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Kind kritisiert DFL: „Sehr hoheitlich“

Kind kritisiert DFL: „Sehr hoheitlich“
01.02.2018

Die Öffentlichkeit wartet gespannt, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) über den Übernahmeantrag von Martin Kind entscheiden wird. SPONSORs sprach beim SPOBIS 2018 mit dem Präsidenten von Hannover 96.

SPONSORs: Herr Kind, das DFL-Präsidium wollte über Ihren Antrag zur Komplett-Übernahme von Hannover 96 ursprünglich bis Ende 2017 entscheiden. Wie ist der aktuelle Stand?

Kind: Der Antrag ist gestellt, Neuigkeiten kann ich aber noch nicht berichten. Jetzt gilt es, im DFL-Präsidium die Entscheidung zu treffen. Persönlich erwarte ich, dass der Antrag bestätigt wird. Das heißt im Umkehrschluss: 50+1 bleibt bestehen – plus der 20-Jahresregelung.

SPONSORs: Wenn Sie keine Zustimmung bekommen, dann haben Sie angedroht, vor Gericht zu ziehen.

Kind: Da muss ich Ihnen deutlich widersprechen. Das sind Spielregeln und Rechtsfragen, keine Drohungen. Es war von Anfang an klar, dass dann der Rechtsweg bestritten wird. Nicht mehr und nicht weniger.

SPONSORs: Woran hakt es derzeit noch?

Kind: Ich weiß es nicht. Ich bin nicht beteiligt. Das Prozedere ist sehr hoheitlich. Man erfährt überwiegend nur Spekulationen, nichts Offizielles. Ich höre, dass es am Montag entschieden werden soll.

SPONSORs: Könnte es am Ende auch zu einer Schadensersatzforderung kommen?

Kind: Verbandsrechtlich gibt es die Möglichkeit eines Widerspruchsverfahrens. Und dann gäbe es noch die Option eines ordentlichen Rechtsverfahrens. Wir werden alle Felder, die möglich sind, intern und mit Rechtsberatungen diskutieren. Ich schließe nichts aus.

SPONSORs: Sie tun sich derzeit ja einen Zweifrontenkrieg an – einerseits mit den Fans, andererseits mit der DFL. Was ist eigentlich ihr Motiv?

Kind: Ich denke, wir haben in den vergangenen 20 Jahren viel geschaffen: Die HDI-Arena, 15 Jahre erste Liga und jetzt haben wir auch ein sehr attraktives Nachwuchsleistungszentrum fertiggestellt – ohne Einsatz von Fremdkapital. Wir haben das für die Stadt getan. Aber jetzt geht es eben darum: Wer entscheidet über Investitionen? Wer entscheidet über den Haushalt? Und wer entscheidet über die Besetzung der Geschäftsführung?

SPONSORs: Ein Casus knacksus der Entscheidung ist, dass ein Investor über 20 Jahre einen Verein „erheblich“ fördern muss, in Höhe eines Hauptsponsors.

Kind: Ich habe ja eben gesagt, was wir in den vergangenen 20 Jahren geschaffen haben. Wir haben immer das Kapital zur Verfügung gestellt, was wir gebraucht haben, um diese Entscheidungen erfolgreich umzusetzen. Ich bin auch sehr stolz darauf, dass wir mit relativ geringem Einsatz sehr viel geschaffen haben. Das ist die eigentliche Leistung. Unser Engagement wird derzeit oft mit dem von Herrn Hopp verglichen. Das ist etwas ganz anderes. In Hannover haben wir keinen Milliardär, der 300 oder 400 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

SPONSORs: Wissen Sie noch, wie viel Geld Sie Hannover 96 insgesamt zur Verfügung gestellt haben?

Kind: Das weiß ich natürlich genau.

SPONSORs: Wollen Sie uns das sagen?

Kind: Das will ich natürlich nicht. Wir wissen immer, dass wir bereit sind, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, um den nächsten Prozess zu finanzieren. Wir geben nicht 50 oder 100 Millionen Euro rein und die werden dann ausgegeben. So ticken wir nicht und so entscheiden wir auch nicht.

SPONSORs: Schützt die 50+1-Regel vor allem die Dominanz des FC Bayern München?

Kind: Nein, ich glaube, dass der FC Bayern weiter ist und solche Gedanken nicht mehr hat. Soweit ich informiert bin, ist der FC Bayern der Auffassung, dass die Vereine selbst entscheiden sollen, welchen Weg sie gehen. Ich denke, dass ist ein vernünftiger Vorschlag. Bayern München hat auch immer mehr Optionen als anderen Clubs.

SPONSORs: Clubs wie Hannover 96.

Kind: Ich sehe keine andere Chance mehr, dass wir uns wettbewerbsmäßig so stabil weiterentwickeln, wie es notwendig wäre. Wenn wir das wirklich wollen, dann brauchen wir eine Kapitalerhöhung. Wenn 50+1 geregelt ist, sind wir als Gesellschafter auch bereit, diese durchzuführen. Jetzt Kapitalerhöhungen durchzuführen und ins Risiko zu gehen, die Zustimmung nicht zu erhalten, das wird keiner mit Verstand erwarten. Wir brauchen die Entscheidung, dann werden wir Kapitalerhöhungen durchführen, damit wir die Wettbewerbsfähigkeit im sportlichen Bereich weiterentwickeln können. Sonst laufen wir dieser Entwicklung immer hinterher.

SPONSORs: Kapitalerhöhung heißt, dass Sie und die weiteren drei bestehenden Gesellschafter von Hannover 96 neues Geld investieren?

Kind: Wir können auch neue Gesellschafter aufnehmen. Wir haben beide Optionen.

SPONSORs: Glauben Sie, dass es zu einem Run kommen wird, wenn die 50+1-Regel fällt?

Kind: Es ist ja nicht alles immer nur ehrlich. Es gibt Vereine, die suchen schon seit langer Zeit Investoren. Sie finden aber keine. Die Investoren werden nicht Schlange stehen. Wenn Sie 24,9 Prozent erwerben können, haben sie wenig Einfluss auf die Entscheidungen und Prozesse. Ich vermute, das wird eine sehr reduzierte Nachfrage sein. Meine Empfehlung ist, sich zu öffnen. Jedem Verein sollte es aber überlassen werden, welchen Weg er geht.

SPONSORs: Herr Kind, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte SPONSORs-Geschäftsführer Philipp Klotz auf der Bühne des SPOBIS 2018 in Düsseldorf. Die Aussagen von Martin Kind wurden im Wortlaut übernommen. An der Diskussionsrunde zum Thema „50+1 fällt, Investoren kommen – was die Veränderungen mit sich bringen und wie Bundesligaclubs damit umgehen wollen“ nahmen neben Martin Kind auch Michael Meeske (kaufmännischer Vorstand 1. FC Nürnberg) und Michael Welling (Geschäftsführender 1. Vorsitzender Rot-Weiss Essen) teil.

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Holger Rehm
 Der Autor 

Holger Rehm