Ceferin

Die Zukunft des Europapokals

Der europäische Fußballverband UEFA hat einen ersten konkreten Entwurf für ein neues Europapokal-System auf den Weg gebracht. Dieses würde nicht nur massive Veränderungen am Wettbewerb mit sich bringen, sondern auch erheblichen Einfluss auf die nationalen Fußballligen nehmen. Die harsche Kritik der Deutschen Fußball Liga (DFL) ließ nicht lange auf sich warten.

Wenn es nach der UEFA geht, wird der Europapokal ab der Spielzeit 2024/25 in drei Ligen aufgeteilt. Diese sollen dann „League 1“, „League 2“ und „League 3“ heißen. Dabei handelt es sich um eine weitestgehend geschlossene Ligen-Form, in der die Clubs innerhalb der Spielklassen auf- und absteigen können. Das berichten verschiedene Medien einstimmig, unter anderem die „Bild“ und die „New York Times“.

Nach deren Berichten plant die UEFA, das Starterfeld im Vergleich zur bisherigen UEFA Champions League grundlegend zu verändern. Und das ist die eigentliche Revolution an den Plänen des Kontinentalverbands. Demnach sollen sich künftig die besten 24 Clubs einer „League 1“-Saison auch für die nächste Spielzeit in der höchsten europäischen Spielkasse qualifizieren. Ergänzt wird das Teilnehmerfeld durch vier Aufsteiger aus der „League 2“ (die Halb­finalisten der vergangenen Saison) sowie vier Clubs, die sich über ihre nationalen Ligen qualifizieren. Um welche Ligen es sich dabei handelt und welche Platzierung dafür notwendig ist, ist noch nicht bekannt.

Die kolportierten UEFA-Pläne werden vor allem erheblichen Einfluss auf die nationalen Ligen haben. Denn darüber sollen sich künftig wie oben skizziert nur noch vier Mannschaften (in der Champions League; Anm. d. Red.) für die „League 1“ qualifizieren können. Das hätte zur Folge, dass die Spannung in den nationalen Ligen – zumindest im oberen Bereich der Tabelle – eliminiert würde. Im aktuellen Modus der UEFA Champions League qualifizieren sich 30 der 32 Teilnehmer über die nationalen Ligen. Lediglich die Sieger der Champions League sowie der Europa League sind direkt qualifiziert.

UEFA hält sich bedeckt

Die Pläne der UEFA sind allerdings unter Vorbehalt zu betrachten. Laut „Bild“ wollte der europäische Verband seine Pläne auf einer Mitgliederversammlung am 17. Mai in Budapest vorstellen. Dies geschah allerdings nicht – oder die Pläne wurden der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. In einer UEFA-Mitteilung hieß es lediglich von ­Präsident Aleksander Ceferin (Foto oben): „Der Konsultationsprozess ist im Gange ­– und wir freuen uns darauf, die Gedanken anderer Beteiligter direkt zu erhalten, anstatt sie aus den Medienstatements zusammensetzen zu müssen.“

Während sich die UEFA auf ihrer Mitgliederversammlung offenbar zum kolportierten Drei-Ligen-System noch bedeckt hielt, wurde die Absage für Spiele der UEFA Champions League am Wochenende erneuert. „Ich habe mich sehr gefreut, unsere Zusage wiederholen zu können, mit Ausnahme des Champions-League-Finales an Wochenenden keine UEFA-Clubwettbewerbsspiele zu bestreiten“, sagte Ceferin im Rahmen der Sitzung. 

Da in dem neuen Modus jeder Club bis zu acht Gruppenspiele mehr bestreiten würde, war über Ansetzungen von Europacup-Spielen an Wochenenden diskutiert worden. Das war von den nationalen Ligen allerdings vehement abgelehnt worden.

DFL positioniert sich klar

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte sich erwartungsgemäß deutlich gegen das kolportierte Europapokal-Format der UEFA positioniert: „Das derzeit diskutierte Konzept der Europäischen Club-Vereinigung ECA würde nicht akzeptable Konsequenzen für die nationalen Ligen Europas bedeuten und sollte daher in dieser Form nicht umgesetzt werden“, ließ sich DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zitieren.

Konsequenzen für die nationalen Ligen konkretisierte Seifert am Beispiel der höchsten europäischen Spielklasse „League 1“, an der künftig maximal fünf Clubs eines Landes teilnehmen dürfen. Wenn also alle deutschen Vertreter die Klasse halten, kann sich laut Seifert beispielsweise aus der Bundesliga ein möglicher Deutscher Meister RB Leipzig nicht für den künftigen Top-Wettbewerb qualifizieren. Dazu sagte der DFL-Geschäftsführer konkret: „Das würde den gesamten europäischen Fußball nachhaltig schädigen – und das kann niemals das Interesse der UEFA sein.“ Dem entgegnete UEFA-Präsident Ceferin: „Wir werden nichts entscheiden, ohne die Ansichten aller zu berücksichtigen. Wir würden niemals Änderungen akzeptieren, die dem europäischen Fußball schaden würden.“  

Mit einer Entscheidung über die Europapokal-Reform, die das UEFA-Exekutivkomitee treffen muss, wird frühestens Ende des Jahres gerechnet, möglicherweise auch erst im Jahr 2020. Die skizzierten Pläne sind demnach unter Vorbehalt zu betrachten. 

UEFA: Das sind die Kernpunkte des neuen Europapokals

„League 1“: Die neue „Königsklasse“

• Die höchste Liga, die „League 1“ heißen soll, entspricht der heutigen UEFA Champions League und umfasst 32 Teams. Diese sollen jedoch die Gruppenphase ab der Saison 2024/25 in vier Achter-Gruppen austragen – und nicht wie derzeit bei der Champions League in acht Vierer-Gruppen.

• Der künftige Modus der „League 1“ sieht wie bisher bei der Champions League in der Gruppenphase Hin- und Rückspiele vor. Das heißt: Jeder teilnehmende Club hat damit 14 Vorrundenspiele – anstelle von bislang sechs.

• Aus der Gruppenphase der „League 1“ -qualifizieren sich die jeweils Erst- bis Viertplatzierten der vier Gruppen fürs Achtel-finale. Die Fünft- bis Achtplatzierten der Gruppen ermitteln die vier Absteiger in die „League 2“.

• Das erste Teilnehmerfeld der neu gegründeten „League 1“ soll laut „Bild“ in der Saison 2024/25 auf Basis der UEFA-Club-Koeffizienten zusammengestellt werden. Grundlage dafür ist das sportliche Abschneiden der Clubs in den Spielzeiten 2020/21 bis 2023/24. Aus der Bundesliga wäre nach aktuellem Stand (auf Basis der vergangenen vier Spielzeiten) der FC Bayern München, Borussia Dortmund, der FC Schalke 04 sowie Bayer 04 Leverkusen in der „League 1“ vertreten.

• Pro Nation dürfen maximal fünf Vertreter einer Nation in der „League 1“ dabei sein. Diese Regelung wird derzeit auch schon in der Champions League angewandt.

 

„League 2“: Die neue Europa League

• Bereits beschlossen ist, dass die Europa League ab der Spielzeit 2021/22 von aktuell 48 auf 32 Clubs verkleinert wird. Dabei soll es auch beim Nachfolge-Wettbewerb „League 2“ bleiben, der ab der Saison 2024/25 mit acht Vierergruppen gespielt wird.

• Das Teilnehmerfeld der „League 2“ soll sich in der ersten Saison – analog zur „League 1“ – aus der Rangliste der UEFA-Club-Koeffizienten ergeben. 

• In den Folgejahren besteht das Feld aus 20 Clubs, die sich über ihre nationalen Ligen qualifizieren. Wie auch bei der „League 1“ sind noch keine Details bekannt, welche -Nationen wie viele Plätze davon erhalten. Fest steht jedoch, dass vier Absteiger aus der „League 1“ hinzukommen. Zudem wird das Teilnehmerfeld um vier Teilnehmer der Vorjahressaison der „League 2“ (vermutlich die Verlierer der Viertelfinalpartien der vergangenen Saison) sowie vier Aufsteiger aus der „League 3“ (die Halbfinalisten der vergangenen Saison) ergänzt.

 

„League 3“: Die neue Europa League II

• Neben den zwei aktuell bestehenden -europäischen Wettbewerben wird zur Saison 2021/22 ein dritter Europapokal-Wett-bewerb eingeführt. Dieser soll zunächst den Namen „Europa League 2“ tragen. Dies hat die UEFA bereits beschlossen. 

• Der dritte Wettbewerb besteht zunächst aus 32 Clubs und soll zur Saison 2024/25 mit dem Namen „League 3“ auf 64 Mannschaften erweitert werden.

• Das Teilnehmerfeld der „League 3“ soll in jeder Saison komplett neu zusammen-gesetzt werden und für die Gruppenphase in vier regionale Zonen mit je vier Gruppen aufgeteilt werden. Hierfür können sich die Clubs über ihre nationalen Ligen qualifizieren. Wie bei der „League 1“ und „League 2“ gibt es noch keine Details über die Platzierungen.

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