Börsengang Unterhaching. Foto: imago images / foto2press

Unterhaching-Börsengang: Vorbild oder Negativbeispiel?

Die SpVgg Unterhaching ist als zweiter deutscher Fußballclub überhaupt an die Börse gegangen. Die Aktie des Drittligisten erhielt in den ersten Wochen eine hohe Nachfrage. Ein risikoreiches Beispiel, das dennoch Schule im deutschen Fußball machen könnte. 

Als Ende Juni bekannt wurde, dass der Fußball-Drittligist SpVgg Unterhaching an die Börse geht, dürfte diese Meldung für einige hochgezogene Augenbrauen gesorgt haben. Schließlich sind die Hachinger nach Borussia Dortmund vor 19 Jahren erst der zweite Fußballclub in Deutschland, der diesen Schritt wagt. Und die Vorzeichen hätten unterschiedlicher kaum sein können. So erzielt Unterhaching auf dem aktuellen Kursniveau einen Börsenwert von circa 45 Millionen Euro, Borussia Dortmund ist rund 885 Millionen Euro wert.

Dennoch startete die Haching-Aktie mit einem wahren Kursfeuerwerk. Zunächst konnten Fans und Investoren Aktien zum Festpreis von 8,10 Euro zeichnen. Wenige Tage nach dem IPO stieg der Kurs auf ein zwischenzeitliches Hoch von 14,80 Euro - damit notierte es 82 Prozent über dem Ausgabepreis. Am 13. August stand die Aktie bei 9,12 Euro. Unterhaching konnte im Zuge dieser Zeichnungsphase bereits 6,7 Millionen Euro an Investorengeldern einholen.

Weiteres Kapital soll über die noch verbliebenen Aktien erzielt werden, die im Rahmen einer Privatplatzierung ausgegeben werden. Unterhaching plant, insgesamt bis zu zwölf Millionen Euro an Investorengeldern einzuwerben. Dabei könnte helfen, dass der Club aus dem Münchner Vorort einen guten Start in der dritten Liga hinlegte und nach vier Spielen nur zwei Punkte hinter dem Tabellenführer auf Platz fünf steht. Von einem Aufstiegsplatz trennt die SpVgg gar nur ein Punkt.

Entwicklung der Unterhaching-Aktie
Bildunterschrift
Entwicklung der Unterhaching-Aktie innerhalb des zurückliegenden Monats. Quelle: finanzen.net

Gute Chancen auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga dürften Unterhachings Aktienkurs stützen. Er wurde von den Finanzanalysten der GBC-Gruppe, die den IPO von Unterhaching vorbereitet und begleitet haben, sogar mittelfristig eingeplant (siehe Interview mit Marcel Goldmann unten im Text). Schließlich bekommt ein Drittligist vom DFB pro Saison durchschnittlich rund eine Million Euro an TV-Geldern ausbezahlt.

Eine Liga höher geht es dann in ganz andere Dimensionen: Clubs der 2. Bundesliga bekommen von der DFL zwischen 7 und 24 Millionen Euro pro Spielzeit ausgezahlt. Das Wachstumspotenzial bei Fußballclubs ist demnach besonders bei potenziellen Aufstiegen groß und lässt Anlegerfantasien freien Lauf.

 

Hoch spekulativ

Grundsätzlich aber lässt sich aus der Historie festhalten, dass Aktien von Fußballclubs als hoch spekulativ einzustufen sind und sich lediglich für risikobereite Anleger oder eingefleischte Fans eignen. Das zeigen nicht zuletzt auch Beispiele anderer börsennotierter Fußballclubs; wobei zu berücksichtigen ist, dass Vergleiche zwischen einzelnen Vereinen aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen immer schwierig sind:

­Beim IPO von Borussia Dortmund beispielsweise vor rund 19 Jahren erhoffte sich der Club Emissionserlöse in Höhe von 300 Millionen D-Mark. Erzielen konnte der BVB damals jedoch nur 270 Millionen. Kurz nach dem IPO fiel die Aktie noch um elf Prozent bei einem Emissionspreis von elf Euro (rund 22 Mark). Zur Stabilisierung der Aktie nahm die Deutsche Bank zwei Millionen Aktien beziehungsweise 10,26 Prozent des Grundkapitals in ihren Eigenbestand auf.

Der Börsenstart war nicht so rasant verlaufen, wie von vielen im Umfeld der Borussia erhofft worden war. Durch die Erfolgsjahre 2011 und 2012 unter Jürgen Klopp erholte sich die Aktie jedoch merklich. Mittlerweile hat es die BVB-Aktie immerhin in den S-Dax geschafft und liegt aktuell bei einem Kurs von 9,63 Euro, das entspricht einer Marktkapitalisierung von 885 Millionen Euro.

Auch Premier-League-Club Manchester United – Börsengang im Jahr 2012 – konnte in den ersten Tagen nach seinem IPO nur mit Mühe verhindern, dass der Kurs den Ausgabepreis unterschritt. Heute hat sich die Aktie aber um 16 Euro herum stabilisiert.

Tottenham Hotspur war der Börsen-Pionier unter den Fußballclubs in Europa. Bereits im Jahr 1983 gab der Londoner Club Wertpapiere heraus. Dieser Vorstoß sollte allerdings in einer großen Enttäuschung enden. Als sich 2012 die erforderliche Sanierung des Tottenham-Hotspur-Stadions wegen der schlechten Bewertung an der Börse als ausgesprochen schwierig erwies, folgte noch im selben Jahr der Rückzug vom Börsenparkett.

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Interview: „Andere Dritt- und Zweitligisten werden folgen“

 

Marcel Goldmann, Analyst bei der GBC AG, erklärt im Gespräch mit SPONSORS, welche Vorraussetzungen Fußballclubs für einen IPO erfüllen müssen, wie hoch die durchschnittlichen Kosten sind sowie welche Vor- und Nachteile es gibt.

SPONSORS: Herr Goldmann, als Analyst für GBC Research haben Sie die Unterhaching-Aktie mit 8,94 Euro bewertet. Wie kommen Sie auf diesen Preis?

Marcel Goldmann: Vereinfacht gesagt basiert unsere Bewertung auf der erwarteten zukünftigen Geschäftsentwicklung und den hieraus resultierenden geschätzten Barmittelüberschüssen, die den Aktionären künftig zufließen. Im Rahmen unserer Bewertung haben wir unter anderem auch einen mittelfristigen Aufstieg in die 2. Bundesliga unterstellt, der zu wesentlich höheren Vermarktungserlösen – insbesondere im TV-Bereich – und einer attraktiven Profitabilität führen sollte.

SPONSORS: Sind 8,94 Euro als IPO eher als viel oder wenig für einen Drittligisten wie Unterhaching?

Marcel Goldmann: Diese Frage können wir so nicht beantworten, da unsere Antwort die Aussagekraft unseres Bewertungsergebnisses von Unterhaching infrage stellen würde.

SPONSORS: Aber ist es nicht sehr riskant einen Aufstieg bei der Bewertung zu unterstellen, schließlich ist sportlicher Erfolg nur schwer kalkulierbar?

Marcel Goldmann: Ja, einen Aufstieg in der Bewertung zu unterstellen ist risikoreich. Daher haben wir auch in unserer Bewertungsstudie – im Rahmen einer Szenarioanalyse – die möglichen negativen Auswirkungen einer Aufstiegsverschiebung auf den Unternehmenswert dargestellt.

SPONSORS: Gab es denn weitere Faktoren, die Sie bei der Bewertung unterstellt haben und den Wert der Aktie erhöhten?

Marcel Goldmann: Wir haben in unserer Unternehmensbewertung des Hachinger-Fußballclubs lediglich die von uns erwartete zukünftige Geschäftsentwicklung als Ausgangsbasis für unsere Bewertung verwendet. Sonstige Faktoren, wie stille Reserven, haben wir in unsere Bewertung nicht zusätzlich einfließen lassen.

SPONSORS: Welche Vor- beziehungsweise Nachteile sehen Sie für einen Fußballverein bei einem Börsengang?

Marcel Goldmann: Durch einen Börsengang können sich für Unternehmen mehrere Vorteile ergeben. Zu diesen zählen unter anderem: Zugang zu Wachstumskapital, Nutzung eines neuen Finanzierungsinstruments für eine breite Finanzierungsbasis, eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit sowie verbesserte Bindungsmöglichkeiten von Sponsoren durch eine Kapitalbeteiligung.

Andererseits müssen börsengelistete Unternehmen beispielsweise bestimmte Regulierungsanforderungen erfüllen, die zu einem entsprechenden Verwaltungsmehraufwand führen. Daneben erwarten Aktionäre typischerweise von börsennotierten Gesellschaften auch über kurz oder lang eine Dividende, die über regelmäßige Gewinne erwirtschaftet werden muss.

Marcel Goldmann, Analyst, GBC Group
Vita
Marcel Goldmann, Analyst , GBC-Gruppe

Marcel Goldmann von der GBC AG hat den IPO von Unterhaching eng begleitet. Im Gespräch mit SPONSORS ordnet er den Börsengang von Unterhaching aus Sicht eines Finanzanalyst ein und zeigt sich sicher, dass es Nachahmer im deutschen Fußball geben wird.

SPONSORS: Meinen Sie, dass sich andere Zweit- und Drittligisten ein Beispiel an Unterhaching nehmen und ebenfalls einen zeitnahen Börsengang planen?

Marcel Goldmann: Wir gehen davon aus, dass auch einige andere Drittligisten und Zweitligisten jetzt erst recht dem Hachinger Weg folgen und die Option eines Börsengangs prüfen werden, da sie auch nach alternativen Finanzierungsquellen zur Weiterentwicklung ihres Clubs Ausschau halten.

SPONSORS: Welche Vereine haben sich schon konkret bei Ihnen dafür interessiert?

Marcel Goldmann: Hierzu können wir leider nichts sagen.

SPONSORS: Für welche Art von Investor ist eine Fußballclub-Aktie denn geeignet?

Marcel Goldmann: Der Profifußball hat sich weltweit zu einem großen Wirtschaftsfaktor mit einem gigantischen Marktvolumen entwickelt. In diesem Bereich gibt es einige gelistete Fußballclubs, die sich über Jahre hinweg wirtschaftlich gut entwickelt und auch hohe Gewinne erwirtschaftet haben. Auch in der 2. Bundesliga werden von Fußballclubs Millionen umgesetzt und solche wirtschaftlichen Größenordnungen ermöglichen auch attraktive Unternehmensgewinne.

Somit würde sich grundsätzlich auch ein börsennotierter Drittligist mit realistischen Aufstiegsmöglichkeiten oder ein etablierter Zweitligist als ein attraktives Investment für einen Investor eignen, da die ökonomischen Rahmenbedingungen als positiv anzusehen sind. Natürlich sind für ein Investment am Ende des Tages noch mehrere Faktoren entscheidend, wie die Unternehmensstrategie – inklusive des sportlichen Konzepts – sowie die Qualität des Managements und viele weitere Faktoren.

SPONSORS: Wie hoch sind die Kosten, die mit einem IPO einhergehen?

Marcel Goldmann: Bei kleineren bis mittelständisch geprägten Unternehmen (Vgl. SpVgg Unterhaching) bewegen sich die Kosten in einer Bandbreite von 0,6 bis 1,0 Millionen Euro.

SPONSORS: Herr Goldmann, vielen Dank für das Gespräch.