Frank Sportolari

UPS-Präsident Sportolari: „Wir haben eines der wertvollsten Logos der Welt“

Frank Sportolari arbeitet seit 35 Jahren für UPS. Als Präsident des US-Logistikkonzerns in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortet er das Paketgeschäft in einem der umkämpftesten Märkte der Welt. Im SPONSORs-Interview spricht er über die Rolle von Sportsponsoring im Wettbewerb der Logistikmarken und die herausragende Bedeutung des Standorts Köln für den Milliardenkonzern.

Hätten Sie es gewusst? Im Schnitt 120-mal hält ein UPS-Fahrer pro Tag seinen Transporter an, um Pakete an Kunden auszuliefern oder um welche von ihnen abzuholen. Diese erste und letzte Meile eines Pakets auf dem Weg von einem Kunden zum anderen hätten ihm an seiner Arbeit schon immer gut gefallen, berichtet Frank Sportolari, Präsident Präsident UPS Deutschland, Österreich und Schweiz. Dort sei der Kontakt zum Kunden am engsten. In solchen Momenten sei sein Unternehmen „wirklich ins Leben der Menschen involviert“.

In Zeiten der Corona-Krise sorgen gerade diese Meilen den 64-Jährigen jedoch am meisten, schließlich gehe es auch um die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Allein in Deutschland beschäftigt UPS derzeit 20 000, weltweit sind es eine halbe Million. Und die haben infolge des boomenden Online-Handels der vergangenen Pandemie-Monate viel zu tun. Während UPS an normalen Arbeitstagen weltweit rund 30 Millionen Pakete transportiert, sind es während der Corona-Krise nochmals deutlich mehr. „Es ist eine Belastung, aber wir geben alles, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Jetzt hat die Welt gemerkt, dass wir ein essenzieller Dienstleister im Logistiksektor sind."

Mehr als 70 Mrd. US-Dollar Umsatz

Trotz der aktuell kräftezehrenden Zeit vermittelt Sportolari im Gespräch mit SPONSORs den Eindruck, dass ihn nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Vermutlich braucht es diese Eigenschaft, um in einer kontinuierlich wachsenden, arbeitsintensiven und von Termindruck geprägten Branche wie der Logistik seit mittlerweile 35 Jahren erfolgreich tätig zu sein.

Als der gebürtige US-Amerikaner 1986 seine Laufbahn bei UPS in München begann, hatte er bereits sechs Jahre als Logistik-Manager in Deutschland für das US-Verteidigungsministerium gearbeitet. Von der bayerischen Landeshauptstadt aus arbeitete er seit Mitte der 80-er Jahre insgesamt 20 Jahre lang in diversen Controlling-Funktionen europaweit für UPS. Seit 2011 verantwortet er als President UPS Germany die Aktivitäten des US-Logistikkonzerns in Deutschland. 2018 und 2019 kamen noch die Märkte Österreich und Schweiz hinzu. Zudem ist er seit Mai 2018 Präsident der American Chamber of Commerce in Deutschland.

Deutschland spielt im Geschäft von UPS gleich zwei wesentliche Rollen: Zum einen ist es das erste Land außerhalb der USA, in das UPS im Jahr 1976 rund 70 Jahre nach seiner Unternehmensgründung expandierte. „Deshalb sage ich immer, dass wir Dank Deutschland heute überall auf der Welt vertreten sind", sagt Sportolari. „Deutschland hat einen enormen symbolischen Wert für uns."

Zum anderen gibt es kaum ein Land auf der Welt, in dem der Paketmarkt nach Ansicht des UPS-Präsidenten so umkämpft ist wie in Deutschland. Gemessen an den Marktanteilen beherrschten laut Statista im Jahr 2018 nach wie vor DHL (57 Prozent) und Hermes (30 Prozent) das hiesige Geschäft, UPS – mit einem weltweiten Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden US-Dollar – rangierte im deutschen Markt bei gerade einmal drei Prozent.

„Wir fühlen uns wie Kölner“

Gerade mit Blick auf den Konkurrenzkampf innerhalb der Branche sei es wichtig, in Sportsponsoring und vor allem in die Image-Pflege zu investieren, so Sportolari: „Wir haben eines der wertvollsten Logos der Welt und das wollen wir durch gezielte Sponsoring-Aktivitäten unterstützen." Während UPS international seinen Fokus auf Engagements in der Formel 1 legt, ist es hierzulande der Fußball. Aus einem guten Grund, wie Sportolari sagt: „In Deutschland gibt es zunächst Fußball und erst lange, lange danach kommt irgendeine andere Sportart. Wenn man montagmorgens einen Kaffee holen will, wollen alle über die Resultate ihrer Lieblingsmannschaft sprechen."

Vier Jahre lang, bis zum Ende der vergangenen Spielzeit, war UPS deshalb Partner des VfL Wolfsburg, zuletzt sogar als Ärmelsponsor. Dann wurde das Budget umgeschichtet. Seit dieser Saison ist der US-Logistiker Exklusiv-Partner des 1. FC Köln (laut SPONSORs DATA: bis Ende 2021/22; 700 000 Euro p. a.). Dazu muss man wissen: Der Flughafen Köln/Bonn ist das Drehkreuz von UPS für die Cargo-Logistik innerhalb Europas, aber auch in die USA. „Es gibt keinen wichtigeren Standort für uns außerhalb der USA als Köln. Wir sind seit 30 Jahren dort und fühlen uns wie Kölner", erklärt Sportolari. Deshalb sei es die logische Konsequenz gewesen, nach dem Vertragsende von Konkurrent DHL neuer Logistikpartner des FC zu werden.

Sponsoring als Business Case

Trotz aller Emotionalität sei natürlich der Business Case hinter einem Sponsorship wichtig, betont der US-Amerikaner: „Man muss wissen: Wenn ich X investiere, soll mehr als X rauskommen." Deshalb werde nicht nur die Wirkung von Bandenwerbung gemessen, sondern genau geschaut: Welche eingeladenen Kunden sind beim Spiel vor Ort? Wie hat sich ihr Verhalten gegenüber UPS verändert, nachdem man einen Tag gemeinsam Zeit verbracht haben? Solche Informationen sind auch relevant, um das Global-Marketing-Team von UPS in Atlanta von neuen Sponsorships zu überzeugen – denn dort werden alle Sponsorships weltweit koordiniert und entschieden.

Der gemeinsame Karnevals-Werbespot mit dem 1. FC Köln war ein „Volltreffer", sagt Sportolari.

Aus Sicht von Sportolari sei Sponsoring dann am erfolgreichsten, wenn unterschiedliche Marketing- und Sponsoring-Konzepte miteinander verknüpft werden könnten. Ein Beispiel: Eine der ersten Aktivierungen mit dem 1. FC Köln war ein gemeinsamer Werbespot Anfang November. Darin liefert UPS das FC-Karnevalstrikot an einen traurigen Clown, der gerade erfahren hatte, dass die fünfte Jahreszeit ausfällt. Das Video sei lustig gewesen, hätte Emotionen geweckt und zugleich die Marke UPS transportiert, die etwas Wichtiges tut. „Das ist natürlich der Volltreffer", ist Sportolari überzeugt.

Foto: UPS