FC Bayern

Supercup-Tests als Vorbild für die Bundesliga?

Im Vorfeld ihres Besuchs des UEFA-Supercup-Finals in Budapest ließen sich Fans des FC Bayern vorab in München auf Covid-19 testen. Die Erfahrungen des Testverfahrens könnte auch in der Bundesliga Anwendung finden.

Das Supercup-Finale 2020 war im Vorfeld von der UEFA zu einem Modellprojekt erklärt worden. Der europäische Fußball-Verband wollte mit diesem Spiel laut eigenen Angaben ein bisschen Normalität zurückbringen. 20 000 Menschen hätten – bei einer Auslastung von 30 Prozent – in die Budapester Puskás-Aréna kommen dürfen, am Ende waren es immerhin 15 180.

Die Bayern-Fans, die nach Budapest reisten, konnten sich vorab im Gästeparkhaus der Allianz Arena  kostenlos auf Covid-19 testen lassen. Ein negatives Testergebnis war zugleich Vorrausetzung, um drei Tage später Zugang zum Spiel in der Puskás-Aréna zu erhalten. FCB-Partner Ecocare hatte das Testzentrum innerhalb weniger Tage im Parkhaus errichtet und drei sogenannte Drive-Through-Testcenter installiert, die die Fans per Auto passieren konnten.

Ursprünglich waren sogar 3000 bis 4000 Test geplant, die an zwei Tagen hätten durchgeführt werden sollten. Infolge der Einordnung von Budapest als Covid-19-Risikogebiet hielt sich der Ansturm der Fans allerdings in Grenzen und nur 315 Fans ließen sich letztlich testen, um nach Ungarn aufzubrechen. Dennoch sammelte der Rekordmeister wichtige Erkenntnisse im Umgang mit dem Testverfahren. Auch Thomas Liedtke, Chief Medical Officer bei Ecocare, spricht gegenüber SPONSORs von positiven Erfahrungen: „Die Fans haben das Angebot begrüßend angenommen.“

Club übernimmt Fan-Kommunikation

Die Aufgaben bei der ersten Covid-19-Testung von Fans waren klar verteilt. Ecocare, die vom internationalen Infrastruktur- und Logistikdienstleister Ecolog betriebenen Diagnosetestzentren, hatten sowohl die Teststationen aufgebaut als auch die Tests in Zusammenarbeit mit einem Labor durchgeführt. Zugleich übernahm das Unternehmen die Kommunikation mit den lokalen Behörden. Erfahrungen hatte Ecocare bereits zuvor mit diversen Teststationen unter anderem an Flughäfen in Brüssel, München und Nürnberg gesammelt.

Dem FC Bayern München oblag es, eine entsprechende Fläche für die Testzentren bereitzustellen sowie die Kommunikation mit den Fans über die clubeigenen Kanäle zu übernehmen. Unter anderem postete der Club einen Link auf seiner Website, über den sich die Fans für den Covid-19-Test registrieren lassen und einen Termin für den Test buchen mussten. Das Testergebnis wiederum erhielten die Fans innerhalb von 24 Stunden per E-Mail vom zuständigen Labor.

Erste Gespräche mit NRW-Städten

Das ganze Verfahren verlief reibungslos und nun gibt es erste Überlegungen, die in München angewandten sogenannten Polymerase-Kettenreaktion-Tests (PCR) auch vor Bundesliga-Spielen anzubieten. Dies würde bedeuten, dass ein Club in der Woche vor dem Spiel ein Testzentrum für seine Fans aufbauen lässt. Sollten Testergebnisse positiv ausfallen, würden die erkrankten Fans keinen Zutritt zum Spiel erhalten und die Gesundheitsbehörden automatisch benachrichtigt werden. Zeitlich kürzer wäre der Ablauf, sobald massentaugliche Schnelltests durchgeführt werden können, die innerhalb von 15 bis 30 Minuten Ergebnisse liefern würden. Dann könnten die Tests sogar direkt am Spieltag stattfinden.

Ecocare-CMO Liedtke berichtet von ersten Gesprächen mit Stadtvertretern aus Düsseldorf, Dortmund und Duisburg, in denen zunehmend die Bedeutung des Fußballs und die Rückkehr der Fans ins Stadion thematisiert wird. Clubs, die ihre Fans im Vorfeld eines Spiels durch Ecocare testen lassen möchten, müssen allerdings mit nicht unerheblichen Kosten rechnen: Die Bandbreite dürfte nach SPONSORs-Recherchen zwischen 70 und 110 Euro pro Test liegen. Der Preis ist unter anderem davon abhängig, welche Infrastruktur vor Ort bereits besteht beziehungsweise von Ecocare bereitgestellt werden muss. Auch die Frage, ob der Test eher als „Drive-Through“ oder „Walk-in“ angewendet wird, hat Einfluss auf die Kosten. Genauso wie die geforderte Lieferzeit für Testergebnisse. Es bleibt abzuwarten, ob die Clubs bereit sind, für eine Rückkehr zur Normalität Kosten in dieser Höhe in Kauf zu nehmen.

Foto: imago images / ActionPicture

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