Gernot Tripcke

Podcast mit Gernot Tripcke: „50+1 im Eishockey wäre unser Todesurteil“

Seit über 20 Jahren ist Gernot Tripcke Geschäftsführer der Penny Deutschen Eishockey Liga (DEL). In dieser Zeit hat sich der Gesamtumsatz der Liga mehr als verdoppelt und lag in der letzten Spielzeit ohne Corona-Einfluss bei 130 Millionen Euro. Im SPONSORs-Podcast spricht der Jurist über die großen finanziellen Einbußen der DEL in der aktuellen Saison und warum gerade die Club-Gesellschafter ein Garant für das Fortbestehen der Profisportliga sind.

Fast genau vor einem Jahr musste die Penny DEL erstmals in ihrer Geschichte die Play-offs absagen. Im Gegensatz zu vielen anderen Profisportligen in Deutschland hat die Liga seinerzeit eine schnelle Entscheidung getroffen. „Im Nachhinein war das definitiv eine alternativlose Entscheidung“, sagt Tripcke im SPONSORs-Podcast. Dennoch gebe es logischerweise große wirtschaftliche Einbußen: „Wir gehen davon aus, dass wir ungefähr 20 bis 25 Millionen Euro durch den Wegfall der Play-offs verloren haben“, sagt der DEL-Chef. Unter normalen Umständen hätte die Liga in der Saison 2019/20 laut Tripcke sogar einen Rekordumsatz von rund 150 Millionen Euro erzielt.

Die Geschäftszahlen für die laufende Spielzeit 2020/21 sehen nun weitaus düsterer aus: „Ich befürchte, dass wir im operativen Bereich auf 50 bis 60 Millionen zurückfallen“, sagt Tripcke. Trotz dieser erheblichen finanziellen Einbußen schließt der langjährige Geschäftsführer kurzfristige Insolvenzen bei den bestehenden Eishockey-Clubs aus. Dabei sind die Clubs allerdings auf externe Mithilfe angewiesen: „Die Gesellschafter werden in die Tasche greifen müssen, um die Löcher zu stopfen“, sagt Tripcke. Tatsächlich sind nahezu alle Clubs in privater Hand und haben zahlungskräftige Gesellschafter an ihrer Seite, die aktuelle Defizite ausgleichen. Tripcke stellt deshalb klar: „Eine 50+1-Regel wie im Fußball wäre das Todesurteil für unsere Sportart gewesen“.

„Aus der Not eine Tugend machen“

Die jüngsten Entwicklungen der DEL geben allerdings Anlass zur Hoffnung. In Krisenzeiten konnte mit dem Lebensmitteldiscounter Penny der erste Titelsponsor in der Geschichte der Liga gewonnen werden, der laut SPONSORs DATA bis zum Ende der Saison 2023/24 rund 2,2 Millionen Euro pro Spielzeit in die DEL investiert. Zudem sind die Zuschauer-Reichweiten beim übertragenden Sender Magenta Sport im Rahmen der ersten 24 Hauptrunden-Spiele der aktuellen Saison stark gestiegen. „Die Einzelspiel-Abrufe haben sich mehr als verdoppelt. Wir haben jetzt – trotz reduzierter Runde – bereits fast so viele Zuschauer wie im letzten Jahr“, sagt Tripcke.

Magel
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Die Deutsche Eishockey Liga heißt künftig „Penny DEL“. Im Gespräch mit SPONSORs erklärt Stefan Magel, Bereichsvorstand Handel Deutschland der Rewe Group und Chief Operating Officer (COO) von Penny, warum sich der Lebensmittel-Discounter bei seiner Rückkehr ins Sportsponsoring für ein rund zwölf Millionen Euro schweres Invest in die Sportart Eishockey entschieden hat.

Einen positiven Einfluss auf die gestiegenen TV-Reichweiten dürfte auch der geänderte Ligamodus haben. Die DEL hat zu Beginn der laufenden Saison die Liga in zwei regionale Gruppen eingeteilt und die Hauptrunde von 56 auf 38 Spiele verkürzt. Die Folge der Umstellung waren unter anderem auch viele regionale Duelle, die bei den TV-Zuschauern offenbar Anklang gefunden haben. Für den Bestwert sorgte das Derby zwischen den Kölner Haien und der Düsseldorfer EG zum Saisonstart mit mehr als 200 000 Zuschauern. „Wir haben mit dem veränderten Modus versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Wenn wir schon keine Zuschauer vor Ort haben, wollten wir zumindest unsere Spieltage entzerren“, sagt Tripcke. Generell ist der Geschäftsführer allerdings mit dem bisherigen Format glücklich: „In der Regel ist jedes Spiel mehr besser als ein Spiel weniger. Bei weniger Spielen können wir auch nicht großartig Kosten reduzieren.“

Trotz der erheblichen finanziellen Einbußen treibt auch die DEL in Corona-Zeiten ihre Digitalisierung weiter voran. Zuletzt startete die Liga unter anderem einen Account auf Tiktok mit dem primären Ziel „die Eishockeyspieler noch bekannter zu machen“, so Tripcke. Auch das eSport-Engagement der Liga soll künftig erweitert werden. Der nächste Schritt sei es, dass die DEL-Clubs eigene Teams aufstellen. Als künftigen Business-Case sieht Tripcke den eSport allerdings nicht. Eine baldige Rückkehr der Zuschauer ist auch für die DEL alternativlos.

Foto: picture alliance/dpa | Marcel Kusch

SBC

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