Munich Mash: Wenig Strukturen, viel Freiraum
30.01.2018
Venue & Event | Munich Mash

Munich Mash: Wenig Strukturen, viel Freiraum

Im zweiten Teil zum Theme Extremsport blickt SPONSORs auf den Munich Mash, der 2018 sein fünfjähriges Jubiläum feiert. Die Veranstalter der Extremsportveranstaltung wollen mit viel Flexibilität Sponsoren gewinnen, kämpfen aber auch mit einigen Hürden.

Es dauerte genau einen Sommer, dann waren die groß angelegten Expansionspläne schon wieder Geschichte. Der US-Sender ESPN, im Besitz von Walt Disney, wollte 2013 seine Extremsportveranstaltung X-Games global ausrollen und schloss mehrjährige Verträge mit Veranstaltern in Brasilien und Frankreich sowie mit dem Münchner Olympiapark. Doch die Premiere war zugleich die letzte Veranstaltung, ESPN kündigte Ende 2013 überraschend aus finanziellen Gründen das Ende der weltweiten X-Games an.

In der Folge entschied sich der Olympiapark München, mit Munich Mash ein eigenes Event aufzuziehen, welches sich, auf deutlich niedrigerem Niveau, mittlerweile als führende Extremsportveranstaltung in Deutschland etabliert hat. Im Zentrum von Munich Mash stehen dabei drei Extremsportarten: BMX Spine Ramp, Street League Skateboarding und Wakeboard Rail & Air.

Die Veranstalter planen für 2018 mit einem Budget von gut einer Million Euro – das ist deutlich weniger als die Hälfte des Etats, der zuvor für die X-Games veranschlagt worden war. In der aktuellen Kalkulation ist der Bau der Kurse für die einzelnen Sportarten mit gut 50 Prozent des Budgets der größte Kostenblock, die Gagen und die Betreuung der Athleten machen etwa 15 Prozent aus. Der Rest, also etwa 400 000 Euro, entfällt auf die Bereiche Media- und Dateninfrastruktur, Kampfrichter, Personal und TV-Produktion.

Infos zum Event

Munich Mash

Veranstalter Olympiapark München GmbH
Vermarktung S&K Marketing
Termin 22. bis 24. Juni 2018
Sportarten BMX Spine Ramp, Street League Skateboarding, Wakeboard Rail & Air

Besucher
2014
    52 000
2015    67 000
2016    85 000
2017    77 000

TV-Partner 2017 Bayerischer Rundfunk, One, ProSieben Fun

Sponsoren Breitsamer, Coca-Cola, Lotto Bayern, Pizza.de, Snipes

Gesamtbudget ca. 1,2 Mio. €

Quelle: SPONSORs

Bei der Budgetplanung ist zu berücksichtigen, dass die Veranstaltung für ESPN den Zweck hatte, Content für die eigenen Sender zu produzieren – anstatt ihn teuer einzukaufen. Entsprechend musste sich das Event nicht singulär refinanzieren und wurde mit einem Mix aus Medien- und Eventbudget getragen. Beim Olympiapark München ist dies natürlich anders, wobei auch hier Querfinanzierungen möglich sind.

Marion Schöne, Geschäftsführerin Olympiapark München GmbH, sagt: „Unser Ziel ist natürlich, das Event kostendeckend durchzuführen. Wir haben neben den Mash-Sponsoren auch einen Olympiapark-Sponsorenpool mit namhaften Firmen, aus dem Mash auch ganz wesentlich unterstützt wird.“

Dabei ist das Sponsoring die Haupt-Erlösquelle des Events. Der Olympiapark kann dabei mit einem städtischen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro sowie mit Gebühren von etwa 100 Ausstellern auf dem Gelände planen.

Die Haupt-Erlösquelle von Munich Mash ist jedoch das Sponsoring. In diesem Bereich wollen die Veranstalter im besten Fall etwa eine Million Euro pro Jahr erlösen. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, wie Frank Seipp zugibt. Der Organisationschef von Munich Mash sagt: „Viele Sponsoringentscheider tun sich schwer, in diese wenig strukturierte Sportart einzutauchen.“ Seipp meint damit vor allem, dass im Extremsport das sportliche Niveau schwer zu definieren und damit auch zu kommunizieren ist, es gibt beispielsweise keine Weltrangliste.

„Viele Sponsoringentscheider tun sich schwer, in diese wenig strukturierte Sportart einzutauchen.“

Frank Seipp, Organisationschef Munich Mash

Wie schwer die Vermarktung ist, zeigt die Tatsache, dass es den Veranstaltern bisher nicht gelungen ist, einen Nachfolger für den ehemaligen Hauptsponsor Swatch zu finden, der seinen Dreijahresvertrag nach dem Event 2016 nicht verlängert hatte. Der Listenpreis für den gesuchten Titelsponsor liegt im niedrigen sechsstelligen Euro-Bereich, konnte aber auch in Kooperation mit großen Vermarktern wie IMG zuletzt nicht mehr verkauft werden.

Neben dem Titelsponsor sollen insgesamt fünf Premium-Partner akquiriert werden, die für einen Listenpreis von je 70 000 Euro ebenfalls Präsenzen bei allen drei Disziplinen erhalten. OK-Chef Seipp will die potenziellen Partner mit einem hohen Maß an Flexibilität überzeugen. Er sagt über Extremsportarten: „Der große Vorteil ist, dass es hier weniger Richtlinien und Vorgaben gibt, also bei der Event-Inszenierung mit dem Kursbau oder dem Set-up viel mehr Gestaltungsraum vorhanden ist. Das nutzen natürlich unsere Sponsoren.“

Seipp und seinem Team bleibt nun noch etwas weniger als ein halbes Jahr, um auch die Jubiläumsveranstaltung erfolgreich zu vermarkten

Zukunft des Sports
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30.01.2018
Nils Lehnebach
 Der Autor 

Nils Lehnebach