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Sponsoren, nutzt eure Macht in Ethikfragen!

Der aktuelle Dopingfall im Biathlon zeigt erneut: Das Streben nach Erfolg im Sport erfolgt häufig zulasten von Ethik und Moral. Das schadet dem Sport langfristig. Sponsoren unterschätzen ihre Möglichkeiten, das System zu verbessern. Im Gastbeitrag erläutert Hans-Joachim Eckert, ehemaliger Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, wie dies gelingen kann.

Kein Sportler, egal in welcher Sportart, ist heute in der Lage, nur mit seiner persönlichen Veranlagung und persönlichen Trainingsleistung, ohne jegliche Unterstützung, an der Weltspitze zu stehen. Er benötigt Glück, die Sportförderung, eine medizinische Betreuung und über Vermarktung erzieltes Kapital.

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Geldgeber eine Rendite erwarten. Was aber ist, wenn der Sportler trotz aller Unterstützung immer knapp an den Medaillen vorbeischrammt? Ist da nicht sanfter Druck für ein paar Prozent mehr Leistung vorstellbar – zunächst einmal ungeachtet der Frage, wer diesen Druck im Einzelfall ausübt? Ein bisschen Doping, ein bisschen illegales Manipulieren des Wettkampfs?

Schon die alten Griechen haben ihren Ringern im Wettkampf den Körper eingeölt, damit die Gegner sich schwerertaten. Es ist aus Sicht der Gönner oder Sponsoren menschlich, dass sie Siegertypen unterstützen wollen und keine Verlierer. Dies muss aber stets im Einklang mit der Wahrung ethischer Grundvorstellungen passieren. 

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Der Autor
Hans-Joachim Eckert

Hans-Joachim Eckert war zwischen 2012 und 2017 Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission. Der Jurist war zudem zwischen 2005 und 2015 Vorsitzender Richter einer Großen Wirtschaftskammer am Landgericht München. Eckert ist Partner der Sports Governance Unit, einer Beratungsfirma für Sportverbände und -clubs für die Themen Compliance, Good Governance und Integrität.

Dabei sind Sponsoren in einer schwierigen Lage: Auf der einen Seite wollen sie ihre Produkte werbewirksam vermarkten, auf der anderen Seite müssen sie ihr Image schützen. Das kann sehr schnell ins Negative abgleiten, wenn die geförderte Sportart und/oder die Vereine oder Organisationen in den Verdacht kommen, mit unlauteren Mitteln zu arbeiten.

Schauen wir einmal auf Sponsoren von Sportarten, bei denen Doping, Spielmanipulationen oder Korruption grundsätzlich häufiger vorkommen als in anderen. Anfällig sind aus meiner Sicht zum Beispiel Gewichtheben, Leichtathletik, Radsport, Skilanglauf oder auch der Fußball.

Wie können sich Sponsoren davor schützen, Teil eines korrupten Systems zu werden? Oder noch besser: Wie können sie es aktiv verändern?

Die gängigen Klauseln der sofortigen Kündigung der Sponsorenverträge bei Nachweis von Einzel-Doping sind sicherlich ein geeignetes Mittel. Problematisch erscheint es jedoch, wenn gesponserte Events oder Vereine sich in einem Graubereich bewegen. Wenn es den Verdacht gibt, dass illegale Praktiken angewendet wurden, es aber keine klaren Beweise gibt oder diese nur schwer zu gewinnen sind.

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Sponsoren achten sicherlich sehr auf die Kosten-Nutzen-Analyse. Aber sie sollten auch wissen wollen, wie, über wen und wohin ihre Gelder fließen. Meines Erachtens können Sponsoren sich in ihren Verträgen Transparenz ausverhandeln, um jederzeit überprüfen zu können, ob die Praktiken des unterstützten Clubs oder Sportlers mit den eigenen Vorstellungen zusammenpassen.

Wie derartige Transparenz-Klauseln wirksam zu gestalten sind, lässt sich aus dem Stegreif nicht beantworten. Dass sich Sponsoren vertraglich eigene Kontrollrechte wie Dopingkontrollen einräumen lassen, erscheint mir aber nicht der richtige Weg zu sein.

Mehr Sinn würde aus meiner Sicht ein Ethikcode für Sportsponsoren ergeben. Ein solcher Kodex sollte zum Beispiel die allgemeinen Grundsätze eines Fair Play, das Verbot jeglicher Verwendung leistungssteigernder illegaler Mittel und das Verbot jeglicher Manipulation von Sportwettkämpfen enthalten. Ein solcher Ethikkodex müsste nicht von jedem Sponsor neu formuliert werden, sondern könnte im Dialog mit Interessenvereinigungen als allgemeinverbindliche Version für alle Sponsorenverträge entwickelt werden.

Während das genaue „Wie“ eines solchen Kodex noch zu diskutieren ist, steht für mich fest: Die Beachtung ethischer Prinzipien muss auch im Umfeld des Sports verlangt und durchgesetzt werden. Und die Sponsoren könnten und sollten ein entscheidender Treiber für diese Entwicklung sein.

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