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Schalke-Vorstand Jobst: „Man läuft Gefahr, sich vom Fußball zu entwöhnen“

Am Freitag startet der FC Schalke 04 beim FC Bayern München in die Saison 2020/21. Im persönlichen Gespräch gewährt Alexander Jobst, Vorstand für Marketing, Vertrieb und Organisation der Königsblauen, Einblicke in die aktuelle Finanzplanung auf Schalke und erklärt, wie er den Club in Zukunft krisenresistenter aufstellen will.

Nachdem das Pokalspiel des FC Schalke 04 kurzfristig ausfiel, startet der Club am Freitag mit der schwerstmöglichen Aufgabe in die neue Saison: Ein Auswärtsspiel beim FC Bayern München. Auch wenn ein Normalbetrieb in der Bundesliga nicht in Sicht ist, überwiegt bei Schalke-Vorstand Alexander Jobst die Vorfreude auf die neue Saison: „Der Saisonstart wird uns helfen, Stück für Stück in die Normalität zurückzukehren“, hofft der 46-Jährige. Die Befürchtung, dass sich Konsumenten bei einer zu langen Sendepause anderen Entertainment-Formaten wie Streaming oder Gaming zuwenden könnten, teilt Jobst: „Man läuft Gefahr, sich vom Fußball zu entwöhnen.“ Er hält es dabei jedoch für kurzsichtig, diesen Trend nur auf die Corona-Pandemie zu beziehen.

Empfindliche Einbußen im Sponsoring und Merchandising

„Aus sportlicher Sicht hat uns die Pause gut getan“, räumt Jobst mit Blick auf die Niederlagen-Serie der Schalker in der vergangenen Rückrunde ein. Die wichtigsten Partnerschaften sind auf Schalke langfristig angelegt: „Das zahlt sich in schwierigen Zeiten umso mehr aus“, sagt Jobst. Von den Partnern habe er in der Corona-Krise „viel Solidarität und Verständnis erfahren, allerdings auch eine gewisse Erwartungshaltung für die neue Saison.

Für die Saison 2020/21 plant der FC Schalke 04 im Bereich Sponsoring und Hospitality mit Corona-bedingten „Einbußen von 10 bis 15 Prozent“. Bei Einnahmen von 70 bis 80 Millionen Euro, die die Königsblauen in diesem Bereich zuletzt erzielen konnten, steht ein zweistelliger Millionen-Betrag auf dem Spiel. Das ist aber nicht die einzige Umsatzsäule, die sich bei S04 negativ entwickelt: „Wir müssen von einem noch weitaus eklatanteren Rückgang im Merchandising ausgehen“, sagt Jobst. Hier plane S04 mit Einbußen von 20 bis 30 Prozent. Nach SPONSORs-Informationen könnte hier vor allem durch den Wegfall des stationären Fanartikel-Umsatzes in der Veltins-Arena ein Betrag zwischen vier und fünf Millionen Euro wegbrechen.

„Finanzierung der Saison ist gewährleistet“

Natürlich sind vor allem die Spieltagerlöse in Gefahr, bei denen Schalke 04 zuletzt rund 35 Millionen Euro umsetzte. In der Planung für die Saison 2020/21 kalkuliert Jobst konservativ sogar komplett ohne Zuschauer: „Die Finanzierung für die Saison ist auch so gewährleistet und jede Teilzulassung von Zuschauern entlastet den Verein zusätzlich“, erklärt Jobst. Den Satz „Wir fahren auf Sicht“ erklärt der Schalke-Vorstand kurzerhand zum Satz des Jahres.

Auch bei den Medienerlösen plant Schalke 04  auf Basis der jüngsten Informationen seitens der DFL bereits 2020/21 mit geringeren Einnahmen von bis zu 15 Prozent. Das Ende sei dabei noch nicht in Sicht: „Wir gehen davon aus, dass die Pandemie auch mittel- und langfristig negative Folgen bringen wird“, sagt Jobst. In den Kalkulationen soll sich das überall wiederfinden: „Sollte es wider Erwarten besser laufen, tut das der Branche natürlich gut. Wir wissen aber der Profifußball ist nicht krisenresistent und wir ziehen nun unsere Lehren daraus, künftig etwas konservativer zu planen.“ Zu einer möglichen Umverteilung der TV-Gelder, die hinter den Kulissen schon heiß diskutiert wird, möchte sich Jobst – anders als viele Kollegen in Bundesliga – aktuell nicht äußern: „Eine öffentliche Diskussion ist hier nicht zielführend.“

Fremdfinanzierung vs. Ausgliederung?

Die größte Aufwandsposition bleibt bei S04 naturgemäß der Lizenzspieleretat. Hier wurden bereits diverse Einsparungsmaßnahmen getroffen. Ein Gehaltsverzicht in der Organisation des Clubs oder auch ein Investitionsstopp wird ebenfalls diskutiert. Durch die Corona-Pandemie ist auch die finanzielle Lage auf Schalke wieder mehr in den Fokus gerückt: „Es ist kein Geheimnis, dass Schalke 04 seit vielen Jahren Verbindlichkeiten mit sich trägt“, sagt Jobst. Aber „der Weg über Fremdfinanzierungen bei ausbleibenden sportlichen Erfolgen ist endlich“.

Der Vorstand, der bereits seit 2011 auf Schalke tätig ist, hält im Zuge dessen eine Diskussion über die Struktur und Rechtsform des Clubs für unvermeidlich: „Schalke 04 arbeitet aktuell an einem Konzept, diese Diskussion mit seinen Mitgliedern zu führen. Es wird keine Jahre mehr dauern“, kündigt Jobst eine Intensivierung der Debatte an.