Marco Klewenhagen

Warum sich deutsche Clubs mit Ticketing-Innovationen noch schwertun

Im vergangenen Monat haben wir verschiedene digitale Ticketing-Trends vorgestellt. Auffällig: Die meisten deutschen Fußballclubs tun sich mit der Einführung solcher Neuerungen noch schwer. Ein Kommentar von Marco Klewenhagen, Geschäftsführer und Mitherausgeber von SPONSORs. 

Zu den in der November-Ausgabe von SPONSORs vorgestellten digitalen Trends im Ticketing, wovon sich einige noch in der Erprobungsphase befinden, zählen beispielsweise die Anwendung von Chatbots, die dabei helfen können, den Ticketverkauf mit standardisierter Online-Kommunikation zu automatisieren. Unter diese Kategorie fällt aber auch die Blockchain-Technologie, die in Einzelfällen ebenfalls schon verwendet wurde.

Hingegen lässt sich bei anderen Entwicklungen wie Mobile-Ticketing kaum noch von Trends sprechen. Eintrittskarten, Flug- oder Bahntickets über sein mobiles Endgerät zu kaufen, zu verwalten und zu nutzen, ist für viele Menschen alltäglich geworden. 

Dazu überrascht dann auch kaum ein aktuelles Studienergebnis zum Thema „Digitales Stadionerlebnis“. Darin wünschen sich 52 Prozent der Fans in Deutschland Mobile-Ticketing als Zutrittsmöglichkeit zum Spiel. 20 Prozent setzen die Eintrittskarte auf dem Smartphone in Zukunft sogar als eine von mehreren Möglichkeiten beim Ticketkauf voraus.

Diese Forderung kommt nicht nur von jungen Menschen. Vielmehr befragten die Autoren der Studie 1000 Fußball- und Eishockeyfans zwischen 16 und 59 Jahren. Weshalb umso mehr davon auszugehen ist, dass der Kundenanspruch an digitale Services weiterhin deutlich ansteigen wird. 

Vor diesem Hintergrund könnte man annehmen, dass ein finanzstarkes Land wie Deutschland – mit vergleichsweise vielen Sportfans und Sportarten und entsprechend vielen Stadien und Arenen – beim modernen Ticketing vorne mitmischt. Dem ist aber nicht so. Auf dem beschriebenen Gebiet setzen ganz klar andere Länder die künftigen Standards. Allen voran einmal mehr die USA – ein Land, in dem Digitalisierung und Kundenservice bekanntermaßen großgeschrieben werden.

Bei deutschen Arenen-Betreibern beziehungsweise deren Hauptmietern, zumeist Clubs, steht hingegen noch immer sehr stark die Frage im Vordergrund, ob eine mögliche Modernisierung oder ein neuer Kundenservice auch sofortige Mehreinnahmen bedeuten. Diese Sichtweise ist durchaus nachvollziehbar, nur darf diese nicht den Blick auf eine vielleicht noch wichtigere Frage verstellen: Was wollen unsere Kunden? 

Bei der Beantwortung dieser Frage darf allerdings nicht vom Status Quo ausgegangen werden, was vielerorts aber noch getan wird. Nur allzu oft ist bei Club-Verantwortlichen zu hören, dass Fußballfans der Service nicht so wichtig sei oder auch, dass die Stadien doch voll wären. Frei nach dem Motto: Warum sollen wir was tun? Es geht ja auch noch so.

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Die Kritik mag überzogen sein und ganz sicherlich muss sich nicht jeder Stadion-Verantwortliche davon angesprochen fühlen. Es ist aber festzustellen, dass die meisten Eigentümer, Betreiber und Mieter deutscher Arenen sich mit der Einführung technischer und digitaler Neuerungen schwertun. Wenn diese Mentalität dann sogar dazu führt, dass Besuchern und Fans technisch selbstverständlich gewordene Anwendungen aus ihrem Alltagsleben vorenthalten werden, kann das auch mal schnell an den Lebenswirklichkeiten der Kunden vorbeigehen. Und das, egal in welcher Branche, kann sich auf Zeit kaum ein Anbieter leisten.

Warum nicht gleich den Blickwinkel ganz ändern und beim Thema Ticketing – oder sogar insgesamt im Arena- und Stadionbetrieb – den Anspruch haben, eine Innovationsführerschaft anzustreben? Ich bin mir sicher, ihr schafft das!

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