Häfner

Lotto-Geschäftsführer Häfner: „Das ist eine gute Nachricht für den Sport“

Im SPONSORs-Interview spricht Jürgen Häfner, Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz und aktueller Federführer im Deutschen Lotto und Toto-Block, über die Folgen der Corona-Krise, Kompensationsleistungen in 150 Sponsoring-Verträgen und eine dauerhafte Verschiebung von Rechten in den digitalen Bereich.

SPONSORs: Herr Häfner, in der Corona-Krise sind bei vielen Sportwetten-Anbietern bis zu 90 Prozent der Umsätze weggebrochen. Wie hart trifft die Corona-Pandemie ihr Unternehmen, das ja deutlich diversifizierter aufgestellt ist?

Häfner: Ich muss diese Frage zweigeteilt beantworten: In dem Bereich Lotterien hat der Deutsche Lotto- und Totoblock, eine Organisation aus 16 Landeslotteriegesellschaften, deren Teil wir sind, mit Produkten wie unter anderem „Lotto 6aus49“ zuletzt einen Jahresumsatz von 7,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Lotto Rheinland-Pfalz ist bis Ende 2021 der sogenannte federführende Blockpartner, also zugleich Sprecher und Koordinator des DLTB. Was die Lotterieprodukte anbelangt, hatten wir in den circa 21 500 Lottoannahmestellen in Deutschland durch die corona-bedingten Einschränkungen natürlich Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Insgesamt sind wir aber durchaus erträglich durch die Krise gekommen.

SPONSORs: Und wie verhält es sich bei der Sportwette Oddset?

Häfner: Als Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, das die Sportwette Oddset vertreibt, die aber kein DLTB-Produkt ist, kann ich sagen, dass auch wir im Rahmen der Corona-Pandemie im Bereich der Sportwetten Umsatzeinbrüche von bis zu 90 Prozent zu verzeichnen hatten. Insoweit war das für uns sicher keine einfache Zeit. Aber nach dem Re-Start der Bundesliga kamen zuletzt ja auch viele andere europäische Top-Ligen zurück. Das heißt das Wettprogramm wird nun sukzessive wieder größer. Und so nähern wir uns Woche für Woche den Spieleinsätzen von vor der Corona-Pandemie.

SPONSORs: Wird auf „Geisterspiele“ bei den Wettbegeisterten denn genauso viel gesetzt, wie auf ein durchschnittliches Bundesliga-Spiel vor der Krise?

Häfner: Es ist schwer, nach einer so kurzen Zeit eine seriöse Bilanz zu ziehen. Bei uns gibt es ja auch deshalb einen Unterschied, weil wir im Gegensatz zu der Konkurrenz der großen privaten Anbieter – die, wie sie wissen, ihren Sitz nicht in Deutschland, sondern in Ländern wie Malta oder Gibraltar haben – unsere Wetten entsprechend den gesetzlichen Vorgaben nicht im Internet anbieten können. Aber Oddset hat einen sehr stabilen und treuen Kundenstamm. Da wir unter anderem keine Live-Wetten anbieten, spielt es eigentlich im geringeren Maße eine Rolle, ob das Spiel jetzt vor 34 000 Zuschauern in der Opel Arena von Mainz 05 stattfindet oder ohne Zuschauer.

Lotto RP
Lotto Rheinland-Pfalz

Gründung: 1948 in Mainz

Firmensitz: Koblenz

Gesellschafter: 51 % Land Rheinland-Pfalz, 49 % Sportbünde Rheinland, Pfalz und Rheinhessen

Mitarbeiter: ca. 5200 in rund 930 Annahmestellen in Rheinland-Pfalz, ca. 180 Mitarbeiter in der Zentrale und 8 Bezirksdirektionen

Umsatz 2019: 375,6 Millionen Euro

Sponsoring: 40 Spitzensportvereine in olympischen und paralympischen Disziplinen wie z.B. Ringen, Radsport, Handball (u.a. Die Eulen Ludwigshafen), Reiten, Basketball, Tischtennis; 60 Fußballvereine von der 1. Bundesliga bis zur Verbandsliga (u.a. 1. FSV Mainz 05, 1. FC Kaiserslautern); ca. 35 weitere Fußballvereine unterhalb der Verbandsliga

SPONSORs: In vielen Unternehmen werden in Krisenzeiten oft reflexartig die Marketing-Budgets gekürzt. Wie stellt sich das Thema bei ihnen dar?

Häfner: Wenn man sich unsere Hauptumsätze anschaut, auf die auch der Großteil unser Marketingausgaben abzielt, gibt es wie beschrieben keine wesentlichen Verluste auf der Einnahmeseite. Trotzdem ist es berechtigt, dass wir jeden Tag überlegt haben, ob die ein oder andere Werbung in dieser Zeit noch angemessen war. Wir alle sind ja in den letzten drei Monaten vor Herausforderungen gestellt worden, die man so niemals erwartet hat. Was die Lotterieprodukte anbelangt, stellte sich aber zu keiner Zeit die Frage, die Kommunikationsmaßnahmen grundlegend einzuschränken.

SPONSORs: Beim Thema Sponsoring hat dennoch an vielen Stellen ein Ausfall von Leistungen stattgefunden. Wie gehen Sie damit um?

Häfner: Genau diese Frage haben wir uns direkt Anfang März gestellt. Wir sind als Lotto Rheinland-Pfalz ja seit jeher stark mit dem Sport verbunden und haben aktuell ungefähr 150 Sponsoring-Verträge mit Vereinen aller olympischen Sportarten in Spitze und Breite nach einem für alle Partner fairen System. Unser Sponsoring-Verantwortlicher Dirk Martin und sein Team haben in der ersten Phase bei unserem Compliance-Officer ein juristisches Gutachten eingeholt, in welchem unter anderem vorgeschlagen wurde, zu ermitteln, welcher Teil unserer Leistungen ausfällt. Im Anschluss daran haben wir im partnerschaftlichen Dialog über Kompensationsleistungen verhandelt.

SPONSORs: Waren Sie damit überall erfolgreich?

Häfner: Tatsächlich ist es uns bei so gut wie allen 150 Verträgen gelungen, eine Kompensations-Regelung zu treffen. Im Gegenzug für ausgefallene Spiele und Sportereignisse werden nun anderweitig Leistungen erbracht. Ich will eines betonen: Für uns stellte sich zu keinem Zeitpunkt die Frage, dass wir einen Partner in dieser Situation im Stich lassen. Wir haben ein hohes Interesse daran, dass die Vereine auch in Zukunft ihre Wettbewerbe abhalten können und wir als Partner unsere Sponsoring-Leistungen hoffentlich schon bald wieder in vollem Umfang nutzen können.

Mainz
Bildunterschrift
Bereits seit 2001 engagiert sich Lotto Rheinland-Pfalz als Sponsor von Mainz 05. (Foto: picture alliance/Fotostand)

SPONSORs: Welche Kompensationen wurden konkret beschlossen?

Häfner: Vieles wurde natürlich komplett in die digitale Welt verlagert – zum Teil mit sehr hoher Kreativität von Seiten der Vereine. Da haben wir auch gerade bei kleineren Partnern – etwa über Social Media – sehr intelligente Lösungen gefunden. Die Kompensation spielt sich insgesamt zu 80 bis 90 Prozent in der virtuellen Welt ab. Eine besondere Idee auf größerer Ebene ist sicher das vom 1. FSV Mainz 05 ins Leben gerufene „Helden-Ticket“. Mit dem Verein haben wir zudem eine Erweiterung der Bandenminuten bei den Spielen ohne Zuschauer vereinbart, und es wurde ein zusätzliches prominentes Banner auf der Gegengeraden installiert.  

SPONSORs: Sie sprechen die „Helden-Tickets“ des 1. FSV Mainz 05 an, mit dem Sie ja gerade erst ihren Vertrag als Exklusiv-Partner bis 2023 verlängert haben. Wie beteiligt sich hier Lotto Rheinland-Pfalz?

Häfner: Wir haben alle unsere Ticketkontingente der Spiele ohne Zuschauer in „Helden-Tickets“ umgewandelt und gerne für diese Initiative zur Verfügung gestellt, die ja den „Helden des Alltags“ in dieser schwierigen Zeit ein Stück Anerkennung geben soll. Ich will ihnen aber noch ein weniger prominentes Beispiel aus unserem Sponsoring-Portfolio geben. Auch in der Ringer-Bundesliga etwa gibt es herausragende Sportler, die sich gerade auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Die hier mit uns zusammenarbeitenden Vereine haben gerade auf ihren Social-Media-Kanälen die Botschaft verbreitet: ‚Wir danken Lotto Rheinland-Pfalz für die Treue in schwierigen Zeiten‘. Auch so etwas zahlt auf unsere Marke ein und ist kaum mit Bandenwerbung bei Wettkämpfen zu ersetzen.

Jürgen Häfner

Der ehemalige Innenstaatssekretär Jürgen Häfner ist seit 1. Februar 2014 Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, das seit 2019 federführender Blockpartner des Deutschen Lotto- und Toto-Blocks ist. Der 60 Jahre alte Jurist ist dreifacher Vater und wohnt in Mainz. Nach seiner Ausbildung zum Bank­kaufmann und dem Studium der Rechtswissenschaften in Mainz und Tübingen arbeitete er zunächst als Staatsanwalt in Mainz. Danach wechselte er in die Landesregierung und hatte dort unterschiedliche Funktionen inne.

SPONSORs: Wird es bei Ihnen durch die Corona-Krise eine dauerhafte Verschiebung von Sponsoring-Rechten in den digitalen Bereich geben?

Häfner: Ein klares Ja. Wir haben aber auch schon vorher nicht nur analog gedacht. So haben wir bereits seit geraumer Zeit ein eigenes Team damit beauftragt, unser Sponsoring möglichst virtuell abzubilden. Vor allem die Social-Media-Kanäle YouTube, Instagram und Facebook stehen dabei im Vordergrund. Wir nutzen dazu natürlich auch immer alle Verbreitungsmöglichkeiten, die uns unsere Partner bieten. Und mit einem digitalen Thema beschäftigen wir uns aktuell ganz besonders stark.

SPONSORs: Verraten Sie uns, um was es sich handelt?

Häfner: Es geht um das Thema eSport. Als staatliches Lotterieunternehmen haben wir da mit unserem Partner Mainz 05 und mit den beiden Fußballverbänden des Landes vor zwei Jahren Neuland betreten. Mit der eSport-Abteilung des FSV bespielen wir gemeinsam ein für uns sehr interessantes Feld, in dem sich vor allem eine junge Zielgruppe bewegt. Wir überlegen aktuell sogar, ob wir diese Partnerschaft nicht noch weiter ausbauen wollen. In diesem Bereich sind wir auch noch relativ alleine im Umfeld der Sponsoringaktivitäten. Das hat natürlich auch einen Reiz. Wir wollen dabei sein und Erfahrungen sammeln.

SPONSORs: Kann sich die Sportbranche unter den Rahmenbedingungen des neuen Glücksspielstaatsvertrages ab 2021 eigentlich auf mehr Sponsoring-Gelder aus Ihrer Branche freuen?

Häfner: Wir haben in dem neuen Staatsvertrag erstmals eine gesetzliche Regelung, dass Dachmarkenwerbung für erlaubte Glücksspiele in Sportstätten ausdrücklich gestattet ist. Ich glaube insofern, dass die neue Regelung die Bedeutung des Sponsorings unserer Branche im Sport besser würdigt und ermöglicht. Das ist also durchaus eine gute Nachricht für den Sport.

SPONSORs: Herr Häfner, vielen Dank für das Gespräch.

Titelfoto: Lotto Rheinland-Pfalz

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