Niels Rossow

FCN-Vorstand Rossow: „Wir nehmen unsere Zukunft in die eigenen Hände“

Der 1. FC Nürnberg vermarktet sich ab der Saison 2022/23 wieder eigenständig. Im Interview mit SPONSORs gibt Niels Rossow, kaufmännischer Vorstand des Fußball-Zweitligisten, einen Einblick in die Ziele seines Clubs und die künftige Sponsoringstrategie. Der ehemalige Adidas-Manager spricht über die Learnings aus der Corona-Krise für den Profifußball und Investitionen in die Zukunft.

SPONSORs: Herr Rossow, im Juni 2022 endet die dann 24-jährige Vermarktungspartnerschaft zwischen dem 1. FC Nürnberg und Sportfive und Ihr Club kehrt zur Eigenvermarktung zurück. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit diesem Schritt?

Rossow: Wir haben uns unter Vermarktungsgesichtspunkten den Community-Ansatz auf die Fahne geschrieben, um auch ein Spektrum abzudecken, dass über die 90 Minuten Spielzeit hinausgeht. Wir wollen so sicherstellen, dass wir unseren Partnern nicht nur standardisierte Sponsoringrechte zur Verfügung stellen, sondern auch kreative Möglichkeiten entwickeln, um mit der großen Reichweite unserer Fans zu kommunizieren und zeitgemäß im Sinne der Gesellschaft zu agieren.

SPONSORs: Was versprechen Sie sich davon?

Rossow: Es geht uns darum, im direkten Austausch mit unseren Partnern noch nachhaltiger Vertrauen zu schaffen und einen langfristigen gemeinsamen Ansatz zu verfolgen, von dem alle profitieren. Wir wollen dabei trotz unserer langen Tradition ein innovatives Unternehmen sein. Die Eigenvermarktung wird uns diese Position noch stärker darstellen lassen.

SPONSORs: In der Saison 2019/20 haben Sie Werbeeinahmen in Höhe von 6,7 Millionen Euro erzielt. Welches Wachstumspotenzial ist hier noch möglich?

Rossow: Ich verspreche mir natürlich, dass wir durch den ganzheitlichen Ansatz mehr Partner gewinnen und die Sponsorings auch noch einmal intensivieren, ausbauen und werthaltiger gestalten.

SPONSORs: Planen Sie, auch gänzlich neue Sponsoringpakete anzubieten?

Rossow: Wir machen aktuell sehr gute Erfahrungen mit unserem breiteren Ansatz. Die Sparkasse Nürnberg ist hier ein gutes erstes Beispiel, mit der wir eine sogenannte Community-Partnerschaft ausgerufen haben, die völlig abseits des Stadions und auch der Lizenzmannschaft stattfindet.

SPONSORs: Was ist – neben dem Anschluss an die Community des FCN – noch Kern des Vermarktungsansatzes?

Rossow: Wir wollen das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich leben. Nicht nur im ökologischen, sondern auch im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hinblick. Darin sehen wir die Zukunft unserer Vermarktungsstrategie. Es werden weitere Partnerschaften folgen, die in diese Richtung gehen.

SPONSORs: Beim Blick auf die Sponsoren-Pyramide des FCN fällt auf, dass Ihre Partner vor allem aus Nürnberg und Umgebung stammen. Wie wollen Sie künftig auch vermehrt Unternehmen außerhalb der Metropolregion Nürnberg ansprechen?

Rossow: Es soll zum guten Ton gehören, sich mit dem FCN zu assoziieren. Jedes Unternehmen aus der Region soll erkennen, dass eine Partnerschaft mit dem Club einen Mehrwert mit sich bringt. Nichtsdestotrotz verschließen wir uns natürlich nicht vor überregionalen Partnerschaften. Zuallererst wollen wir unser Profil aber über das regionale Engagement stärken. Im nächsten Schritt geht es darum, unsere Reichweite sukzessive auszubauen. Unser Ziel ist es, zu einem Vorzeigeunternehmen in der Region zu werden – durch innovatives und nachhaltiges Handeln.

SPONSORs: Wie viele Mitarbeiter wird das Vermarktungsteam des FCN umfassen?

Rossow: Wir haben das Ziel, bis zu zwölf Mitarbeiter in die Eigenvermarktungsorganisation zu bringen. Das Team werden wir aufteilen in Vertrieb, Konzeption und Planung. Unser Anspruch ist dabei, wie eine Inhouse-Agentur für den Club und unsere Partner zu agieren.

SPONSORs: Sie sprachen das Thema Corporate Social Responsibility bereits an. Der FCN hat im Oktober 2020 gemeinsam mit der Sparkasse Nürnberg die Community-Plattform „Unser Club“ gestartet. Was hat es damit auf sich?

Rossow: Wir sind der erste Club in Europa, der ein solches Projekt ins Leben gerufen hat. Mit „Unser Club“ bieten wir eine Plattform, auf der tagesaktuelle Maßnahmen dargestellt werden, mit denen sich der 1. FC Nürnberg gesellschaftszentrisch und nachhaltig engagiert. Das Angebot reicht von Themen wie Inklusion und Integration über Bewegungsförderung bis zu Ernährungsberatung. Man kann sich über diese Plattform auch für bestimmte Kurse registrieren, an denen man teilnehmen will, oder für Initiativen, bei denen man helfen will.

SPONSORs: Welche Vorteile bieten sich für die Teilnehmer neben der Unterstützung einer guten Sache?

Rossow: Mit jeder Partizipation werden Punkte gesammelt, die in Form eines Loyalty-Programms umgewandelt werden können. Dabei stehen Money-can't-buy-Preise im Vordergrund: beispielsweise das Holland-Fahrrad, mit dem Hans Meyer früher zum Training gefahren ist, oder ein Abendessen mit Enrico Valentini bei seinem Lieblingsitaliener. Es geht darum, den Fan zu motivieren, einmal in dieses neue Community-Konstrukt des 1. FC Nürnberg reinzuschnuppern, um sich später dann eigeninitiativ und möglichst nachhaltig in der Region zu engagieren.

SPONSORs: Wie viele Leute haben sich bis zum heutigen Tag bereits auf der Community-Plattform registriert?

Rossow: Wir sind inzwischen bei 3500 aktiven Mitgliedern. Das ist ein sehr guter Start. Wir haben uns aber ambitionierte Ziele gesetzt und wollen das Angebot weiter ausbauen. Dazu gehört unter anderem, dass wir die physische Zusammenkunft forcieren wollen, die in der Pandemie bislang nicht möglich war. Ein Projekt ist beispielsweise der Bau eines neuen Standorts für die Tafel in Nürnberg. Oder der Lauftreff „Fit & Friends“, für den wir erstmals mit Datev kooperieren, um Menschen gemeinsam dauerhaft in Bewegung zu bringen.

SPONSORs: Welche Ziele verbinden Sie noch mit der Community-Plattform? Steht die direkte Interaktion mit dem Fan im Mittelpunkt oder geht es auch darum, die Plattform zu monetarisieren?

Rossow: Ich finde, das eine schließt das andere nicht aus. Es gilt, einer Sonderrolle des Fußballs entgegenzuwirken. Wir wollen zeigen, dass sich der 1. FC Nürnberg nicht entfremdet, sondern zentriert in unserer Gesellschaft aufstellt. Natürlich wollen wir über diesen Weg auch neue Sponsoren und Partner gewinnen. „Unser Club“ ist eine zentrale Plattform, über die wir uns als FCN künftig definieren wollen.

SPONSORs: Trotz dieser Bemühungen bleiben die 90 Minuten im Stadion zentral. Der FCN startet am kommenden Sonntag mit einem Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue in die Saison 2021/22. Jedes Heimspiel ohne Besucher kostet den FCN einen hohen sechsstelligen Betrag. Wie sehen Ihre Planungen allgemein bezüglich der Fans und im Speziellen im Bereich Hospitality aus?

Rossow: Zum jetzigen Zeitpunkt haben sich bereits 18 500 Fans für eine Saison-Dauerkarte registriert. Dass die 35-Prozent-Maßgabe aus dem Freistaat Bayern fast passgenau mit der Anzahl verkaufter Dauerkarten einhergeht, ist natürlich charmant. Trotzdem versuchen wir, durch ein überzeugendes Hygienekonzept die Zahl noch ein bisschen hochzuschrauben. Der sehr erlösträchtige Hospitality-Bereich spielt dabei eine wichtige Rolle. Hier hoffen wir, dass wir durch das 3G-Prinzip (geimpft, genesen oder getestet) und entsprechende Maßnahmen bis zu 700 Gäste begrüßen dürfen.

Max-Morlock-Stadion
Bildunterschrift
Eine wichtige Maßnahme in der Strategie des 1. FC Nürnberg: die Modernisierung des Max-Morlock-Stadions. (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Karmann)

SPONSORs: In der Saison 2019/20 konnte der FCN trotz der Corona-bedingten Einnahmeausfälle als einer von nur sechs Zweitligisten ein positives Ergebnis ausweisen. Wie war das möglich?

Rossow: Das ist natürlich auch ein Ergebnis der Maßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren umgesetzt haben, um den Club zu konsolidieren. Die Bundesliga-Saison 2018/19 hat ebenfalls zur Gesundung beigetragen. Darüber hinaus konnten wir signifikante Transfererlöse erzielen.

SPONSORs: 2020/21 dürfte es ungleich schwieriger gewesen sein: Wie hat sich die Pandemie in den Geschäftszahlen der vergangenen Spielzeit niedergeschlagen?

Rossow: Wir gehen von einem Corona-bedingten Verlust im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich aus.

SPONSORs: Sie sind durch Ihre langjährige Manager-Tätigkeit bei Adidas bereits krisenerprobt gewesen. Inwieweit hat Ihnen diese Erfahrung bei der Bewältigung der Pandemie für den FCN geholfen?

Rossow: Krisen sind nur schwer miteinander zu vergleichen. Im Fußball wurde uns durch den Lockdown schlicht die Grundlage für ein positives Wirtschaften entzogen. Ich bin der Überzeugung, dass man sich als Fußballclub trotz sportlicher Volatilität mit einer Langfristigkeit und Strategie aufstellen sollte. So sollte man nie aktionistisch agieren, egal wie eine Krise aussieht. In solchen Phasen gilt es, Ruhe zu bewahren, die Kosten im Blick zu haben und neue Erlösströme zu identifizieren.

SPONSORs: Welche wichtigen Learnings sollte der Profifußball aus der Krise mitnehmen?

Rossow: Es würde dem Profifußball insgesamt guttun, wenn man sich seiner neuen Situation bewusst ist. Wir wollen in der Lage sein, uns noch konsequenter weiterzuentwickeln. Dabei ist es irrelevant, ob Vorgehensweisen in der Vergangenheit erfolgreich waren – sie müssen im Jetzt und in der Zukunft funktionieren.

SPONSORs: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihren Club in den kommenden Jahren?

Rossow: Wir wollen die neue Markenpositionierung des 1. FC Nürnberg weiter forcieren. Die Eigenvermarktung ist ein erster Schritt, dem wir demütig, aber ambitioniert gegenüberstehen. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir uns dadurch stärker aufstellen. Eine weitere große Maßnahme in unserer Strategie ist die Modernisierung des Stadions. Wir haben noch nicht die Hospitality-Kapazität, die wir brauchen, um unseren Zielen entsprechend zu agieren. Hier stehen wir sowohl mit der Stadt Nürnberg als auch mit Partnern aus der freien Wirtschaft im engen Austausch, um den Standort Max-Morlock-Platz noch stärker zu entwickeln.

SPONSORs: Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Rossow: Wir denken in einem Fünfjahres-Horizont. Die Machbarkeitsstudie haben wir bereits in Auftrag gegeben. Wir nehmen unsere Zukunft in die eigenen Hände.

SPONSORs: Herr Rossow, vielen Dank für das Gespräch.

VITA
Niels Rossow

Niels Rossow ist seit 1. Oktober 2018 kaufmännischer Vorstand des 1. FC Nürnberg. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Verwaltung und Finanzen, Sicherheit, Marketing sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Vor seinem Wechsel zum Fußball-Zweitligisten war der 44-Jährige von 2002 bis 2018 in verschiedenen leitenden Positionen für Sportartikelhersteller Adidas tätig, zuletzt als General Manager Key Cities New York und Los Angeles. Zu Beginn seiner beruflichen Karriere verantwortete der studierte Diplom-Kaufmann (BWL) Marken- und Vertriebsthemen bei Leonhard Kurz, einem Unternehmen für Dünnschichttechnologie, sowie beim Unterhaltungselektronik- und Haushaltsgeräte-Hersteller Grundig.

Foto: IMAGO / Zink

SBC

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