit fließen. Welchen Anteil wird dies ausmachen?

Dietrich: Das hängt auch von der Liga-­Zugehörigkeit ab. Wir können aber in jedem Fall ganz andere Beträge investieren als ohne Ausgliederung. Wobei diese Summen dann nicht nur von den strategischen Partnern stammen würden, sondern auch aus anderen Einnahmequellen, unter anderem aus dem größeren TV-Topf. Ein weiterer positiver Effekt des erhöhten Eigenkapitals wäre zudem, dass es dadurch wieder einfacher wäre, bei den Banken günstige Kredite zu bekommen, um beispielsweise Infrastrukturmaßnahmen über Fremdkapital zu finanzieren. Diese Möglichkeiten hatten wir in den vergangenen Jahren so nicht mehr.

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SPONSORs: Wie sehen in der Folge die nächsten Stufen des Vierjahresplans aus?

Dietrich: Wir wollen bewusst erst 2018 und 2019 – einen vorherigen Aufstieg vorausgesetzt – die restlichen Anteile verkaufen. Ob wir dann möglicherweise die gesamten restlichen Anteile auf einmal veräußern, steht noch nicht fest. Wir müssen im nächsten Jahr auch nicht zwingend verkaufen. Da sind wir komplett flexibel. Fest steht: Wir wollen bis Ende der Saison 2018/19 insgesamt maximal 24,9 Prozent unserer Anteile verkaufen und darüber mindestens 100 Millionen Euro erlösen. Das ist unser Ziel.

SPONSORs: Nach Adam Riese würden die restlichen Investoren kumuliert knapp 59 Millionen Euro bezahlen müssen, damit Sie Ihr Ziel von 100 Millionen Euro Gesamteinnahmen erreichen. Das ist im Verhältnis deutlich mehr als das Invest von Daimler.

Dietrich: Das ist richtig. Bereits durch die erste Kapitalerhöhung und den Einstieg der Daimler AG erhöht sich allerdings der Wert des VfB bereits auf genau die hierzu erforderliche Höhe. Wir müssten den Unternehmenswert daher nicht noch weiter steigern, um solche Erlöse darstellen zu können, sondern lediglich halten. Die hierzu erforderliche wirtschaftliche Entwicklung parallel zur Entwicklung des Gesamtmarktes halten wir für sehr realistisch. Wichtig ist natürlich auch, dass auch ein möglicher Partner diesen Wert als richtige Grundlage für seinen Einstieg anerkennt.

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SPONSORs: Wie viele Investoren wird es neben dem Ankerinvestor maximal geben?

Dietrich: Es gibt keine Deckelung, im Idealfall sind es aber keine zehn, sondern eher maximal drei bis vier. Vielleicht aber auch nur zwei. Wenn morgen ein Unternehmen kommt, die restlichen Anteile übernehmen möchte, wir damit den idealen Partner finden und dieser entsprechend bereit ist, zu investieren, dann wäre das auch eine gute Option.

SPONSORs: Können Sie Namen möglicher Investoren nennen?

Dietrich: Natürlich machen wir uns Gedanken, wer die künftigen Gesellschafter sein könnten. Und wir haben auch ein paar Ideen. Aber es gibt noch keine Gespräche und es wäre absolut nicht zielführend, Interessenten jetzt namentlich ins Spiel zu bringen.

SPONSORs: In den Medien werden bestehende VfB-Sponsoren wie Kärcher und Würth als Investoren gehandelt.

Dietrich: Wir haben eine Zusage von Daimler. Etwas Besseres konnte uns bislang nicht passieren. Wie gesagt, darüber hinaus haben noch keine Gespräche stattgefunden. Aber parallel arbeiten wir auf Basis der vorhandenen Partner an einer neuen Top-Sponsorenstruktur.

SPONSORs: Wie sähe diese aus?

Dietrich: Wir wollen zusätzliche Partner haben, die heiß darauf sind, beim VfB einsteigen zu können. Partner, die mit uns nach vorne wollen.

SPONSORs: Lassen Sie uns gemeinsam in die Glaskugel blicken. Wie groß ist die Chance, dass die VfB-Mitglieder am 1. Juni einer Ausgliederung zustimmen?

Dietrich: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unsere Mitglieder mit so einem Konzept und einem solchen Partner im Hintergrund dagegen stimmen. So ein Angebot von Daimler abzulehnen, dazu würde einiges gehören. Ich spüre bei den Fans eine große Zustimmung, aber wir wissen alle, dass Stimmungen noch keine Stimmen bedeuten. Dass es immer auch Menschen gibt, die dagegen sind, muss man akzeptieren. Die entscheidende Frage wird sein, wie viele Mitglieder zu dieser wichtigen Versammlung kommen werden. Wichtig ist auch, dass sie alle top informiert sind.

SPONSORs: Unter Ihrem Vorgänger wurden Informationsveranstaltungen und Regionalkonferenzen organisiert. Was haben Sie bis Anfang Juni noch geplant?

Dietrich: Wir werden die Mitglieder regelmäßig über alle Kanäle mit Informationen versorgen, so wie wir es in den vergangenen Monaten auch getan haben. Ich selbst werde an insgesamt 30 Veranstaltungen im Vorfeld der Mitgliederversammlung teilnehmen. Wir werden den aktiven Dialog mit den Fans suchen.

SPONSORs: Mal angenommen, die Mitglieder entscheiden sich gegen eine Ausgliederung. Starten Sie dann einen neuen Anlauf?

Dietrich: Sollte die Entscheidung tatsächlich negativ ausfallen, dann muss man das so akzeptieren. Sicher ist aber auch, dass ich das Thema während meiner Präsidentschaft dann nicht mehr auf die Agenda setzen werde, solange wir nicht aus rechtlichen Gründen dazu gezwungen werden.  Und: Dann brauchen wir einen anderen VfB und werden den Mitgliedern im Herbst einen Plan B vorlegen.

SPONSORs: Wie würde dieser Plan B aus­sehen?

Dietrich: Spielerkader, Transferausgaben, Mitarbeiter, Strukturen – wir würden den Verein neu ausrichten müssen. Es würde dann vor allem nur noch darum gehen, die Abwärtsspirale zu stoppen. Wir können einen Verein mit 200 Mitarbeitern nicht mit Ansprüchen führen, Europapokal spielen zu wollen, die unter den jetzigen Rahmenbedingungen aber nicht umsetzbar sind. Es muss der Anspruch aller Mitglieder sein, dass wir in drei bis vier Jahren wieder unter den Top 6 der Bundesliga mitspielen. Und dafür brauchen wir den Befreiungsschlag. Sollte die Ausgliederung jedoch scheitern, müssen wir uns künftig vielleicht doch eher als Ausbildungsverein aufstellen, der Jahr für Jahr versucht, sich über Wasser zu halten.

SPONSORs: Herr Dietrich, vielen Dank für das Gespräch.

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Das steckt hinter der Satzungsänderung des VfB (I)

Parallel zur Ausgliederung will der VfB Stuttgart auf seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni auch seine Gremienstruktur umbauen. Dafür ist eine Satzungsänderung nötig.

Beim VfB Stuttgart gibt es derzeit vor allem zwei Themen. Erstens: der Kampf um den Bundesliga-Aufstieg. Und zweitens: die Ausgliederung, die nach Wunsch des Vereins am 1. Juni im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gelingen soll. Stimmen am Ende mehr als 75 Prozent für die Ausgliederung, so gibt es mit der VfB Stuttgart 1893 AG eine neue Tochter, die zwar bereits Ende 2014 vorsorglich beim Amtsgericht eingetragen wurde, allerdings erst nach der Entscheidung mit Leben gefüllt werden würde.
Um die bisherigen Vereinsstrukturen an die neuen gesellschaftsrechtlichen Gegebenheiten einer Aktiengesellschaft anzupassen, muss dann auch eine neue Gremienstruktur geschaffen werden – und mit ihr eine neue Satzung.

Der Schritt ist auch deshalb notwendig, weil die Satzung des Vereins in bestimmten Punkten Schwächen aufweist. Dies zeigt sich beim bisherigen Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins (e. V.): Das Kontrollgremium wird bislang von der Mitgliederversammlung gewählt. Die Vorschläge für die Kandidaten des Aufsichtsrats kommen hingegen vom Ehrenrat. Der Ehrenrat wiederum wird vom Vorstand vorgeschlagen.Quasi ein in sich geschlossener Kreislauf. Oder wie es VfB-Präsident Wolfgang Dietrich sagt: „Wir haben momentan in der Satzung eine etwas seltsame, wenig demokratische Situation, die wir ändern wollen.“

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Diese Gremien gibt es innerhalb der VfB Stuttgart 1893 AG

Der eingetragene Verein (e. V.) beispielsweise wird künftig von einem dreiköpfigen Präsidium geführt, mit einem Präsidenten (gewählt: Wolfgang Dietrich) an der Spitze. Die bisherigen Gremien innerhalb des e. V., der Ehrenrat und der Aufsichtsrat, würden, so der Plan, in ein neues Gremium zusammengeführt werden. Als solches sieht die neue Struktur innerhalb des e. V. einen neuen, neunköpfigen Vereinsbeirat vor, der unter anderem das Präsidium vorschlägt. Gewählt werden sowohl das Präsidium als auch der Vereinsbeirat von der Mitgliederversammlung. Der VfB Stuttgart will damit die Rechte seiner Mitglieder stärken.

Die neue ausgegliederte Aktiengesellschaft VfB Stuttgart 1893 AG gehört zu mindestens 75,1 Prozent dem Gesamtverein. Die restlichen Anteile werden an die künftigen Aktionäre verteilt, 11,75 Prozent würde Daimler erhalten.

Dabei besteht die AG im Wesentlichen aus zwei Gremien: einem Vorstand und einem neunköpfigen Aufsichtsrat. Dem Vorstand obliegt dabei die operative Führung der AG. Dabei werden im ersten Schritt Stefan Heim (Finanzen, Verwaltung und Operations), ­Jochen Röttgermann (Marketing und Vertrieb) und Jan Schindelmeiser (Sport) als bisherige Vorstände des e. V. sowie Kommunikationschef Oliver Schraft als Mitglied der Geschäftsführung in die AG wechseln. In Zukunft wird der Vorstand der AG vom Aufsichtsrat bestellt.

Die Aufsichtsratsmitglieder der AG sollen innerhalb der neuen Struktur vom Präsidenten als Vertreter des e. V. – und damit der Vereinsmitglieder – vorgeschlagen und anschließend von der Hauptversammlung der AG gewählt werden. Die Vereinssatzung sieht dabei vor, dass im Aufsichtsrat der AG stets zwei der drei Präsidiumsmitglieder des e. V. sitzen.

Anders als bei manch anderem Club ist der Vereinspräsident nicht automatisch auch Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Vielmehr wählt der Aufsichtsrat aus den eigenen Reihen seinen Vorsitzenden. VfB-Präsident Dietrich hat aber bereits angekündigt, für das Amt kandidieren zu wollen. Und auch bei der Besetzung des Kontrollgremiums hat Dietrich bereits Vorstellungen. Er sagt: „Unser Ziel ist es, neben Vertretern unserer wichtigsten Partner weitere Fachkompetenz aus unterschiedlichen Bereichen im Aufsichtsrat zu haben: aus dem Sport oder dem Finanzsektor, natürlich aber auch aus der Wirtschaft.“

25.04.2017
Holger Rehm-Engel
 Der Autor 

Holger Rehm-Engel