Wiederer

EHF-Chef Wiederer: „Wir können auf der Gewinner-Seite sein“

Die Europäische Handballföderation (EHF) hat Ende März eine Machbarkeitsstudie für eine Wiederaufnahme der Europäischen Wettbewerbe vorgestellt. Mit welchen Szenarien der Verband plant und was die Corona-Krise für den Millionen-Vertrag mit Dazn und Infront bedeutet, skizziert EHF-Präsident Michael Wiederer im persönlichen Gespräch mit SPONSORs.

Die Europäische Handballföderation begegnet der Corona-Krise mit einer transparenten Strategie: In einer Machbarkeitsstudie wurden zwei Szenarien zur Fortsetzung der Saison herausgearbeitet. „Das erste Szenario ist man kann im Juni spielen“, erklärt Michael Wiederer. Auch für den Fall, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht gespielt werden kann, habe man klare Lösungen getroffen, betont der EHF-Präsident. „Wir wollen am Freitag, den 24. April eine Entscheidung treffen, wie die Saison zu Ende geht“, skizziert der EHF-Präsident den weiteren Zeitplan.

Bereits am 25. März hat die EHF die Final-Fours der Champions League und des EHF-Cups vom Mai in den August verlegt. Zu dieser Terminierung sagt Wiederer heute: „Per Mitte März war es sehr realistisch.“ Der Verband beobachte nichtsdestotrotz die Entwicklungen in den verschiedenen Ländern. Bei einem Koordinationsmeeting mit den Verantwortlichen der Clubs in der vergangenen Woche sei das Votum eindeutig gewesen – die Final-Fours sollen in jedem Fall ausgetragen werden. Deshalb arbeite man auch an einem alternativen Szenario, wenn der August-Termin nicht zu halten sei, führte der 64-Jährige aus.

SPONSORs im Gespräch mit Michael Wiederer, EHF-Präsident

Ein Umzug der Turniere in andere Städte schloss Wiederer indes aus: „Das ist für uns keine Alternative.“ Zudem herrsche ein gemeinsames Verständnis zwischen den Clubs und der EHF, dass man keine Geisterspiele wolle. „Das Final-Four in Köln lebt von der Begeisterung der Zuschauer“, nennt Wiederer das wichtigste Argument. Dazu kämen auch die wirtschaftlichen Folgen von Spielen vor leeren Rängen.

Die EHF hat im Jahr 2018 einen langfristigen Vertrag mit Infront und Dazn über die globale Vermarktung beziehungsweise Verwertung von Medien- und Marketingrechten im europäischen Handball – sowohl für die Nationalmannschafts- als auch für die Club-Wettbewerbe bei den Männern und Frauen abgeschlossen. Zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf den ab diesem Jahr laufenden Kontrakt äußert sich Wiederer ebenfalls: „Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen zu diesen Verträgen stehen.“ Um dies zu gewährleisten, sei jedoch erforderlich, dass an den Europameisterschaften und den Club-Wettbewerben auch die besten Teams teilnehmen würden. Inwieweit die Corona-Krise dies verhindern könnte, ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht absehbar.