Wanja Greuel

Podcast mit Wanja Greuel: NFT-Vorreiter aus der Schweiz

Die Young Boys Bern haben sich in den vergangenen Jahren eine Vorreiterrolle im Profifußball in Sachen digitale Innovationen erarbeitet. Warum YB als weltweit erster Fußballverein NFT-Sammelkarten über den eigenen Onlineshop vertreibt und welches Potenzial für den Sport in dem neuen Milliardenmarkt steckt, haben wir mit CEO Wanja Greuel im SPONSORs-Podcast besprochen.

Die Geschäftsmodelle der Profifußballclubs stehen durch die Corona-Pandemie so stark unter Druck wie lange nicht mehr. Selbst bei einer optimistischen Sicht steht eins fest: Die Möglichkeiten, innerhalb der traditionellen Erlösquellen zu wachsen, sind begrenzt. Insbesondere digitale Geschäftsfelder rücken deshalb immer mehr in den Fokus der Clubs. Ein Top-Thema sind dabei Non-fungible Token – kurz NFT. Die kometenhafte Entwicklung des Marktes – der mit dem Faktor 250 auf rund 25 Milliarden US-Dollar innerhalb von nur zwölf Monaten gewachsen ist – hat mittlerweile auch das Sportbusiness erreicht. Bereits früh in das NFT-Geschäft eingestiegen sind die Young Boys Bern. „Als sich mit der Blockchain-Technologie neue Optionen auf den Markt ergaben – wie auch NFTs – haben wir gleich gesagt: Da wollen wir dabei sein“, erklärt Wanja Greuel, Chief Executive Officer (CEO) der Young Boys Bern, im SPONSORs-Podcast.

Der 15-malige Schweizer Meister hat nach eigenen Angaben im November 2021, als weltweit erster Fußballclub NFT-Sammelkarten über seinen eigenen Merchandising-Shop vertrieben. „Wir möchten die Wertschöpfung bestmöglich selber erzielen“, begründet Greuel, der auch im Vorstand der Club Vereinigung ECA sitzt, den Schritt. Für den Verkauf in Eigenregie haben die YB eine beträchtliche Summe in die Hand genommen – allein rund 30 000 Euro wurden für das Design der NFT-Karten investiert. Um das Interesse der Fans für das neue Produkt zu steigern, hat sich der Schweizer Traditionsclub zudem ein Belohnungssystem ausgedacht. So erhält jeder Käufer, der bis zum 28. Februar 2022 alle 30 digitalen Sammelkarten erworben hat, 30 YB-Fan-Token, vier Spieltagstickets in der ersten Kategorie sowie ein Match-Worn-Trikot. Das Invest scheint sich gelohnt zu haben. Innerhalb von gerade einmal zwei Stunden war die erste Kollektion komplett ausverkauft, verbunden mit Einnahmen im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich. Der nächste Drop ist bereits für März geplant.

Digitalisierung als Chefsache

Digitale Innovationen spielen bei den Young Boys aus Bern aber nicht erst seit dem Launch der eigenen NFT-Kollektion eine große Rolle. „Als ich CEO wurde, war für mich klar, dass die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen absolut höchste Priorität haben“, sagt Greuel. In diesem Zuge wurde im Januar 2020 mit Reto Steffen als Chief Digital Officer (CDO) eigens eine neue Position in der Geschäftsleitung des amtierenden Schweizer Meisters geschaffen. Im gleichen Jahr sind die Young Boys als erster Club aus dem deutschsprachigen Raum eine Partnerschaft mit der Fan-Engagement-App Socios.com eingegangen.

„Bei den Fan-Token wurden unsere Erwartungen pulverisiert“, berichtet ECA-Vorstand Greuel. So konnten seit Dezember 2020 bereits rund eine Million $YBO-Token verkauft werden. Die Erlöse lagen dabei nach SPONSORs-Informationen im hohen sechsstelligen Bereich. Im Sponsoring setzen die Young Boys ebenfalls stark auf ihre digitalen Assets. Innerhalb von drei Jahren konnte der Club seine Einnahmen aus der digitalen Vermarktung so verfünffachen. Allein in den digitalen Medien bieten die Berner derzeit 13 verschiedene Rechtepakete an – von der Präsenz im YB-Podcast bis zum Presenting verschiedener clubeigener TV-Formate. Der Case zeigt: Digitale Geschäftsmodelle können ein Weg sein, sich als Club diverser und damit auch krisenfester aufzustellen.

Foto: Young Boys Bern

SBC