Aufmacher

Die Effizienztabelle der Bundesliga

Der FC Bayern München holte sechs Mal in Folge die deutsche Meisterschaft, hatte dafür aber auch mit Abstand am meisten Geld zur Verfügung. Andere Clubs wie der FC Augsburg oder der SC Freiburg halten sich mit „Mini-Etats“ seit Jahren in der Bundesliga. Welche Leistung ist höher zu bewerten? SPONSORs hat auf der Basis von TV-Erlösen und Prämien sowie Personalkosten eine eigene Effizienztabelle entworfen.

Stolze 21 Punkte Vorsprung hatte der FC Bayern München am Ende der Saison 2017/18 in der Bundesliga auf den zweitplatzierten FC Schalke 04 und feierte damit seinen sechsten Meistertitel in Folge. Darüber sprachen nach dem 19. Mai aber nur noch wenige. Denn der FC Bayern war zuvor nicht nur unglücklich im Halbfinale der UEFA Champions League gegen den späteren Titelträger Real Madrid ausgeschieden, sondern verlor an diesem Tag auch überraschend das DFB-Pokalfinale in Berlin gegen Eintracht Frankfurt mit 1:3. Unterm Strich blieb für die Münchner am Ende der Saison damit nur ein Titel. 

Am letzten Spieltag der Saison 2017/18 jubelten am anderen Ende der Bundesligatabelle beim Spiel in Freiburg sowohl der Sport-Club als auch dessen Gegner FC Augsburg über den erreichten Klassenerhalt. Der SC Freiburg siegte 2:0 und schaffte den Klassenerhalt damit zum dritten Mal in Folge. Klammert man das einjährige Intermezzo in der 2. Bundesliga (Saison 2015/16) aus, so spielte der Sport-Club in den vergangenen zehn Jahren (von 2009/10 bis 2018/19) neunmal im deutschen Fußball-Oberhaus. Noch besser lief es in den vergangenen Jahren für den FC Augsburg, der zu Beginn fast jeder Saison von Buchmachern und vermeintlichen Experten als Abstiegskandidat eingeschätzt wird. Dabei spielt der FCA aktuell bereits seine achte Bundesliga-­Saison hintereinander. 

Die Beispiele von Freiburg, Augsburg und München zeigen: Ob eine Saison am Ende erfolgreich war – oder eher weniger –, hängt maßgeblich auch von den gesetzten Zielen eines Clubs ab. Und diese Ziele werden oft danach formuliert, welche finanziellen Mittel ein Club zur Verfügung hat – allen voran für sein Personal, im Speziellen für seinen Lizenzspielerkader.

SPONSORs ist daher der Frage nach­gegangen, welcher Bundesliga-Club im Verhältnis zu seinen eingesetzten Mitteln eine erfolgreiche Saison gespielt hatte. Und welcher Verein in Relation zum eingesetzten Geld sportlich eher unterdurchschnittlich abschnitt? Wer war also der effizienteste und wer der ineffizienteste Club der Fußball­bundesliga? 

Wichtig, bevor wir einen Blick auf die Ergebnisse werfen: Die Zahlen sind als Annäherung zu verstehen (siehe dazu die Erläuterung der Effizienztabelle).

FC Bayern im Keller

Blickt man auf die SPONSORs-Effizienztabelle (siehe Ranking weiter unten), so fällt zunächst schnell auf, dass sich die Clubs mit den höchsten Personaletats allesamt im Tabellenkeller wiederfinden. Das heißt umgekehrt: Was Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04 in der Saison 2017/18 mehr als andere Clubs in ihr Personal investierten, konnte durch zusätzliche TV-Gelder in der Bundesliga oder Prämien im DFB-Pokal oder in der UEFA Champions League nicht direkt kompensiert werden.

Dabei muss erwähnt werden, dass in der vorliegenden Untersuchung unberücksichtigt blieb, dass prominente Stars einen Club auch für Werbepartner, ­Stadionzuschauer sowie Social-Media-Follower attraktiver machen und damit in der Regel auch Ticketing- und Werbeerlöse sowie Medienreichweiten ansteigen lassen. Entsprechend lohnenswert können Investitionen in Personal also auch abseits des sportlichen Leistungsgedankens sein. 

Infokasten

Die vorliegende Effizienztabelle konzentriert sich allerdings allein auf das Verhältnis aus eingesetzten finanziellen Mitteln und der sportlicher Performance. Und da wird deutlich, dass sich zum Beispiel das schlechte sportliche Abschneiden des BVB in der Champions-League-Saison 2017/18 durchaus bemerkbar macht. „Lediglich“ 27,34 Millionen Euro spielten die Schwarz-Gelben über Prämien in der „Königsklasse“ ein, aus der die Westfalen als Gruppenletzter mit nur zwei Punkten ausschieden. Die vier weiteren Spiele des BVB in der UEFA Europa League (gegen Atalanta Bergamo und Red Bull Salzburg), durch die Dortmund weitere gut drei Millionen Euro kassierte, fielen da nicht mehr stark ins Gewicht. Im Effizienzranking landete die Borussia am Ende auf dem 15. Platz.

Noch tiefer in der Effizienztabelle rangiert der FC Bayern München. Dabei spielten die Münchner immerhin mehr als 70 Millionen Euro in der Champions League ein. Das ist mehr als die Prämien, die die drei anderen deutschen Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund (27,34 Millionen Euro), TSG Hoffenheim (9,26 Millionen Euro) und RB Leipzig (34,52 Millionen Euro) zusammen erspielten. 

Weil sich die Bayern in der vergangenen Spielzeit aber auch mit Abstand die höchsten Personalkosten leisteten (Gesamt: über 300 Millionen Euro/Lizenzspielerkader rund 220 Millionen Euro – das ist annähernd so viel wie Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 zusammen –, fallen die hohen eingespielten Prämien nicht mehr stark ins Gewicht. In der Volkswirtschaftslehre spricht man dabei vom „abnehmenden Grenznutzen“. Am Ende springt für die Bayern im Effizienz-Ranking daher nur Relegationsplatz 16 heraus. 

Effizienztabelle

Unter den Erwartungen

Es sind aber nicht nur die international ambitionierten Clubs, die am unteren Ende des Rankings zu finden sind. Mit dem Hamburger SV und dem VfL Wolfsburg rangieren zwei Clubs ganz am Ende der Tabelle, die in den vergangenen Jahren vor allem sportlich extrem unter ihren Erwartungen geblieben waren. 

Der HSV beispielsweise leistete sich in den Spielzeiten vor dem Bundesliga-Abstieg jahrelang einen verhältnismäßig teuren Kader – zumindest in Relation zum sportlichen Abschneiden. In der Saison 2017/18 betrugen die Personalausgaben der HSV-Profis zum Beispiel 55 Millionen Euro. Für sein gesamtes Personal gab der Club 74,8 Millionen Euro aus, was nicht nur an den hohen Spielergehältern lag, für die der HSV zuletzt bekannt war, sondern unter anderem auch an den drei (Saison 2017/18) bis vier (Saison 2018/19) Trainern, die der Club aufgrund von vorzeitigen Entlassungen gleichzeitig bezahlen musste. Dabei hätte der HSV – bei einer reinen Betrachtung der Personal­kosten – in der Saison 2017/18 in der oberen Bundesliga-Hälfte landen müssen. 

Die hohen Personalkosten des HSV sind aber nur ein Grund, warum der einstige „Dino“ in der Saison 2017/18 zu den ineffizientesten Clubs zählte. Bei den Hanseaten kommt erschwerend hinzu, dass die ­Medienerlöse des Clubs aufgrund des schlechten sportlichen Abschneidens in den vergangenen Spielzeiten sukzessive zurückgingen. Einen einstelligen Tabellenplatz (Rang 7) erreichte der HSV zuletzt in der Saison 2012/13. Danach retteten sich die Rothosen zweimal über die Relegation vor dem Abstieg und stiegen am Ende der Saison 2017/18 schließlich erstmals in die 2. Bundesliga ab. Damit ist es wenig verwunderlich, dass der HSV von allen 18 Erstligisten in der Saison 2017/18 die drittwenigsten TV-Einnahmen erhielt. Nur RB Leipzig (29,28 Millionen Euro), in der Saison erst im zweiten Jahr in der Bundesliga-Saison aktiv, und Aufsteiger Hannover 96 (38,45 Millionen Euro) bekamen weniger Medieneinnahmen als der HSV. Hinzu kam, dass die Hamburger in der Saison 2017/18 auch im DFB-Pokal in der ersten Runde gegen den Drittligisten VfL Osnabrück ausgeschieden waren und daher auch in diesem Wettbewerb lediglich etwas mehr als 150 000 Euro einspielten. 

Was dem HSV in den Jahren 2014 und 2015 „gelang“, schaffte der VfL Wolfsburg in den vergangenen beiden Spielzeiten: Der VW-Club stand zweimal hintereinander in der Relegation, konnte zweimal aber auch den Abstieg verhindern. Zumindest in den vergangenen beiden Bundesliga-Spielzeiten spielte der VfL also deutlich unter seinen Erwartungen, auch was das Verhältnis zu seinen eingesetzten Personalaufwendungen angeht. Zwar fuhr der VfL seinen Personaletat im Vergleich zu den Vorjahren um einige Millionen zurück, nach SPONSORs-Informationen leisten sich die Wolfsburger mit knapp 100 Millionen Euro dennoch einen der höchsten Gesamtpersonaletats der Liga. Mehr Geld für seine Angestellten gaben im deutschen Fußball-Oberhaus nur der FC Bayern München (rund 302 Millionen Euro), Borussia Dortmund (174,5 Millionen Euro) und der FC Schalke (123,7 Millionen Euro) aus. Das Gleiche gilt auch für den Personal­etat der Profis. Mit 78 Millionen Euro lag der VfL auch hier auf einem Champions-League-Platz.

Pokale
Bildunterschrift
DFB-Pokal, Champions League, Meisterschaft: Wer war der effizienteste und wer der ineffizienteste Club der Fußballbundesliga?

Underdogs an der Spitze

Während sich die meisten finanzstarken Clubs in der Tabelle am unteren Ende befinden, rangieren im oberen Drittel vor allem Clubs mit begrenzten finanziellen Mitteln, aber auch die eine oder andere ­Überraschung. 

Zunächst zum Effizienzmeister: Der Titel geht in der Saison 2017/18 an den FC Augsburg, der neben dem SC Freiburg mit dem geringsten Personaletat auskommen musste (Personalkosten Profis: 28,2 Millionen Euro). Und das, obwohl der FCA in der Bundesliga weniger TV-Gelder ausgeschüttet bekam als zum Beispiel der drittplatzierte 1. FSV Mainz 05, der es darüber hinaus auch noch bis ins Viertelfinale des DFB-Pokal schaffte. 

Im oberen Drittel der SPONSORs-Effizienztabelle befinden sich aber auch Clubs, die man möglicherweise nicht an der Spitze verortet hätte. Einer davon ist die TSG Hoffenheim, die auf dem vierten Platz des Rankings rangiert. Ein Grund für das gute Abschneiden von Hoffenheim sind die Prämien, die der Club über den Europapokal einsammelte. Auch wenn für die TSG in der Champions League bereits in der Qualifikation und in der Europa League nach der Gruppenphase Schluss war, kassierten die Badener mehr als 17 Millionen Euro durch ihre Europapokal-Teilnahme. Was für andere international spielende Clubs wie Borussia Dortmund oder den FC Bayern – auch angesichts ihrer hohen Personalaufwendungen – ein enttäuschender Ertrag gewesen wäre, schiebt die TSG angesichts von verhältnismäßig schlanken Personalkosten (gesamter Club: 57,4 Millionen Euro / Profis: 48 Millionen Euro) auf den vierten Platz des Rankings. 

Ohnehin zeigt sich, dass für kleine bis mittelgroße Clubs mit Gesamtpersonalkosten bis zu 70 Millionen Euro selbst ein kurzes ­Europacup-Intermezzo oder ein Überwintern im DFB-Pokal lukrativ sein kann. Beispiele dafür sind der 1. FC Köln (knapp acht Millionen Euro in der ­Europa League) oder Eintracht Frankfurt, die ohne ihren DFB-Pokal-Sieg (mehr als neun Millionen Euro) deutlich schlechter abgeschnitten hätten. Ein anderes Beispiel ist RB Leipzig, das mit knapp 30 Millionen Euro die mit Abstand wenigsten TV-Gelder der DFL erhielt, diese Summe mit mehr als 40 Millionen Euro aus dem Europapokal aber kompensieren konnte. Dabei hätte RB Leipzig bei einer reinen Betrachtung der Bundesliga-­TV-Erlöse der Saison 2017/18 im Ranking sogar höher liegen müssen.

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