Gienger

Bundestags-Mitglied Gienger: „Der Sport braucht ein starkes Ministerium“

Direkt im Anschluss an die Sportausschuss-Sitzung des Deutschen Bundestages hat Eberhard Gienger, Sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, mit SPONSORs unter anderem über die finanziellen Unterstützungen der Politik für die deutschen Sportvereine und -verbände sowie ein mögliches eigenes „Sportministerium“ gesprochen.

Bei der Politik sei laut Gienger angekommen, dass die Corona-Krise auch Sportdeutschland schwer getroffen habe. So habe DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Sportausschuss berichtet, dass gerade in den Sportverbänden- und vereinen eine große Not herrsche, so der Politiker. „Die Sportvereine verlieren gerade einen beträchtlichen Teil ihrer Mitglieder und dem zu Folge auch Mitgliedsbeiträge“, nennt der CDU-Mann einen naheliegenden Grund für die existenziellen Sorgen vieler Sportvereine.

Erste finanzielle Hilfspakete für die Vereine seien laut Gienger schon in der Umsetzung: „Der DOSB hat einen Notfonds in Höhe von einer Million Euro aufgelegt.“ Darüber hinaus habe das Bundesministerium des Inneren (BMI) angekündigt „seine bereits geplanten Unterstützungen für den Spitzensport sowie den DOSB weiterhin ausschütten zu wollen“, so der 68-Jährige. Das Sportausschuss-Mitglied betont jedoch, dass noch weitere Hilfsfonds benötigt werden: „Hier sind gerade die Länder gefordert.“ Des Weiteren stellt Gienger aber auch einen Bundesfonds in Aussicht: „Der Ruf danach wird lauter.“

In Bayern etwa liege der Bedarf des Sports „an finanziellen Unterstützungen bei 200 Millionen Euro, während der Hilfsfonds lediglich eine Höhe von rund 90 Millionen betrage“, beschreibt Gienger das derzeitige Ungleichgewicht. In den anderen Bundesländern sei die Lage ähnlich. Wie viel Geld insgesamt benötigt werde, soll nun in einer vom DOSB beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte in Auftrag gegebenen Studie in Erfahrung gebracht werden, erklärt Gienger. Die Zahlen dieser Untersuchung sollen spätestens in 14 Tagen vorliegen.

Politik investiert 3,2 Milliarden Euro in den Sport

Sorgen macht sich der Olympia-Bronzemedaillengewinner am Reck von 1976 vor allem um die olympischen Mannschaftsportarten abseits des Fußballs – wie Handball, Basketball oder Volleyball: „Ich rechne fest damit, dass hier in absehbarer Zeit, wenn die Krise nicht bald zu Ende geht, einige Vereine in die Insolvenz gehen werden.“

Der Stellenwert des Sports in der Politik lasse sich neben dem gesundheitlichen Aspekt auch an den finanziellen Aufwendungen festmachen. So schätzt Gienger die Investitionen über alle Ressorts hinweg auf „rund 500 Millionen Euro“. Insgesamt komme man mit den Kommunen, den Bundesländern und dem Bund auf eine Summe von „3,2 Milliarden Euro“, führt der gebürtige Künzelsauer aus. Einem immer wieder geforderten „Sportministerium“ steht Gienger eher skeptisch gegenüber: „Der Sport braucht ein starkes Ministerium und dieses ist mit dem Bundesministerium des Inneren gegeben.“

Der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kann der Corona-Krise zumindest in einem Aspekt etwas Gutes abgewinnen: „Wir werden die Konsequenzen aus dieser Phase ziehen und auch die Daten in Zukunft besser verwalten, mit allem, was der Sport so zu bieten hat.“ So könnte der Sport in Zukunft auch seine Position für eine höhere staatliche Förderung verbessern.