Supercup: Verlegung mit Hindernissen
20.04.2017
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Fußball | Supercup im Ausland

Supercup: Verlegung mit Hindernissen

Immer mehr europäische Ligen tragen ihre Supercups im Ausland aus. Auch in der Bundesliga werden die Rufe nach einer Verlegung immer lauter. Dabei sind die Hürden, die es vor der Verwirklichung dieses Plans zu überwinden gilt, nicht zu unterschätzen.

Seit der Wiederbelebung des Supercups durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Jahr 2011 wird immer wieder eine Verlegung dieses jährlich stattfindenden Spiels zwischen dem deutschen Meister und dem DFB-Pokalsieger ins Ausland diskutiert. In Zeiten, in denen die DFL und die Bundesligisten ihre Internationalisierungsbestrebungen forcieren, ist diese Diskussion vor allem durch das Streben geprägt, die Einnahmen der Bundesliga nachhaltig zu steigern. Dabei haben andere europäische Fußballligen gezeigt, dass eine Nachfrage ausländischer und insbesondere asiatischer Stadionbetreiber vorhanden ist und dass sich durch die Verlegung des Supercups ins Ausland signifikante Mehreinnahmen erzielen lassen.

Erfolgreiche Vorgänger

Der Vorreiter im internationalen Fußball war die italienische Fußballliga. Zu einem Zeitpunkt, als hierzulande noch nicht einmal erkannt wurde, dass sich die Fußballbundesliga auch außerhalb der Landesgrenzen vermarkten lässt, versuchte die Serie A bereits, den US-amerikanischen Markt zu erschließen. So wurde der italienische Supercup 1993 in Washington ausgetragen. In der Folge kehrte der italienische Fußball noch einmal in die Vereinigten Staaten zurück, spielte außerdem im libyschen Tripolis und fand schlussendlich im Jahr 2009 den Weg nach China. Der italienische Supercup im Reich der Mitte war offenbar so erfolgreich, dass sich die Betreiber des Pekinger Olympiastadions im Jahr 2011 für zehn Millionen Euro das Recht sicherten, in den folgenden drei Jahren den italienischen Supercup auszurichten.

Auch die  französische Fußballliga plante, ihren Supercup nach Asien zu verlegen. So wollte die Ligue 1 den Supercup des Jahres 2007 im chinesischen Tianjin austragen, scheiterte jedoch an der chinesischen Bürokratie. Erst zwei Jahre später gelang der Schritt ins Ausland. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Egal, ob der Supercup in Montreal, New York, Tunis, Tanger, Libreville oder Peking ausgetragen wurde, stets kämpfte die französische Fußballliga mit einem verhaltenen Zuspruch und konnte die Stadien trotz großzügiger Freikartenkontingente nicht füllen. Erst als der französische Verband 2015 auf ein kleineres Stadion auswich, gelang es, eine würdige Kulisse für die „Trophée des Champions“ zu schaffen.

Weniger erfolgreich war hingegen der spanische Fußballverband mit seinem Plan, seinen Supercup ins Ausland zu verlegen. Er scheiterte am internen Widerstand. Die beiden spanischen Top-Clubs FC Barcelona und Real Madrid ließen sich von den 30 Millionen Euro, die die Betreiber des Pekinger Olympiastadions für einen Fünfjahresvertrag boten, nicht umstimmen und verweigerten ihre Zustimmung.

Der deutsche Fußball scheint gegen die Probleme des französischen und spanischen Fußballs gefeit zu sein. Mit dem FC Bayern München und Borussia Dortmund haben sich die derzeit tonangebenden Mannschaften des deutschen Fußballs bereits für eine Verlegung des Supercups ausgesprochen. Darüber hinaus wird der deutsche Supercup in Anbetracht der jüngsten Erfolge deutscher Clubs und der deutschen Nationalmannschaft wohl ausreichende Massen mobilisieren können.

Italienisches Supercup-Finale 1993 in Washinghton: AC Mailand gegen Juventus Turin

Warnendes Beispiel

Aus Vermarktungssicht erscheint der Plan also konsequent, den DFL-Supercup im Ausland auszutragen. In der Diskussion wird aber eine entscheidende satzungsrechtliche Hürde übersehen. Dabei sollte der portugiesische Supercup der DFL als Warnung dienen.

Nachdem der italienische Ligaverband 1993 den Schritt nach Washington gewagt hatte, folgte der portugiesische Fußballverband diesem Beispiel und verlegte den portugiesischen Supercup der Jahre 1995 und 1996 in das Pariser Prinzenstadion. Der Verband wollte dadurch die Bindung zu den zahlreichen portugiesischen Emigranten in Frankreich stärken.

Erst nach der Austragung der Finalspiele wurde jedoch festgestellt, dass das damalige verbandsrechtliche Regelungsregime dazu verpflichtete, den Sieger der „Supertaça Cândido de Oliveira“ auf portugiesischem Staatsgebiet zu ermitteln. Die Unbedachtheit des portugiesischen Fußballverbands blieb zwar folgenlos, sollte für den deutschen Fußball aber eine Mahnung sein.

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Die Hürden

Um das Konfliktpotenzial einer Verlegung des DFL-Supercups ins Ausland zu verstehen, muss man in die Tiefen der Statuten des deutschen Fußballs einsteigen. Achtung, es wird etwas juristischer!

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat dem Ligaverband (heute: DFL e. V.) im gemeinsam beschlossenen Grundlagenvertrag die Vereinseinrichtungen der beiden Fußballbundesligen überlassen. Damit wurde die DFL auch dazu ermächtigt, einen Supercup auszutragen. In den Richtlinien zur Spielordnung behält sich die DFL dabei das Recht vor, für den Supercup „ein Stadion im Ausland als Spielort zu benennen“ (siehe § 7 Nr. 2). 

Bei der Ausarbeitung dieser Richtlinie wurde jedoch übersehen, dass die DFL an die Statuten des DFB gebunden ist und diese unter dem Vorbehalt des § 4 Nr. 1 lit. d der DFB-Satzung stehen. Nach dieser zen­tralen Kompetenzvorschrift ist es Zweck und Aufgabe des DFB, „dafür zu sorgen, dass die Fußballspiele innerhalb des DFB-Gebiets nach den internationalen Fußballregeln ausgetragen und die internationalen Fußballregeln verbindlich ausgelegt werden“. Im Zusammenspiel mit der FIFA-Satzung (Art. 10 Abs. 1) und der UEFA-Satzung (Art. 5 Abs. 1) ist das DFB-Gebiet mit dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland gleichzusetzen. Die Statuten des DFB gelten demnach nur bei Spielen, die in Deutschland ausgetragen werden. Sollte sich die DFL für eine Verlegung des Supercups ins Ausland entscheiden, würde sie sich deswegen gleich in mehrfacher Hinsicht in einen Konflikt mit dem DFB begeben.

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a) Konflikt Spielordnungen

Die DFL hat gemäß der DFB-Satzung „die vom DFB verabschiedeten allgemeinverbindlichen Bestimmungen“ zu wahren (§ 16b Nr. 11) und zu garantieren, dass „Fußballspiele unter Berücksichtigung der verbindlichen Auslegung durch den DFB“ ausgetragen werden (§ 16b Nr. 1).

Da die spieltechnischen Regularien des DFB durch die FIFA vorgegeben werden, gelten auf fremden Verbandsgebieten zwar vergleichbare Spielregeln. Die DFL würde sich deshalb durch die Verlegung des Supercups nicht in einen rechtsfreien Raum begeben. Soweit die Spielregeln aber auslegungsbedürftig sind, würden bei einem im Ausland ausgetragenen Supercup nicht die Auslegungsgrundsätze des DFB gelten, sondern die des Verbands, in dessen Hoheitsgebiet der Supercup ausgetragen wird. Auch die Spielordnung des DFB und ihre Durchführungsbestimmungen, wie die Anti-­Doping-Richtlinien, würden bei einem im Ausland ausgetragenen Supercup nicht gelten. Bei einer Verlegung des Supercups könnte die DFL ihrer Pflichtenstellung aus der DFB-Satzung somit nicht genügen.

b) Konflikt Sportrechtsprechung

Darüber hinaus verpflichtet die DFB-Satzung die DFL, sich „für die Sportrechtsprechung der Organe und Einrichtungen des DFB nach dessen Regelungen zu bedienen“ (§ 16a Nr. 1). Auch dieser aus der Verbandsgewalt abgeleiteten Pflichtenstellung könnte die DFL im Falle einer Verlegung des Supercups nicht mehr genügen.

Als Organe des DFB sind das Sportgericht und das Bundesgericht des DFB in ihrer Zuständigkeit auf den Aufgabenbereich beschränkt, der in der DFB-Satzung vorgegeben ist. Ihre Zuständigkeit ist damit auf Spiele beschränkt, die innerhalb des DFB-Gebiets ausgetragen werden. Zwar wird diese Zuständigkeit durch § 12 der Spieleordnung der DFL auf alle Bundesligaspiele ausgeweitet. An sich unterläge damit auch ein im Ausland ausgetragener Supercup der Gewalt der Rechtsprechungsorgane des DFB. Diese Zuständigkeitserweiterung ist jedoch unwirksam und läuft damit leer. Es fehlt der DFL an einer Kompetenz für eine solche aufdrängende Sonderzuweisung. Allein der DFB kann die Zuständigkeit seiner Rechtsprechungsorgane erweitern.

Ein im Ausland ausgetragener Supercup unterläge ohne eine solche Zuständigkeitserweiterung nicht mehr der Verbandsgewalt des DFB. Weder würden die Statuten des DFB gelten, noch unterläge der Supercup einer Kontrolle durch die Rechtsprechungsorgane des DFB.

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c) Konflikt Landesverbände

Um den Supercup im Ausland austragen zu können, müsste somit die DFB-Satzung grundlegend geändert werden. Der Aufgabenbereich des DFB müsste von jedem räumlichen Bezug gelöst werden.

Eine solche Satzungsänderung obliegt nach der DFB-Satzung dem DFB-Bundestag (§ 24 Nr. 2 lit. f). Da die Satzungsänderung nicht im Interesse aller stimmberechtigten Mitglieder des DFB, sondern allein im Interesse der DFL erfolgen würde, müsste der DFB-Bundestag einer solchen Satzungsänderung nicht nur mit einer einfachen Mehrheit, sondern mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen (§ 26 Nr. 2).

Dieses Quorum zu erreichen wird die eigentliche Hürde einer Verlegung des Supercups sein. Denn für eine qualifizierte Mehrheit ist die DFL auf die Stimmen der fünf Regional- und 21 Landesverbände angewiesen. Diesen dürfte es jedoch an einem finanziellen Anreiz fehlen, eine solche Satzungs­änderung mitzutragen.

Zwar hat die DFL an den DFB und damit mittelbar an die Regional- und Landesverbände einen jährlichen Pachtzins für die Überlassung der Vereinseinrichtungen der Bundesliga und 2. Bundesliga zu leisten. Dieser Pachtzins bemisst sich allerdings auf drei Prozent der weltweiten Gesamteinnahmen aus der Vermarktung der beiden Bundesligen. Die Einnahmen aus dem Supercup werden nicht erfasst. Vielmehr ist mit dem Pachtzins – wie im Grundlagenvertrag ausdrücklich klargestellt wird – „auch die Rechte-Einräumung zur Veranstaltung des Supercups abgegolten“ (§ 4 Abs. 1 S. 4). 

Die Mehreinnahmen, die sich durch eine Verlegung des Supercups ins Ausland erzielen ließen, würden somit den Pachtzins nicht erhöhen und kämen daher allein der DFL zugute. Dies wäre Wasser auf die Mühlen der Regional- und Landesverbände. Neben dem Einwand der Entfremdung der Bundesliga hätten die Regional- und Landesverbände auch ein finanzielles Argument, um einer für die Verlegung des Supercups notwendigen Satzungsänderung nicht zuzustimmen.  

Der Autor

Malte Frank

Malte Frank ist Rechtsanwalt im Brüsseler Büro der Kanzlei Hengeler Mueller. Er berät schwerpunktmäßig im Wettbewerbs- und Vergaberecht und betreut unternehmensinterne Untersuchungen. Daneben promoviert er am Max-Planck-Institut Hamburg zu kartellrechtlichen Fragestellungen der Sportvermarktung.

Fazit

Wegen dieser starken Verhandlungsposition der Regional- und Landesverbände wird der Ligaverband kaum vermeiden können, im Gegenzug für eine Zustimmung zur Satzungsänderung eine wie auch immer geartete Gegenleistung zu erbringen.

Dadurch könnten die vom Ligaverband erhofften Mehreinnahmen allerdings weitaus geringer ausfallen als erwartet. Der Ligaverband wäre daher gut beraten, die Satzungsänderung frühzeitig vorzubereiten, um sich so zumindest die Möglichkeit zu eröffnen, bei den Verhandlungen mit ausländischen Stadionbetreibern die Forderungen der Regional- und Landesverbände einzupreisen.

20.04.2017
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Malte Frank