Röschl

Jako-Vorstand Röschl über neue Ausrüsterdeals: „Wir haben keinen Druck, kurzfristig aktiv zu reagieren“

Zu Beginn der Corona-Pandemie brachen beim Sportartikelhersteller Jako 70 Prozent des Umsatzes weg. Die Einbußen konnte das Familienunternehmen aus Mulfingen-Hollenbach aber im Jahresverlauf durch eine angepasste Strategie kompensieren, im Herbst feierte es sogar die besten Monate der Unternehmensgeschichte. Tobias Röschl, Vorstand für Marketing und Vertrieb, erklärt im Video-Interview mit SPONSORs, wie das gelungen ist und warum Jako 100 000 Vereine in 50 Ländern ausrüstet.

Eigentlich hatte Jako für 2020 einen Umsatzrekord angepeilt: Das Ziel lautete 120 Millionen Euro. Corona hat dem Sportartikelhersteller allerdings einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung gemacht. Ende April brachen die Umsätze wegen der Unterbrechung des Spielbetriebs in den Amateur- und Profiligen um 70 Prozent ein. „Wir mussten uns auf alle möglichen Szenarien vorbereiten. Auch darauf, dass im gesamten Jahr kein Sport stattfinden wird. Unsere strategischen Entscheidungen mussten wir entsprechend anpassen“, berichtet Tobias Röschl im Gespräch mit SPONSORs.

Seit Januar gehört Röschl dem vierköpfigen Vorstand an und leitet die Ressorts Marketing und Vertrieb. Jako-Gründer Rudi Sprügel hatte zum Jahreswechsel nach 32 Jahren an der Spitze des Unternehmens für die nächste Generation Platz gemacht. „Wir blicken auf ein Jahr zurück, das besser gelaufen ist als erwartet. Im September und Oktober waren wir aufgrund unserer Vorbereitung in der Lage, gemeinsam mit unseren Händlern aus dem Lager heraus die beiden besten Monate der Unternehmensgeschichte abzuliefern“, sagt Röschl. Für das laufende Jahr rechnet Jako mit einem Umsatz von 115 Millionen Euro – vorausgesetzt, dass auch der Amateursport im Frühling wieder starten darf.

„Kein Kanal wird den anderen völlig ersetzen“

Für das Unternehmen und seine Handelspartner bedeuten die vielen Unwägbarkeiten der Zukunft eine schnelle Anpassung und Weiterentwicklung der digitalen Transformation, die allerdings schon weit vor Corona in Gang gesetzt wurde. Die aktuelle Situation hat die Dynamik der Prozesse erheblich beschleunigt. Jako nutzte die Zeit beispielsweise, um sein Teamshop-Konzept für Vereine auszubauen. Inzwischen seien über 5000 digitale Shops etabliert. Das Wachstum im E-Commerce bewege sich im zweistelligen Bereich und mache inzwischen ein Viertel der Umsätze aus, so Röschl.

Das Kerngeschäft von Jako bleibe jedoch der klassische Fachhandel. „Wir glauben prinzipiell daran, dass kein Kanal den anderen völlig ersetzt”, prognostiziert Röschl: „Das Nutzungsverhalten der Endkunden hat sich verändert. Aber gerade bezogen auf den komplexen Prozess des Teamsport-Einkaufs stellen wir fest, dass dieser weitaus erklärungsbedürftiger und beratungsintensiver ist als der reine Kauf eines T-Shirts.“ Dafür habe Jako unter anderem das Konzept „Teamshop 89“ initiiert, das nicht mehr klassisch die Perspektive des Einzelhandels einnimmt, sondern eine Art Showrooming für Händler bietet.

Über die Verbandsliga zu Jako

Röschl kam 2007 durch einen Zufall zu Jako. Der damals 23-Jährige hatte als Werkstudent bei Porsche gerade seine Bachelor-Thesis fertiggestellt, als der FSV Hollenbach, ein von Jako ausgerüsteter Club der ersten Stunde, einen neuen Torhüter für seine Verbandsligamannschaft suchte. Röschl war talentiert, spielte in der seinerzeit noch drittklassigen Regionalliga, musste seinen Traum, Fußballprofi zu werden, allerdings begraben. Beim von Jako-Gründer Rudi Sprügel unterstützen FSV Hollenbach fand Röschl nicht nur eine neue sportliche Heimat, sondern auch eine berufliche. Der gebürtige Aidlinger fing beim Familienunternehmen zunächst im Marketing an, wurde später Verkaufsleiter und rückte im Januar 2021 in den Vorstand auf. „Ich konnte von Beginn an die Marke aktiv mitgestalten und durfte in unterschiedlichen Themenbereichen Verantwortung übernehmen“, resümiert Röschl.

Vom Mittelstand in die Champions League

Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg ist seit vielen Jahren als Sponsor aktiv und stattet laut eigenen Angaben weltweit mehr als 100 000 Vereine aus 50 verschiedenen Ländern aus. Im Profifußball ist die Marke hierzulande seit 2016 Ausrüster von Bayer 04 Leverkusen (laut SPONSORs DATA 3,5 Millionen Euro pro Saison bis 2022) und war 2019/20 sogar in der UEFA Champions League vertreten. Darüber hinaus fungiert Jako unter anderem als Partner des VfB Stuttgart (laut SPONSORs DATA drei Millionen Euro pro Saison bis 2023), von Zweitliga-Aufsteiger Würzburger Kickers (laut SPONSORs DATA 100 000 Euro pro Saison bis 2025) und ist auch im Eishockey bei den Augsburg Panthers präsent.

Wichtige Wachstumsmärkte außerhalb des deutschsprachigen Auslands sind vor allem die Benelux-Länder, wo Jako in Belgien bei Royal Antwerpen und den Niederlanden beim SC Heerenveen Präsenz zeigt. „Der Fokus, Stand heute, liegt in der klassischen DACH-Region. Nichtsdestotrotz ist die Internationalisierung ein Zukunftsthema für uns. Wir sondieren, welche Märkte für uns relevant sein können“, analysiert Röschl. Die wirtschaftliche Verantwortung, gerade in diesen ungewissen Zeiten, lässt ihn jedoch abwartend nach vorn blicken: „Wir haben keinen Druck, kurzfristig aktiv zu reagieren.“

2020 für Jako ein „positiv-bitteres“ Jahr

In Bezug auf die Marketingaktivitäten im Teamsport blickt Röschl mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. Der Aufstieg des VfB Stuttgart in die Bundesliga, die Finalteilnahme von Bayer 04 Leverkusen im DFB-Pokal oder der Pokalgewinn von Royal Antwerpen in Belgien – all das konnte Jako mit seinen Partnern nur mit dem gebotenen Abstand feiern. „2020 war für uns ein positiv-bitteres Jahr. Wir bedauern, dass viele Momente nicht so gelebt werden konnten wie es sonst üblich gewesen wäre. Insgesamt sind wir aber sehr zufrieden mit unseren Partnerschaften, sodass wir den Markt in Ruhe beobachten können“, berichtet Röschl. Erst vor Kurzem konnte Jako für den VfB Stuttgart mit einem Regenbogentrikot zum Thema Diversität einen Erfolg feiern: Das Sondermodell mit einer limitierten Auflage von 1893 Stück war innerhalb von einer Stunde ausverkauft. Auch in der Krise werden Kreativität und Haltung belohnt. Beides zählt zur DNA von Jako.

Foto: Jako

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