Reichert

Sport1-COO Reichert: „Uns fehlen die Leuchtturm-Reichweiten“

Die Aussetzung aller sportlichen Wettbewerbe trifft die übertragenden Sender hart. Matthias Reichert, Chief Operating Officer von Sport1, erklärt wie der Spartensender die großen Lücken im Programm füllt und welche Werbepartner in der aktuellen Lage profitieren können.

Wenn keine sportlichen Events stattfinden, entstehen bei einem Sportsender naturgemäß große Lücken im Programm. Im Programm von Sport1 finden sich gezwungener Maßen in Zeiten von Corona viele alternative Formate: „Wir setzen wie viele Kollegen aktuell auf die Themen Best-of und Classics“, erklärt Matthias Reichert. Sport1 profitiert davon, dass die TV-Nutzung durch Corona generell zugenommen hat – in der Zielgruppe „Männlich, 14-49 Jahre“ ist die TV-Nutzung um rund 20 Prozent gewachsen. „Am Ende fehlen uns aber die Leuchtturm-Reichweiten“, sagt Reichert. Im April rechnet Sport1 daher „je nach Kanal“ mit rückläufigen Einschaltquoten von bis zu 50 Prozent, so der Sport1-COO. Auf der anderen Seite würden die Zahlen auf digitalen Kanälen wie Youtube oder Instagram aktuell stark steigen, führt Reichert aus.

SPONSORs im Gespräch mit Matthias Reichert, CCO von Sport1

Sport1 fehlt der Fußball dabei am meisten. Die Bundesliga füllt normalerweise 24/7 die Kanäle des Medienhauses. Entsprechend gespannt blicken Reichert und seine Kollegen auf die aktuellen Diskussionen, um eine mögliche Fortsetzung des Spielbetriebs. Mit der Eishockey-WM, die aktuell beginnen sollte, ist Sport1 ein weiterer Quotengarant bereits weggebrochen. Auch die Reichweiten, die sonst über die DEL-Playoffs erzielt werden, können nicht aufgefangen werden. Selbiges gilt für andere Sportarten im Programm wie Basketball oder Volleyball.

„Eine Krise ist auch immer eine Chance“, gibt sich Reichert trotzdem zuversichtlich. Unter anderem an das Thema eSport knüpfe Sport1 aktuell seine Hoffnungen. Mit der „Sport1 Super League“ wurde sogar kurzfristig ein neuer eSport-Wettbewerb geschaffen. Daneben seien auch Übertragungen vom Pokern aktuell wieder stark nachgefragt.

Reichert, der bei Sport1 für die Vermarktung zuständig ist, spricht zudem offen über den aktuellen Austausch mit den Werbepartnern. Die Corona-Krise trifft den Werbemarkt besonders hart. Reichert zeigt sich daher froh, dass Sport1 neben den Werbeeinnahmen auch alternative Erlösmodelle, wie Telesales oder Distributionskooperationen mit Pay-TV-Sender hat. Die machen immerhin rund ein Drittel der Einnahmen aus. Da es im Werbeumfeld aktuell deutlich weniger Konkurrenz als sonst gebe sieht Reichert aktuell auch „Chancen für Marken sich deutlich aufmerksamkeitsstärker zu positionieren“.