Vesper

Michael Vesper: „Sponsoring ist eine Zweibahnstraße“

Seit März 2018 ist Michael Vesper Präsident des Dachverbandes Deutscher Galopp. Im persönlichen Gespräch berichtet der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) über das gestiegene mediale Interesse an seiner Sportart, beeindruckende Wettumsätze und Solidarität im Sponsoring.

Unter den Auswirkungen der Corona-Krise leidet auch der Galopprennsport in Deutschland. „Der Galopprennsport ist die Sportart, die nach dem Fußball mit über die höchsten Zuschauerzahlen verfügt“, sagt Michael Vesper, Präsident des Verbandes Deutscher Galopp, über die Bedeutung der Ticketeinnahmen in seiner Sportart. Die Erlöse aus Eintrittsgeldern auf den Bahnen fallen durch die Corona-bedingten Einschränkungen aktuell gänzlich weg. Auch die Erlöse aus Hospitality und Events, die sonst auf den Rennbahnen stattfinden, fehlen bei der Finanzierung.

Eine weitere Haupteinnahmequelle des deutschen Galopprennsports existiert indes weiter, auch wenn aktuell keine Zuschauer erlaubt sind. Wettumsätze werden nun ausschließlich über das Internet erzielt. Durch die sogenannte Rennwettsteuerrückerstattung erhalten die Rennvereine auch hier wichtige Zuwendungen. Das sind bis zu 96 Prozent der Steuer, die auf Pferdewetten entfällt. Und gewettet wird viel: Vesper berichtet von „hervorragenden Wettumsätzen“ in der Krise: „Wir haben fast jeden Tag einen neuen Rekord gebrochen.“

Einen großen Dank spricht der Galoppverbands-Präsident in diesem Kontext den Buchmachern aus, die aufgrund der Einnahmeverluste auf Seiten der Rennvereine auf ihre übliche Provision verzichtet haben. Ein weiterer Grund für die gestiegenen Wettumsätze sei laut Vesper eine private Initiative dreier Rennsportenthusiasten, die noch vor dem ersten Renntag folgende Wette gestartet haben: „Wetten, dass wir es schaffen, bereits vor dem ersten Renntag 100 Menschen zu versammeln, die öffentlich versprechen, in jedem der geplanten 227 Galopprennen in Deutschland 50 Euro auf Sieg zu wetten?“ Das Ziel wurde mit 120 Teilnehmern sogar noch übertroffen, so der ehemalige Spitzenpolitiker. 

HD-Übertragungen im Internet

Der Galopprennsport war am 7. Mai – und damit noch vor der Fußball-Bundesliga – der erste Profisport in Deutschland, der seinen Betrieb wieder aufgenommen hat. Dazu profitiere der Galopprennsport aktuell davon, dass die Rennen in Kooperation mit dem Unternehmen Riedel Communications in HD-Qualität und mit Kommentatoren im Internet übertragen würden, so Vesper: „Das ist die Grundlage dafür, dass weiter gewettet werden kann.“ Ebenso sei die mediale Aufmerksamkeit in Zeiten von Corona stark gewachsen, berichtet der langjährige DOSB-Präsident: „Wir waren dreimal hintereinander mit unseren Rennen in der Sonntags-Sportschau.“

Der Präsident des Deutsche Galopp spricht auch über den Ausweg aus der Krise. Der Re-Start ist dabei in drei Phasen eingeteilt. In Phase eins habe der Galopprennsport von den Provisions-Verzichten der Buchmacher sowie der „Wetten, dass…“-Initiative profitiert, erklärt Vesper. Anfang der Woche startete nun Phase zwei, in der „die Buchmacher weiter auf einen Teil ihrer Provision verzichten wollen“. Dazu soll auch die private Initiative in veränderter Form weitergeführt werden. Ziel für Phase drei sei es dann wieder Zuschauer zu den Rennen zu zulassen, gibt Vesper einen Ausblick.

Durch seine langjährige Tätigkeit als DOSB-Präsident und Spitzenpolitiker hat Vesper auch gesamt Sportdeutschland im Blick. Die Not sehe er besonders an der Basis, wo die Kommunen und die Länder zuständig sind. „Es ist eben nicht alles nur Fußball und nicht alles nur Profisport, sondern das große Problem liegt an der Basis.“ Einen Ansatzpunkt sieht Vesper auch im Bereich Sponsoring: „Sponsoring ist eine Zweibahnstraße – ist ein Geben und ein Nehmen.“ Deswegen sei es wichtig, dass man denen, die bereit sind den Sport zu unterstützen auch entgegenkommt, betont Vesper. Gleiches gelte jedoch auch andersherum.

Foto: Deutscher Galopp