Horstmann
Gastbeitrag Sportbusiness Club

Wirtschaftliche Herausforderungen durch Corona – Clubs vor Paradigmenwechsel

Die Auswirkungen der durch COVID-19 verursachten Ertragseinbrüche werden die wirtschaftliche Entwicklung der DFL-Clubs mittel- bis langfristig begleiten. Die Eigenkapitalsituation vieler Clubs dürfte indes unmittelbar tiefgreifende Maßnahmen verlangen. Ein Gastbeitrag von unserem Sportbusiness Club Mitglied.

Nachdem in den vergangenen Wochen einige Clubs ihre Saison- bzw. Jahresergebnisse kommuniziert oder das voraussichtliche Volumen ihrer Einbußen für die Saison 2019/20 beziffert haben, bestätigt sich mehr und mehr, dass die Clubs zwar bereits in der vergangenen Saison erhebliche Einbußen erleiden mussten - die noch größere Sorge allerdings in den Prognosen für die laufende Saison 2020/21 deutlich wird. Die zu Beginn der Saison gehegte Hoffnung, 2020/21 schrittweise zum Regelbetrieb zurück kehren zu können, erfüllte sich nicht, so dass sich die Verluste von Umsatzerlösen und Deckungsbeiträgen weiter summieren. Denn es kristallisiert sich heraus, dass sich die Einbußen nicht nur auf die unmittelbar betroffenen Erlössäulen wie Zuschauereinnahmen oder VIP-Hospitality beziehen, sondern auch die nicht spieltagsbezogenen Sponsoringerlöse oder die Mediaentgelte signifikant betroffen sein werden. Was aber bedeutet dies konkret für die Entwicklung der Bundesliga?

Unserer Einschätzung nach werden die Erträge der DFL-Clubs über die drei Spielzeiten 19/20 bis 21/22 kumuliert deutlich über eine Milliarde Euro unter dieser langfristigen Erwartung zum Zeitpunkt Ende 2019 liegen. Das Erlös-Niveau in 21/22 würde dann in der Größenordnung der Saison 2016/17 liegen. Unter der Voraussetzung, dass die Clubs ab 2021/22 jährlich wieder 5% an Erlöszuwächsen generieren, würde es weitere fünf Spielzeiten bis 2026/27 dauern, um das Vorkrisenniveau zu erreichen. Die Clubs sehen sich somit nach ständigem Wachstum erstmals der Herausforderung ausgesetzt, die Strukturen sich verschlechternden Rahmenbedingungen anzupassen. 

Die Phase des aktuellen ad-hoc Managements und des unmittelbaren Reagierens auf das Krisengeschehen wird in Kürze also durch eine Phase der Neuerfindung und der Konsolidierung abgelöst und von einem Paradigmenwechsel begleitet werden müssen. Denn die Annahme, dass sich die Clubs durch die Entwicklung der vergangenen Jahre in einer vergleichsweise komfortablen Situation befinden, erweist sich als Trugschluss. Lediglich fünf Clubs vereinen 2/3 des Eigenkapitals der gesamten 36 DFL-Clubs (Stand 30.06.2019) auf sich und schon vor der Krise wurden nur 3 bis 4,5 % des Umsatzes als Gewinn erzielt. Der Bedarf nach Liquidität und der Akquise von Eigenkapital könnte für die Clubs somit kurzfristig zur Überlebensfrage werden. 

Die Zahlen im einzelnen und Ansätze für eine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie finden Sie HIER in der Studie "Die wirtschaftliche Situation der DFL Clubs - Auswirkungen der Corona-Krise auf die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga"