Hainer

Gehaltsobergrenzen: Bayern-Boss Hainer für „gewisse Reglementierungen“

Obergrenzen für Geldflüsse im Profi-Fußball würde sich Herbert Hainer nicht entgegenstellen, erklärt der Präsident des FC Bayern München auf dem SPOBIS 2021. Darüber hinaus spricht sich der langjährige Vorstandsvorsitzende von Adidas gegen eine Verkürzung des Rhythmus von Fußball-Weltmeisterschaften aus. 

„Man muss das Problem an der Wurzel packen und nicht mehr Geld ausgeben, als man einnimmt. Deswegen braucht es eine gewisse Reglementierung bei Spielergehältern, Transfersumme und Spielerberater-Provision", sagte Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, auf dem Branchenkongress SPOBIS 2021 in Düsseldorf zur oft diskutierten Salary-Cap-Frage.

Hainer bezeichnete auf Europas größtem Sportbusiness-Event die Auswirkungen der Corona-Pandemie als günstige Ausgangslage zur Durchsetzung einer Begrenzung der Personalausgaben. „Nachdem das lange nicht möglich gewesen ist, bedeutet diese Krise nun eine Chance, um zusammen mit den internationalen Verbänden und der Europäischen Kommission für den Sport sicherzustellen, dass die Klubs überleben können", betonte der frühere Vorstandschef des Sportartikelherstellers Adidas.

Die Generierung von frischem Geld für die Vereine auf strittigen Wegen wie der im vergangenen Frühjahr krachend gescheiterten Einführung einer geschlossenen Super League für europäische Spitzenvereine ist für Hainer keine Option. „Dabei hat man die Natur des Fußballs verkannt und die Kraft der Fans unterschätzt", sinnierte Münchens Vereinschef. 

Spekulationen über einen neuen Anlauf der treibenden Super-League-Befürworter Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin hält Hainer zumindest derzeit für verfrüht: „Es wird keinen neuen Versuch geben, eine Super League einzuführen. Dafür war der Aufschlag zu hart."

Zur Verhinderung von ähnlichen Alleingängen von Klubs hält Hainer einen Verzicht etwa des Europa-Verbandes UEFA auf Macht zugunsten der Vereine in der Zukunft für notwendig. 

„Die Verbände werden weiter eine wichtige Rolle spielen, denn es braucht immer ein Regulativ. Aber es muss geklärt werden, wer welche Rolle hat. Die Aufgabe der Verbände wird es nicht mehr sein, Weltpolizist zu sein. Dafür werden bestimmte Verantwortungen an die Klubs gehen müssen."

„Teufel mit Belzebub austreiben"

Eine Verkürzung des Rhythmus von Fußball-Weltmeisterschaften von derzeit vier auf künftig zwei Jahre ist für Bayern Münchens Präsident Herbert Hainer ein kontraproduktiver Versuch zur Stillung des immer höheren Geldbedarfs. „Man will noch mehr Geld durch noch mehr Wettbewerbe und Spiele machen. Dadurch versucht man aber nur, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Das ist der falsche Weg", sagte der Vereinschef des deutschen Meisters am Mittwoch auf dem Branchenkongress SPOBIS in Düsseldorf.

Für den Nachfolger von Uli Hoeneß an der Bayern-Spitze würde die Umsetzung der Zwei-Jahres-Pläne des Weltverbandes FIFA zu Lasten der Vereine gehen. „Dann bräuchte man als Klub noch mehr Spieler, hätte noch mehr Verletzte, bräuchte noch einmal mehr Spieler und hätte noch höherer Ausgaben. Aber die Zusatzeinnahmen, die von der FIFA ausgeschüttet werden sollen, würden diese Mehrausgaben nicht decken können. Die Lawine würde nur immer größer", betonte Hainer auf Europas größtem Sportbusiness-Event.

Die FIFA treibt seit mehreren Monaten die Einführung eines Zwei-Jahres-Rhythmus für ihre WM-Endrunde voran. Der Weltverband erhofft sich davon vor allem Steigerungen seiner Einnahmen aus der Vermarktung und dem Verkauf von TV-Rechten, begründet seine Pläne jedoch mit dem angeblichen Interesse von Fans an einer häufigeren WM-Austragung.

Hainer sieht in der Debatte die Bedürfnisse der Vereine nicht berücksichtigt. „So etwas muss zum Wohl aller Beteiligten besser organisiert sein", begründete der 67-Jährige die Ablehnung der FIFA-Pläne durch die Bayern. 

Dass München seinen Nationalspielern die Freigabe für WM-Endrunden im verkürzten Abstand verweigern könnte, mochte Hainer nicht bestätigen: „Ich würde nicht per se sagen, dass wir das boykottieren würden. Wir werden aber im Vorfeld unsere Position schon klarmachen, und die ist: Wir finden nicht gut, dass es noch mehr Spiele geben soll."

Der Bayern-Chef wünscht sich in der WM-Frage eine geschlossene Haltung der Vereine in ganz Europa: „Die Corona-Krise ist auch bei diesem Thema eine Chance. Ich hoffe, dass die Klubs diese Chance nutzen."

Foto: SPONSORs / picture alliance

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