Wettstein

HSV-Finanzvorstand Wettstein: „Verbindlichkeiten um 17 Millionen Euro reduziert“

Die Corona-Krise geht auch an Fußball-Zweitligist Hamburger SV nicht spurlos vorbei. HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein analysiert im Gespräch mit SPONSORs die wirtschaftliche Lage der Hanseaten, nennt die dringlichsten Aufgaben für die Zukunft und verkündet zwei große Erfolge im Bereich des Finanzmanagements.

Der Hamburger SV ist am vergangenen Freitag mit einem 2:1-Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf in die neue Zweitliga-Saison gestartet. Im Volksparkstadion waren 1000 Fans zugelassen. Seine Finanzplanung für 2020/21 hat der HSV aber unter anderem ohne Ticketing-Einnahmen gemacht: „Wir arbeiten mit einer großen Unsicherheit und haben den internen Planungen unterstellt, dass die Hinrunde komplett ohne Zuschauer zu bewältigen ist“, sagt Frank Wettstein, Finanzvorstand des HSV, im Gespräch mit SPONSORs. „In dieser Phase geht es darum, die Finanzmittel zusammenzuhalten, sämtliche Investitionen zu überprüfen und die Dinge, die ‚nice to have‘ sind, entsprechend zurückzustellen“, erklärt Wettstein weiter, versichert aber gleichzeitig: „Wir haben nicht im Fokus, den Service-Level oder den Nachwuchsbereich beschneiden zu wollen.

Verbindlichkeiten um 18 Prozent gesenkt

Schon in der letzten Saison waren die Auswirkungen der Pandemie auf den Gesamtumsatz deutlich zu spüren. „Im nun abgelaufenen Geschäftsjahr verzeichnen wir im Vergleich zu 2018/19 einen Rückgang um etwa 30 Millionen Euro“, bilanziert Wettstein: „Aufgrund der fünf Geisterspiele, weiterer Verschiebungen auf der Erlösseite bis hin zu dem Ausfall von Konzerten in unserem Stadion haben wir das Jahr mit einem Fehlbetrag abgeschlossen. Ohne Corona-Pandemie hätten wir ein ausgeglichenes Jahresergebnis erzielen können.“ Allein aus den fünf Heimspielen ohne Zuschauer resultiert ein kumulierter Verlust von sieben bis acht Millionen Euro.

Trotz der Corona-Krise kann der HSV auch wirtschaftlich positive Schlagzeilen schreiben, wie Wettstein verrät: „Wir haben unsere Verbindlichkeiten im letzten Jahr in einer Größenordnung von 17 Millionen Euro reduziert“. Zum Ende der Spielzeit 2018/19 betrugen diese noch 91,3 Millionen Euro, nun der deutliche Rückgang um rund 18 Prozent. „Gelungen ist das durch Finanzmanagement, der Umstrukturierung von Schulden, die Neuplatzierung von Finanzinstrumenten sowie Regeltilgungen, die jetzt zu Lasten des Cash-Bestands zu Beginn des Geschäftsjahres und zu Lasten des Cash-Flows bedient werden konnten“, erklärt Wettstein.

Bedachte Suche nach Naming-Right-Partner

Nachdem der HSV vor Saisonstart mit Orthomol einen neuen Haupt- und Trikotsponsor präsentiert hat, ist die Vermarktung des Naming-Rights vom Volksparkstadion die größte Herausforderung: „Allerdings sind wir da nicht gezwungen, das zeitnah zu machen, sondern machen es mit Bedacht“, sagt Wettstein, der seit 2014 Vorstandsmitglied der HSV Fußball AG ist. „Es geht darum, den richtigen Partner zu identifizieren und ein entsprechendes Programm zu entwickeln. Hier stehen wir auch im Wettbewerb mit anderen Standorten und wissen, dass die Vermarktung der Namensrechte durchaus eine längere Zeit in Anspruch nimmt.“ Bis Juni 2020 hielt Investor Klaus-Michael Kühne dieses Mandat und zahlte laut SPONSORs DATA vier Millionen Euro pro Saison. Auch eine erneute Zusammenarbeit mit Kühne scheint für Wettstein nicht ausgeschlossen.

Finanziellen Spielraum bei der Suche eines Naming-Right-Partners bringt dem Hamburger SV auch eine Absichtserklärung mit der Stadt Hamburg, die dem HSV das Gelände rund um das Volksparkstadion für 23,5 Millionen Euro abkaufen will. Der Club nutzt das Gelände stattdessen fortan auf Pachtbasis für jährlich 1,8 Prozent des Grundstückwerts: „Die Vereinbarung mit der Stadt Hamburg hat uns in die Lage versetzt, dass wir, wenn die Krise doch länger als erwartet andauern sollte, finanziell diese überbrücken können. Neben der Beschaffung von Liquiditätsreserven wollen wir, auch im Hinblick auf die Europameisterschaft 2024, das Stadion weiter modernisieren.“

Foto: Hamburger SV