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Mainz-Vorstand Lehmann: „Einschnitte, die ein kleinerer Club nicht einfach so wegstecken kann“

Im Gespräch mit SPONSORs blickt Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand des 1. FSV Mainz 05 und ehemaliger Direktor der Deutschen Fußball Liga (DFL), auf die Ergebnisse der DFL-Medienrechte-Vergabe ab 2021/22, notwendige Einsparungen seines Vereins und eine mögliche Umverteilung der TV-Gelder innerhalb der Liga.

Statt bisher 1,16 Milliarden Euro werden von der Deutschen Fußball Liga (DFL) aus dem neuen nationalen Medienrechte-Vertrag ab 2021/22 an die Clubs der Bundesliga und 2. Liga pro Saison im Schnitt 1,1 Milliarden Euro verteilt. Eigentlich ein überschaubarer Verlust in Krisenzeiten. Aufgrund der progressiven Ausschüttung innerhalb der Rechte-Zyklen sinkt der Betrag zwischen dem letzten Jahr des laufenden und dem ersten Jahr des neuen Zyklus allerdings um über 23 Prozent: „Das sind Einschnitte, die gerade ein kleinerer Club wie wir nicht einfach so wegstecken kann“, sagt Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand des 1. FSV Mainz 05.  

Bei der vergangenen nationalen Medienrechte-Vergabe im Jahr 2016 hatte die DFL noch ein märchenhaftes Wachstum von rund 85 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vergabezeitraum erzielt. Dass das Wachstum gebremst wurde, liege „auch daran, dass der Wettbewerb vielleicht nicht ganz so groß gewesen ist, wie man erhofft habe“, erklärt Lehmann. Den Einfluss von Corona schätzt der langjährige Direktor Strategisches Marketing & Produktmanagement bei der DFL dagegen als geringer ein als man es eigentlich denke würde.

Umverteilung der TV-Gelder

Ein Thema, das im Zuge der Medienrechte-Vergabe auch wieder heiß diskutiert werden dürfte, ist die Verteilung der TV-Gelder. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke warnte jüngst bereits vor einer Umverteilung: „Wenn man versucht, die Zugpferde der Liga zu schwächen, dann schwächt man die ganze Liga.“ Mainz-Vorstand Lehmann betont, dass man eine Balance finden müsse: „Die Gesamterlöse werden so verteilt, dass der Erste knapp viermal soviel bekommt wie der Letzte der Bundesliga“, erklärt Lehmann. Vor rund zehn Jahren habe der Faktor noch bei 1 zu 2,3 gelegen. „Was Clubs wie wir wollen – und ich glaube sehr viele Clubs denken auch so – ist kein radikaler Wandel, sondern die Rückkehr zu etwas, das eigentlich auch in der Vergangenheit bewährt war“, stellt der kaufmännische Vorstand von Mainz 05 klar.

Das vergangene Geschäftsjahr hat Mainz 05 mit einem Rekordumsatz von 145,4 Millionen Euro abgeschlossen. Dabei machte der Bereich Medienverwertung mit 55,7 Millionen Euro mehr als ein Drittel der Gesamteinnahmen aus. „Der Rückgang trifft uns damit auch nochmal mehr als die großen Clubs“, hebt Lehmann die besondere Bedeutung der Medienerlöse gerade für mittlere und kleinere Clubs heraus. Dieser Punkt sei ein weiterer Grund, die Verteilung der TV-Gelder noch einmal zu überdenken. Die Umverteilung der Medienerlöse könne allerdings auch nicht alleine alle Probleme des Fußballs lösen.

Mindereinnahmen von bis zu 150 Millionen Euro

Im Vorfeld der Medienrechte-Vergabe hat die Kommission Finanzen der DFL den 36 Clubs in einem Schreiben mitgeteilt, das bereits in der kommenden Spielzeit im Bereich der nationalen Medienerlöse Mindereinnahmen von bis zu 150 Millionen Euro drohen. „Ich hoffe und glaube, dass es so schlimm nicht kommen wird“, gibt sich Lehmann optimistisch. Sollte der Worst-Case doch eintreten, rechne Mainz 05 mit „14 bis 15 Prozent weniger Einnahmen aus der Zentralvermarktung der DFL als ursprünglich geplant“, gibt der kaufmännische Vorstand weitere Einblicke in die Kalkulationen seines Clubs.

Foto: imago images / Martin Hoffmann