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DHL-Sponsoringchefin Schröder-Schönberg: „Wir verstehen uns als Plattform-Sponsor“

Die Deutsche Post DHL Group, der führende Anbieter für Logistik, setzt beim Thema Markenkommunikation seit Jahren erfolgreich auf Sponsoring. Die Partnerschaften reichen vom Motorsport bis zum größten Veranstalter von eSport-Events. Christine Schröder-Schönberg, Head of Global Sponsorships bei der Deutschen Post DHL Group, erklärt im Video-Interview mit SPONSORs die Strategie des Konzerns und blickt auf die Zielsetzungen der Zukunft.

Obwohl sich die Deutsche Post DHL Group ungern als Profiteur der Pandemie bezeichnet, sprechen die Geschäftszahlen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2020 konnte der nach eigenen Angaben weltweit führende Logistikanbieter einen Rekordumsatz von 66 Milliarden Euro erzielen. Die positive Entwicklung ist auf die massiv gestiegene Nachfrage im Bereich E-Commerce zurückzuführen. Kaufhäuser, Geschäfte oder Baumärkte blieben während der Lockdowns geschlossen und trieben Kunden massenhaft zum Einkaufen ins Internet. Auch die Deutsche Post DHL Group hat diesen Anstieg als Post-, Paket- und Frachtzusteller für sich nutzen können und ist insgesamt weitergewachsen: Inzwischen beschäftigt das Unternehmen mit Sitz in Bonn weltweit über 570 000 Mitarbeiter, gehört zu den größten Arbeitgebern und ist in 220 Ländern und Territorien aktiv.

„Die Pandemie brachte aber auch eine besondere Verantwortung als Logistikdienstleister mit sich. Wir waren gefordert, die Infrastruktur unter Beachtung von Hygienekonzepten zu erhalten und insbesondere kontaktlose Lieferungen sicherzustellen. Die Menge an zugestellten Paketen war unglaublich“, blickt Christine Schröder-Schönberg im Gespräch mit SPONSORs auf die Herausforderungen seit Ausbruch der Pandemie zurück. In ihrer Funktion als Head of Global Sponsorships verantwortet Schröder-Schönberg die weltweiten Partnerschaften des Konzerns – auch in ihrem Verantwortungsbereich waren die Auswirkungen der Corona-Krise zunächst erheblich. „Gerade im Sponsoring hat uns die Pandemie kalt erwischt und eine Art Schockstarre ausgelöst. Aber die hat nicht lange angedauert“, so die Managerin.

Die Absage etlicher Sportveranstaltungen forderte von ihrem Team und ihren Partnern kreative Lösungen. Die zentrale Frage lautete: Wie kann die Fankommunikation trotz aller Umstände aufrechterhalten werden? „Es ging darum, zu informieren – und zu unterhalten. Dabei sind sehr spezielle Projekte entstanden. Beispielsweise hat die Formel 1 für die Fans umgehend virtuelle Rennen umgesetzt“, so Schröder-Schönberg. Die Partnerschaft mit der Königsklasse des Motorsports hat eine lange Historie. Seit fast 40 Jahren sorgt DHL für die Lieferung von 2000 Tonnen Rennwagen, Kraftstoff und Ausrüstung an Veranstaltungsorte in der ganzen Welt. Im Jahr 2004 wurde die Zusammenarbeit in eine offizielle Logistikpartnerschaft erweitert, Motorsportlogistikexperten arbeiten seither noch enger mit dem Formel-1-Management und den Rennteams zusammen.

Der Motorsport ist ein gutes Beispiel, um die strategische Ausrichtung der Deutschen Post DHL Group zu erklären. Neben der Formel 1 zählt auch die Formel E zum Portfolio und seit 2018 auch die ESL One als weltweit führende Organisatorin von eSport-Events und Veranstalterin prestigeträchtiger Turniere mit einem jährlichen Livestream-Publikum von 600 Millionen Zuschauern. „Sponsoring ist ein ganz fester Bestandteil unserer Markenkommunikation. Wir haben ein sehr diverses Portfolio, wobei Logistik bei der Partnerwahl immer eine große Rolle spielt. Deshalb verstehen wir uns auch überwiegend als Plattform-Sponsor“, erklärt Schröder-Schönberg. Konkrete Zahlen zur Höhe des Sponsoringbudgets wollte sie nicht kommentieren. Nach SPONSORs-Informationen dürften sich die Sponsoringinvests des Konzerns, der zuletzt einen Umsatz von 66 Milliarden Euro erwirtschaftete, im achtstelligen Bereich bewegen.

Sieben Milliarden Euro für klimaneutrale Logistik

Auf nationaler Ebene bestanden in der jüngsten Vergangenheit zudem einige Club-Partnerschaften. Mit dem FC Schalke 04, dem FC Bayern München und dem 1. FC Köln wurden die Verträge jedoch nicht verlängert. Eine internationale Ausnahme bildet die langjährige Kooperation zwischen DHL Express und Manchester United. Als Club mit internationaler Strahlkraft ist Manchester United für das Unternehmen vor allem für die Märkte Nord- und Südamerika, Naher Osten und Asien relevant. Der Hintergrund für die Entscheidung, im deutschen Markt bei den Clubs auszusteigen, ist indes einer veränderten Zielsetzung und einer stärkeren Fokussierung auf Plattform-Sponsorings geschuldet: „Wir sind weiterhin in die Logistik eingebunden, haben uns aber entschieden, unsere Aufmerksamkeit auf andere Themen zu richten“, sagt Schröder-Schönberg.

Auch das Thema Nachhaltigkeit steht dabei auf der Prioritätenliste für die Zukunft weit oben. Bis 2030 investiert der Konzern insgesamt sieben Milliarden Euro in klimaneutrale Logistik und setzt zunehmend auf E-Fahrzeuge und nachhaltige Flugzeugkraftstoffe. Das Ziel: Alle Emissionen sollen bis zum Jahr 2050 auf netto null reduziert werden. „Wir wollen unser gelbes Unternehmen grüner machen. Das hat auch Auswirkungen auf Sponsoring. Wir haben das Thema Nachhaltigkeit in unsere Strategie implementiert und schauen bei der Auswahl sehr genau hin, ob wir ein gemeinsames Verständnis mit dem Partner haben“, sagt Schröder-Schönberg. Sie ist überzeugt, dass sich die Welt des Sponsorings in den vergangenen Jahren „dramatisch verändert“ habe und heute mehr Inhalt und Storytelling fordere. Der Rahmen dafür ist bei der Deutschen Post DHL Group klar: voller Fokus auf die Umwelt.

Foto: Deutsche Post DHL Group

SBC