Hofmann

Hofmann: „Ohne jegliches Fremdeln“

Ingrid Hofmann ist neu im Aufsichtsrat der SpVgg Greuther Fürth – und damit eine von nur wenigen Frauen in einer Führungsposition innerhalb der Bundesliga. Im Interview spricht die Inhaberin von Hofmann Personal, dem Fürther Hauptsponsor, über das Standing von Frauen im Sport und ihre Erfahrungen im Sponsoring.

SPONSORs: Frau Hofmann, auf welchem Tabellenplatz liegt die SpVgg Greuther Fürth derzeit in der 2. Bundesliga?

Hofmann: 13.

SPONSORs: Richtig. Und der FC St. Pauli?

Hofmann: Weiter vorne, Vierter glaube ich.

SPONSORs: Das war natürlich ein klischeehafter Einstieg. Allerdings haben Sie bei ihrer Ernennung zum Aufsichtsrat der SpVgg Greuther Fürth gesagt, dass Sie die „Tabelle der 1. und 2. Bundesliga in- und auswendig kennen“. Man kann sich kaum vorstellen, dass sich ein Mann bei einer solchen Ernennung so geäußert hätte. Haben Sie das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen?

Hofmann: Nein, das nicht. Aber ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass Männer einer Frau so ein Wissen oder Interesse nicht zutrauen – deswegen wollte ich es proaktiv thematisieren. Ich habe immer wieder bei Gesprächen erlebt, dass mein Mann zu Fußballthemen gefragt wurde. Da ging es auch um Tabellenplätze – und mein Mann wusste das nie, außer bei seinem Lieblingsverein. Solche Gespräche gehen eher an einer Frau vorbei.

SPONSORs: Ist es ihre Motivation, diese Situation durch Ihren Einstieg in den Aufsichtsrat zu verändern?

Hofmann: Ich will das eigentlich nicht besonders thematisieren oder betonen. Ich denke eher inhaltlich und habe in der Wirtschaft die Erfahrung gemacht, dass gemischte Teams erfolgreicher arbeiten, weil Frauen natürlich andere Sichtweisen einbringen, was bei Diskussionen und Entscheidungen nur helfen kann. Nun hatte ich die Chance, es selbst umzusetzen.

Zur Person
Ingrid Hofmann

Ingrid Hofmann ist geschäftsführende Alleingesellschafterin der Zeitarbeitsfirma Hofmann Personal, die sie 1985 gegründet hat. Sie wurde 2002 zur Unternehmerin des Jahres ernannt und erhielt fünf Jahre später den Bundesverdienstorden. Sie ist Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA) und Präsidiumsmitglied des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister e. V. (BAP).

SPONSORs: Ist der Club oder der ehemalige Präsident Herr Hack, den Sie lange kennen, auf Sie zugekommen oder haben Sie sich selbst angeboten?

Hofmann: Das kam von beiden Seiten, Herr Hack hat mich aber bestärkt. Ich sehe es ehrlich gesagt relativ pragmatisch: Ich hatte anlässlich des Einstiegs meiner Firma Hofmann Personal vor knapp zwei Jahren mit Herrn Hack ohnehin besprochen, dass ich über wichtige Club-Entscheidungen vorab informiert werde  – allein, um es nicht erst aus der Zeitung zu erfahren. Nun sparen wir uns diesen Kommunikationsaufwand und ich steige früher und aktiver in die Entscheidungsprozesse ein.

SPONSORs: Sie sind ja bereits seit einiger Zeit im Aufsichtsrat des Handball-Bundesligisten HC Erlangen. Welche Erfahrungen haben Sie dort gesammelt?

Hofmann: Nur positive. Ich wurde – wie auch jetzt in Fürth – ohne jegliches Fremdeln aufgenommen, auch aufgrund dieser Erfahrungen bin ich kein Freund davon, das Thema Diversität zu hoch zu hängen. Und natürlich glaube ich, dass ich, wie jeder andere im Gremium, einen guten Anteil an wichtigen Entscheidungen habe. Bei klassischen Wirtschaftsthemen sowieso, aber zusätzlich auch bei menschlichen Themen. Dann frage ich beispielsweise schon mal, ob wir uns wirklich wundern wollen, dass ein ausländischer Spieler nicht seine beste Leistung bringt, wenn er gerade Vater wird, dies aber nicht mitbekommt, weil er von seiner Familie getrennt ist.

SPONSORs: Sind das nur punktuelle Eindrücke oder beschäftigen Sie sich auch übergeordnet mit dem Thema Diversität im Sportbusiness und gerade im Fußball? Dort sind Sie als Frau in einer Führungsrolle eine absolute Ausnahme, jüngst hat sich auch die Initiative sports {f} gegründet, um Frauen in der Branche zu helfen.

Hofmann: Ehrlich gesagt bin ich zu weit weg, um das voll umfassend zu bewerten. Ich bin jüngst durch einen Zeitungsartikel noch einmal umfassender auf das Thema aufmerksam geworden, sehe mich persönlich aber nicht als Kämpfer in der Sache. Ich habe einfach richtiges Interesse am Fußball und der Arbeit in den Gremien.

Fürth-Spieler
Bildunterschrift
Hofmann Personal bei Greuther Fürth: Seit 2017 Hauptsponsor.

SPONSORs: Dann sind Sie vermutlich auch gegen die Einführung einer Quote – ob nun in der Wirtschaft allgemein oder speziell im Sport?

Hofmann: Richtig. Ich hatte allerdings jüngst eine interessante Diskussion mit der ehemaligen Bundesministerin Renate Schmidt. Sie wies darauf hin, dass die Politik der Wirtschaft schon seit 18 Jahren mit einer Quote droht, um bei den Unternehmen Selbstverpflichtungserklärungen zu erwirken. Und das, trotz des langen Zeitraums, ohne wirkliche Erfolge. Insofern verstehe ich, dass der Wunsch nach einer Quote intensiver wird. Gerade im Sport habe ich aber den Eindruck, dass das Thema noch deutlich jünger ist und sich durch eine natürliche Offenheit entwickeln kann.

SPONSORs: Dann lassen Sie uns noch etwas über das Thema Sponsoring sprechen. Sie sind wie angedeutet mit ihrem Unternehmen in der zweiten Saison Haupt- und Trikotsponsor der SpVgg Greuther Fürth. Ist der Einstieg in den Aufsichtsrat auch ein Zeichen, dass Sie den zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängern werden?

Hofmann: Ehrlich gesagt haben wir schon vor einiger Zeit besprochen, dass wir in jedem Fall den bestehenden Vertrag um eine weitere Saison verlängern. Eine entsprechende Option war von Anfang an Teil der Abmachung. Parallel sprechen wir über eine langfristige Verlängerung, da liegt uns gerade ein Angebot vor, das ich noch in unserem Führungsgremium besprechen muss.

SPONSORs: Dem Einstieg in Fürth war damals eine Umstrukturierung Ihres Marketings vorausgegangen, Sie hatten zuvor auf viele lokale Maßnahmen im Umfeld der etwa 90 Niederlassungen gesetzt. Fühlen Sie sich in der Anpassung der Ausrichtung bestätigt?

Hofmann: Ja, wir haben aber auch relativ schnell gemerkt, dass das Hauptsponsorship nicht ausreicht, um die Marke bundesweit bekannt zu machen. Deswegen haben wir, passend zu unseren lokalen Büros, weitere kleine Sponsorships in der Bundesliga sowie im Eishockey und Handball abgeschlossen. So ist der Gesamteffekt, trotz der höheren Kosten, deutlich höher.

SPONSORs: Woran machen Sie das fest?

Hofmann: Ich bin per se davon überzeugt, dass der Sport wichtig ist, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Wir haben schon vor der Sponsoringoffensive sportliche Aktivitäten von Mitarbeitern durch Spenden finanziell unterstützt. Mit der breiter angelegten Kampagne fühlen sich Mitarbeiter nun deutlich besser abgeholt, als es zu Beginn mit dem Sponsorship nur in Fürth der Fall war.

SPONSORs: Ist der Bereich Mitarbeiter für Sie der zentrale in der Sponsoring-Erfolgsmessung?

Hofmann: Ich würde sagen, es ist einer von mehreren wichtigen. Wir versuchen – bei aller Grundüberzeugung – schon einen Return on Invest zu ermitteln, wobei wir auch wissen, dass es hundertprozentig genau nicht aufzuschlüsseln ist.

Hofmann Personal

Gegründet: 1985 

Sitz: Nürnberg

Geschäftsführende Gesellschafterin: Ingrid Hofmann 

Mitarbeiter: 25 000

Umsatz: 926 Mio. Euro (2018)

Sponsoring: Haupt- und Trikotsponsor SpVgg Greuther Fürth (bis 2018/19; 0,7 Mio.€ p.a.)

Sponsoringverantwortung: Alfred Hahner (Berater)

SPONSORs: Wie nähern Sie sich an?

Hofmann: Wir lassen verschiedene Dinge messen. Ich war beispielsweise überrascht, dass wir in einer Phase die meisten Zugriffe auf unsere Kampagnen-Seite kein-fan-ohne-job.de aus Nordrhein-Westfalen hatten. Da hatte eine Präsenz bei einem Spiel von Borussia Dortmund einen enormen Effekt. Wir wollen zeitnah zudem ausweisen können, wie viele neue Mitarbeiter über die Sponsorships auf uns gekommen sind. Da ist unsere IT nach einer Gesetzesänderung gerade dabei, nachzujustieren.

SPONSORs: Sie sprechen relativ positiv über die Marketinggattung Sponsoring. Ist daraus abzuleiten, dass Sie ihr derzeitiges Invest von geschätzt kumuliert gut einer Millionen Euro pro Jahr für Rechte künftig ausweiten werden?

Hofmann: Nein, wir werden das Budget nicht einfach verdoppeln oder verdreifachen, schlicht, weil wir sehr genau auf unsere Kosten schauen müssen. Aber wir haben die Kampagne mittlerweile auch auf Österreich und Tschechien erweitert und damit positive Erfahrungen gemacht.

SPONSORs: Frau Hofmann, vielen Dank für das Gespräch.

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