Umbro: „Budget ist nicht das Problem“
28.01.2016
Wirtschaft | Sportartikel

Umbro: „Budget ist nicht das Problem“

Umbro ist mit einem neuen Besitzer zurück im deutschen Fußball. Für Paul Nugent, Vice President Global Marketing, ist das im Dezember 2015 geschlossene Mandat beim 1. FC Nürnberg aber nur der Anfang der Erschließung des deutschen Marktes.

Vita
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Paul Nugent

Paul Nugent ist seit 2005 im Marketing von Umbro in Manchester tätig, seit Dezember 2012 als Vice President Global Marketing. Zuvor arbeitete er von September 2010 bis November 2012 als Brand Director für den Fußballausrüster, der zu dieser Zeit noch zum US-amerikanischen Konzern Nike gehörte, ehe die Marke 2013 an die Iconix Brand Group verkauft wurde. Zu seinen weiteren Arbeitgebern zählt unter anderem der Sportartikler Ellesse.

SPONSORs: Herr Nugent, für Umbro ist die Partnerschaft mit dem 1. FC Nürnberg das Comeback auf dem deutschen Markt. Wann wollen Sie spätestens mit dem „Club“ in der Bundesliga spielen?

Nugent: Wir haben diese Partnerschaft geschlossen, weil wir in Deutschland mit einem Club präsent sein wollen, dessen Werte und Ambitionen unseren eigenen entsprechen. Wir haben einen Fünfjahresvertrag mit den Nürnbergern und haben ihnen keine Deadline für die Rückkehr in die Bundesliga gesetzt. Zumal der 1. FCN auch ohne den Aufstieg genauso bekannt oder sogar bekannter ist als diverse Erstligisten. Aber wie die Fans hoffen auch wir, dass es möglichst bald so weit sein wird.

SPONSORs: Welche Gründe sprachen noch für den 1. FC Nürnberg?

Nugent: Der 1. FCN ist ein absoluter Traditionsverein. Wir haben beim Club aufgrund seiner Fangemeinde und seines gewaltigen Potenzials unterschrieben. Und auch Umbro hat eine Tradition in Nürnberg: 1968, als der 1. FCN zum letzten Mal Deutscher Meister wurde, trugen die Spieler Umbro-Trikots. Es war deshalb fantastisch zu sehen, dass mehrere Mitglieder des damaligen Teams bei der Pressekonferenz zur Verkündung des Deals anwesend waren. Solche Storys sind sehr selten.

SPONSORs: Nach SPONSORs-Informationen ist der Vertrag über eine Million Euro pro Saison wert. Das ist eine Menge Geld für einen Zweitligisten. Wie wollen Sie das Engagement refinanzieren?

Nugent: Wir reden nie über finanzielle Details. Grundsätzlich entscheiden wir uns nur für eine Investition, wenn sie für uns finanziell sinnvoll ist. Wir glauben, dass wir mit der Marke Umbro wachsen können, und wir werden auf dem deutschen Markt kommerzielle Erfolge haben.

Umbros Fußballtrikots auf der ganzen Welt

SPONSORs: Aktuell ist Umbro auf dem deutschen Markt kaum bekannt. Haben Sie das Geld und die Absicht, mit weiteren deutschen Clubs Partnerschaften einzugehen, um das zu ändern?

Nugent: Das Budget ist nicht das Problem, wenn die wirtschaftlichen Eckdaten eines Vertrags stimmen. Wir können jeden Deal abschließen, aber wir gehen mit Vernunft vor. Umbro hat Partnerschaften mit Erstligisten in aller Welt, doch Qualität ist uns stets wichtiger als Quantität. Wir wollen eine Familie von Clubs haben, mit der wir sinnvolle Partnerschaften führen können. In Deutschland konzentrieren wir uns kurzfristig auf diese erste Partnerschaft beim 1. FC Nürnberg.

SPONSORs: Und langfristig?

Nugent: Fußball ist ein faszinierendes Geschäft, man weiß nie, welche Gelegenheiten sich bieten werden. Viele Clubs sind langfristig über große Verträge an andere Partner gebunden. Doch Geld ist im Fußball längst nicht alles. Wir wollen unsere Zusammenarbeit mit Clubs in allen Ligen kreativ gestalten. Und meiner Meinung nach stand der deutsche Markt britischen Marken von jeher aufgeschlossen gegenüber.

SPONSORs: Die nächste Chance, mit einem Bundesligaclub abzuschließen, bietet sich 2018 beispielsweise bei Borussia Mönchengladbach, beim FC Augsburg, beim 1. FC Köln oder beim FC Schalke 04. Welcher dieser Clubs ist für Umbro als Partner interessant?

Nugent: Wir konzentrieren uns auf den 1. FC Nürnberg und denken noch nicht an einen möglichen nächsten Schritt. Die Markterschließung braucht Zeit. Lassen Sie mich ein Beispiel anführen: Als wir 2014 unseren Deal mit dem FC Everton aus der Barclays Premier League abgeschlossen hatten und die Leute unsere Produkte und unsere Marketingaktivitäten kennenlernten, konnten wir uns kaum retten vor Angeboten von Clubs aller englischen Spielklassen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich das genauso wiederholen wird, sobald wir unsere Fähigkeiten in Deutschland unter Beweis stellen.

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SPONSORs: Der deutsche Sportartikelmarkt ist hart umkämpft: Die großen Player Nike, Adidas und Puma konkurrieren mit Mittelständlern wie Erima, Jako und Uhlsport. In den vergangenen beiden Jahren sind zudem internationale Anbieter wie Macron und Under Armor hinzugekommen. Wie will sich Umbro in diesem Umfeld behaupten?

Nugent: Unser Selbstvertrauen beruht auf einer 91-jährigen Firmengeschichte und ist unabhängig von anderen Marken. Wir sind insofern einzigartig, als es uns nicht auf globale Vorherrschaft ankommt, sondern darauf, smarte und technisch hervorragende Produkte für Fans und Spieler zu kreieren.

SPONSORs: Das gelang Ihnen bisher aber noch nicht in Deutschland.

Nugent: Noch nicht in Deutschland, aber weltweit. Während andere Marken bei diversen Sportevents wie den Olympischen Spielen oder Wimbledon am Start sind, reden wir 365 Tage im Jahr nur vom Fußball. Unsere Aufgabe ist es, Produkte herzustellen und Sportlern zu höheren Leistungen zu verhelfen. Für die Presse, für die Fans oder für Blogschreiber mag es ja interessant sein, über die Kämpfe zwischen verschiedenen Marken zu berichten, aber wir konzentrieren uns ausschließlich auf unsere Strategie, und die entwickelt sich im Augenblick recht erfreulich.

SPONSORs: Herr Nugent, vielen Dank für das Gespräch.

Umsatz zu Nike gehörender Marken in Mio. US-Dollar (Quelle: Statista)
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Umsatz zu Nike gehörender Marken in Mio. US-Dollar (Quelle: Statista)
28.01.2016
Henning Eberhardt
 Der Autor 

Henning Eberhardt