Geisterspiele

ARD zeigt Interesse an Bundesliga-Geisterspielen

Die ARD zeigt sich offen für die Idee, Bundesliga-Geisterspiele ins frei-empfangbare Fernsehen zu bringen, sollten sich alle Beteiligten einig sein. Auch die Fans haben einer aktuellen Erhebung zu Folge eine klare Meinung, wo die Saison medial beendet werden soll.

Die ARD kann sich angesichts der Corona-Krise eine Live-Übertragung von Bundesliga-Partien vorstellen. Das sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse-Agentur. „Zunächst einmal müssen wir abwarten, ob und wann überhaupt gespielt wird. Und natürlich respektieren wir die Rechtesituation und die schwierige Situation, in der sich Sky und DAZN derzeit befinden“. Interesse hätte die ARD, sollten sich Sky, DAZN und die Deutsche Fußball Liga (DFL) damit befassen, ihre exklusiven Rechte an den Live-Übertragungen abzugeben. „Dann, und nur dann, würden wir für Gespräche bereitstehen“, so Balkausky.

Sky hatte bereits vor einigen Wochen kostenlose Übertragungen ins Spiel gebracht. Mitte März, vor der Unterbrechung der Saison, hatte das Unternehmen verkündet, „an den kommenden beiden Spieltagen“ die Konferenzen der 1. und 2. Bundesliga frei empfangbar zu machen. Sky-Boss Devesh Raj äußerte sich damals deutlich: „In herausfordernden Zeiten müssen wir alle zusammenstehen. Für uns ist es selbstverständlich, unseren Teil dazu beizutragen, indem wir diese Spiele mit allen teilen, so dass möglichst viele Fußballfans die Bundesliga live erleben können.“ Ob das nun bei einem erhofften Neustart der Liga auch gilt, ist offen.

Keine Einigung mit Eurosport

Klar ist: Die Liga ist auf das Wohlwollen des wichtigsten Geldgebers angewiesen, mit dem sie gerade erst eine Einigung über die teilweise Auszahlung der nächsten TV-Geld-Tranche erzielt hat. Die DFL hatte sich mit Sky, genau wie mit fast allen Medienpartnern, auf eine Vorauszahlung der noch ausstehenden TV-Prämien geeinigt – insgesamt rund 300 Millionen Euro. Rund ein Drittel soll schon im Mai an die 36 Klubs aus der 1. und 2. Liga fließen. Der Rest soll erst anteilig für jeden Spieltag ausbezahlt werden, der tatsächlich ausgetragen wird. Nach SPONSORs-Informationen konnte lediglich mit Eurosport keine Einigung erzielt werden, das jeweils 45 Spiele der Saisons 2019/20 und 2020/21 an DAZN sublizenziert hat. Ein Betrag von 10 Millionen Euro soll für die laufende Saison auf dem Spiel stehen. Inwieweit dadurch auch eine mögliche Übertragung von Geisterspielen durch Dazn betroffen sein könnte, ist aktuell offen.

Als die Diskussion um eine Übertragung im Free-TV Anfang April erstmals aufkam, hatte Christian Seifert gesagt: „Alles für alle frei zugänglich anzubieten, würde die Verträge, die wir auch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern haben, sehr tangieren beziehungsweise die Wertigkeit komplett zerstören. Damit würden wir vertragsbrüchig werden.“ Zugleich hatte der DFL-Boss zuletzt nicht ausgeschlossen, dass es selbst im neuen Jahr noch Geisterspiele geben könnte: „Wir haben die Vereine gebeten, den ersten Teil der nächsten Saison ohne Zuschauereinnahmen zu planen.“

Fans wünschen sich Konferenz bei ARD/ZDF

Dass ein Großteil der Bundesliga-Fans Geisterspiele befürwortet, legt eine aktuelle Umfrage nah. Einer Erhebung der Voting-App FanQ in Zusammenarbeit mit Intelligent Research in Sponsoring (IRIS) zufolge glauben 74 Prozent der 1350 befragten Fußballfans daran, dass die Spielzeit trotz der Pandemie beendet werden kann. Um dies zu verwirklichen, stimmen 79 Prozent der Austragung der Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu. In Zeiten von Covid-19 bezeichnen 73 Prozent der Fans Geisterspiele zur Ablenkung vom Alltag als „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Gleichzeitig sind 63 Prozent der Meinung, dass bei Geisterspielen die Gefahr bestünde, dass sich Fans vor dem Stadion versammelten.

Eine überwältigende Mehrheit ist auch aus diesem Grund dafür, Geisterspiele im Free-TV zu übertragen und zwar nicht nur für die restliche Saison, sondern am liebsten solange Geisterspiele nötig sind (62 Prozent). Gleich 89 Prozent würden sich dabei eine Übertragung im frei empfangbaren Fernsehen anschauen. Für 65 Prozent wären dabei die öffentlich-rechtlichen Sender die erste Wahl und 74 Prozent hoffen in diesem Fall auf eine Übertragung der Bundesliga-Konferenz. Für 27 Prozent wäre das Top-Spiel eines jeden Spieltags die erste Wahl.

Dass Sky seine Bundesliga-Konferenz an einen anderen Sender abgibt, erscheint derzeit eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre eine Ausstrahlung im hauseigenen Free-TV-Kanal Sky Sport News HD. Auch ein spezielles „Geisterspiel-Angebot“ für die noch ausstehenden Bundesliga-Partien könnte eine Option sein. Ein durchaus realistisches Szenario wäre zudem, dass einzelne Live-Spiele separat verkauft werden. Die Verträge erlauben aktuell eine Partie pro Halbserie. Bei mehreren Partien müsste gemeinsam mit der DFL eine Lösung gefunden werden. Sollte der Preis stimmen, könnten die Wünsche der Fans zumindest in dieser Hinsicht in Erfüllung gehen.

Bleibt die Frage, ob und wann die ersten Geisterspiele überhaupt stattfinden dürfen. Frühestens am 30. April könnten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten dazu äußern, ob der aktuelle Plan der Liga aufgeht. „Sollte die Politik sagen, dass wir am 9. Mai spielen können, dann sind wir bereit. Sollte es ein späterer Tag X werden, sind wir auch bereit“, machte Seifert vergangene Woche deutlich. Die DFL könne der Politik, die letztlich die gesamte Verantwortung trage, nur ein gut ausgereiftes und schlüssiges Konzept für den Re-Start vorlegen, um die etwaigen Bedenken so gering wie möglich zu halten. Sollte das Konzept in den kommenden Wochen allerdings als nicht ausreichend betrachtet werden, so drohe der Bundesliga eine monatelange Pause.

Titelfoto: imago images / Sven Simon

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