EHF Marketing: "Wir wollen die Technologieführerschaft"
15.02.2017
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EHF Marketing: "Wir wollen die Technologieführerschaft"

Die Velux EHF Champions League ist in der Saison 2016/17 im Sponsoring nicht ausverkauft. David Szlezak ist aber optimistisch, neue Partner zu finden. Der Geschäftsführer der EHF Marketing setzt dabei auf neue Technologien wie virtuelle Werbung und nimmt zudem die DKB Handball-Bundesliga (HBL) in die Pflicht.

SPONSORs: Herr Szlezak, Ihr wichtigstes Produkt im Clubhandball, die Velux EHF Champions League, ist in der Saison 2016/17 erstmals seit vielen Jahren auf Premium-Partner-Ebene nicht ausverkauft. Auch Pakete für das Finalwochenende in Köln sind noch vakant. Ist die „Königsklasse“ nicht mehr attraktiv genug?

Szlezak: Sie haben Recht, wir können die Message „ausverkauft“ erstmals seit Jahren noch nicht frühzeitig verwenden. Aber das hat sicher nichts mit nachlassender Attraktivität zu tun. Unser vorheriger Premium-Partner Jack & Jones wurde nach dem Ausstieg zum Ende der Saison 2015/16 nicht ersetzt. Nachdem das Unternehmen zuvor seine Ziele erreicht hatte, gab es bei Jack & Jones im Sportsponsoring eine Budget-Umschichtung in Richtung Formel 1. Hinzu kommt, dass Clubs aus osteuropäischen Ländern wie Ungarn in dem Wettbewerb immer stärker vertreten sind, doch dort ist Jack & Jones gar nicht präsent.

SPONSORs: Warum haben Sie keinen Ersatz für Jack & Jones gefunden?

Szlezak: Ich bin da auf der einen Seite durchaus selbstkritisch: Vielleicht waren wir in der Vergangenheit in der Vermarktung etwas zu kurzfristig unterwegs. Andererseits sage ich auch ganz deutlich: Eine Premium-Partnerschaft hat für uns eine enorme Wertigkeit, es gibt in der Velux EHF Champions League und im Velux EHF Final4 in Köln nur eine Handvoll exklusiver Partnerpräsenzen. Und die werden wir ganz bestimmt nicht kurzfristig verramschen.

SPONSORs: Wie viel Geld muss ein Premium-Partner auf der Ebene hinter Velux in die Hand nehmen, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen?

Szlezak: Zuallererst: Wir gehen mit jedem potenziellen Kunden ins Gespräch, den Handball interessiert und von dem wir glauben, dass eine Präsenz in der Champions League Sinn ergeben kann. Danach hängt es ganz davon ab, wo die Schwerpunkte in der Kommunikation liegen und wie die Aktivierungsmaßnahmen beispielsweise über digitale Medien aussehen. Der jährliche Listenpreis einer Premium-Partnerschaft für ein äußerst umfangreiches Paket kann nach oben hin im Extremfall bei über einer Million Euro liegen. Aber wir sind nicht so hochtrabend und behaupten, dass wir diese Summe am Ende auch netto einspielen. Berücksichtigt man die Nebenkosten der Aktivierung und Produktion – immerhin bespielen wir alle 200 Spiele der Champions League individuell – und zieht der Kunde nicht alle Komponenten, kann sich die Sponsoring-Fee auch darunter bewegen.

SPONSORs: Was bieten Sie Ihren Partnern für das Geld?

Szlezak: Neben umfangreichen und exklusiven Logo-Platzierungen haben wir uns vor allem eine sehr hohe Kundenfreundlichkeit auf die Fahnen geschrieben. Wir pflegen einen direkten Draht zu unseren Sponsoren, dadurch können wir sehr kurzfristig auf Kundenbedürfnisse eingehen.

SPONSORs: Können Sie ein Beispiel nennen?

Szlezak: Bei uns läuft die Vermarktung nach dem Grundsatz: „Weniger ist mehr.“ Insofern genießen unsere Partner ein hohes Maß an individueller Betreuung, das kommt gut an. Unser Premium-Sponsor Uniqa beispielsweise hat den osteuropäischen Markt im Fokus. Wir wissen genau, welche Kommunikationsbedürfnisse das Versicherungsunternehmen etwa in Ungarn oder Mazedonien hat. Wir stehen beinahe im täglichen Austausch. Die nunmehr siebenjährige Partnerschaft mit Velux ist mit der Zeit ebenfalls sehr gewachsen. Wir wissen genau, wie Velux sich und seine Produkte am Markt präsentiert und wo wir – auch abseits vom Bodenkleber mit Logo – helfen können.

SPONSORs: Sehen Sie die individuelle Sponsorenbetreuung als Vorteil gegenüber Vermarktern wie Infront Sports & Media oder Lagardère Sports?

Szlezak: Wir sind als Verbandstochter beweglicher als große Vermarktungsagenturen. Doch wir sind auch nicht so vermessen, zu glauben, dass wir den Markt allein bearbeiten können, und arbeiten punktuell auf nicht exklusiver Basis mit Agenturen zusammen.

SPONSORs: Welche Industrie-Branchen nehmen Sie bei der Vermarktung der Handball-Champions-League in den Fokus?

Szlezak: Die Sportwettenbranche ist nach wie vor sehr attraktiv. Tipico war in den vergangenen zwei Jahren auch beim Velux EHF Final4 als Partner an Bord und ist dadurch auch für das Endspielwochenende 2017 unser erster Ansprechpartner. Zudem sind europaweit die Branchen Finanzdienstleistungen und Automobil interessant.

SPONSORs: Gibt es beim Velux EHF Final4 2017 noch offene Sponsoringpakete?

Szlezak: Für das Final4 fällt wie jedes Jahr das Heimclub-Paket an die EHF Marketing zurück, mit dem wir nun vor allem am deutschen Markt aktiv sind. Das ist ein normaler Vorgang und wir beobachten die aktuelle Marktlage sehr genau. Eine Präsenz und vor allem die Aktivierung im Umfeld des hoch emotionalen Köln-Wochenendes sind für jedes sponsoringtreibende Unternehmen sehr interessant und kann zudem auch immer der Startpunkt für eine langfristige Partnerschaft über das Final4 hinaus sein.

Infokasten

EHF Marketing

Geschäftsführer: David Szlezak

Hauptsitz: Wien

Anzahl Mitarbeiter: 18

VERMARKTUNG EHF CHAMPIONS LEAGUE

Umsatz Sponsoring: 8,5 Mio. €

Host-Partner: Lanxess-Arena Köln (Laufzeit bis Ende 2019/20)

Titelsponsor: Velux (2019/20)

Premium-Sponsor: Uniqa (k. A.)

Partner: Gerflor, Global MMK, Salming, Select (unterschiedliche Laufzeiten)

TV-Partner Deutschland: Sky (2019/20)

Quelle: SPONSORs

SPONSORs: EHF Marketing erlöst über die Sponsoringvermarktung in der Champions League rund 8,5 Millionen Euro pro Saison. Was sind die größten Herausforderungen, um diese Summe zu halten beziehungsweise zu steigern?

Szlezak: Die von Ihnen genannte Summe bestätige ich so nicht. Fakt ist: Handball ist ein sehr traditioneller und geerdeter Sport mit klaren Brand Values, die es zu kommunizieren gilt – und die Zielgruppe wird meiner Meinung nach kurzfristig auch nicht jünger. Ich glaube auch nicht, dass wir – im positiven Sinne – vom Image her wie Basketball sein wollen und die sogenannten Ghetto-Kids mit stylishen Klamotten erreichen.

SPONSORs: Wie wollen Sie stattdessen jüngere Zielgruppen für den Handballsport begeistern?

Szlezak: Wir bemühen uns, ein modernes Produkt zu schaffen, und wollen die Technologieführerschaft für uns in Anspruch nehmen. Dort liegt die Zukunft und Technologie spricht automatisch neue Generationen an. Ein Beispiel war vor einigen Jahren die clubübergreifende Einführung von LCD-Videobanden unseres damaligen Partners Sharp. Hätten wir seinerzeit nicht so einen großen Druck bei diesem Thema ausgeübt, würden wir wahrscheinlich heute noch viele Clubs mit Rollbanden in der Champions League sehen. Die EHF setzt schon jetzt auf Instant Replay und den Videobeweis und wird bald umfangreiche technische Innovationen für den Scouting-Bereich vorstellen. Zudem könnte in den kommenden Jahren auch virtuelle Werbung ein ganz großes Thema für die EHF werden.

SPONSORs: Weihen Sie uns bitte in Ihre Pläne ein.

Szlezak: Es kann sein, dass wir mit virtueller Werbung schon beim diesjährigen Velux EHF Final4 in der Kölner Lanxess-Arena aufschlagen. Wir nutzen das Event regelmäßig als Testplattform für neue Technologien. Vor drei, vier Jahren hatten wir zum Beispiel testweise 3D-Produktionen durchgeführt. Das war zwar ein Testballon, der gnadenlos gescheitert ist. Aber was mir im Kern viel wichtiger ist: Wir haben es versucht!

SPONSORs: Im Fußball gibt es eine große Rechteproblematik rund um das Thema virtuelle Werbung. Wird im Handball auch schon jetzt über die Verteilung der potenziellen Mehreinnahmen gestritten?

Szlezak: Nein, dafür ist es zu früh. Natürlich gibt es auch im Handball eine Rechteproblematik, aber im Vergleich zum Fußball spielt sich das auf einer anderen Ebene ab. Im Handball ist die größte Hürde zunächst die Aufklärungsarbeit: Wir müssen einem kleinen, meistens eher regional aufgestellten Club erst einmal erklären, dass er plötzlich in Spanien nicht mehr seine eigene Werbung sieht. Virtuelle Werbung wurde vielerorts noch gar nicht als strategisches Thema identifiziert. Am Ende ist es aber wie bei allen neuen Dingen, die man einführt: Change Management ist das Schwierigste. Ich bin mir sicher, dass, wenn wir es schaffen, virtuelle Werbung flächendeckend einzuführen, der Sponsoringbereich in allen Belangen auf eine neue Ebene geführt wird. Bis dahin dauert es aber wohl noch einige Jahre.

Die erste Instant Replay im Handball beim Velux EHF Final4 2016

SPONSORs: Handball ist allerdings keine globale Sportart, die – wie der Fußball – aktuell mehr denn je aufstrebende Märkte wie Asien und die USA erobert. Welche Märkte sind im Zusammenhang mit virtueller Werbung für den Handball interessant?

Szlezak: Handball ist ein zutiefst europäischer Sport, insofern priorisieren wir ausgewählte Regionen Europas auch in der Vermarktung. Wir dürfen Asien sicher nicht links liegen lassen, aber dort schlummern für den Handball kurzfristig auch nicht die ganz großen Potenziale. Es ist ja selbst im Fußball längst nicht so, dass Asien für jeden Club einen sinnvollen internationalen Markt darstellt. Hinzu kommt, dass im Handball die großen internationalen Top-Clubs und Marken wie der FC Barcelona und Paris Saint-Germain ohnehin schon in der Fußballschiene internationalisiert sind. Und ich glaube nicht, dass es für deutsche Clubs wie die SG Flensburg-Handewitt oder den THW Kiel interessant wäre, nach Asien zu gehen.

SPONSORs: Es ist aber gar nicht lange her, da schlug THW-Trainer Alfred Gislason sogar eine Handball-Weltliga vor.

Szlezak: Eine Weltliga im Handball wird in regelmäßigen Abständen ja immer wieder ins Spiel gebracht. Es ist gut, dass die Community darüber diskutiert. Und wenn Alfred eine gute Idee hat, dann kann er die natürlich äußern. Am Ende ist es in diesem Fall aber ohnehin nicht das Business der EHF, wobei wir durchgehend und auch mit externen Partnern Ideen für die Weiterentwicklung des Wettbewerbs bearbeiten.

Vita
Vita

David Szlezak, Geschäftsführer EHF Marketing

David Szlezak (42) ist seit Februar 2016 Managing Director der EHF Marketing. Vor seiner Zeit als Chef der Vermarktungsgesellschaft der Europäischen Handball-Föderation (EHF) arbeitete der Österreicher sechs Jahre lang im Marketing des Verbands. Dabei war er unter anderem für das Velux EHF Champions League Final4 mitverantwortlich. Szlezak spielte in seiner aktiven Karriere als Handballer für fünf deutsche Bundesligisten, unter anderem für die Rhein-Neckar Löwen und Frisch Auf! Göppingen. Für die österreichische Nationalmannschaft absolvierte er über 150 Länderspiele.

SPONSORs: Die Gemengelage im europäischen Handball ist seit vielen Jahren geprägt durch unterschiedliche Interessen einiger weniger Spitzenclubs aus schwachen Ligen sowie der Vertreter der rar gesäten Topligen – die Weltliga-Gedanken sind ein Beispiel dafür. Was bedeutet das für die Vermarktungsaktivitäten der EHF im Clubhandball?

Szlezak: Mittlerweile sind die DKB Handball-Bundesliga und die französische Liga die stärksten, Spanien hat deutlich an Bedeutung verloren. Die PGNiG Superliga in Polen oder die ungarische Liga spielen gute Ergebnisse ein und auch Dänemark hat allein schon wegen Velux immer eine große Bedeutung für uns. Wir versuchen vor allem mit den Kollegen in Deutschland und Frankreich eine dauerhaft gute Zusammenarbeit zu etablieren. Es ist aber kein Geheimnis, dass es durch die heterogenen Interessen in der Vermarktung weiterhin große Herausforderungen gibt.

SPONSORs: Ein Dauerthema ist die komplexe Spielplangestaltung, die im September 2016 auf die Spitze getrieben wurde, als die SG Flensburg-Handewitt an ein und demselben Tag sowohl in der HBL als auch in der Champions League antreten sollte. Spitzt sich die Lage durch den neuen TV-Vertrag der HBL mit Sky weiter zu, nach dem ab der Saison 2017/18 HBL-Spieltage am Donnerstag und Sonntag stattfinden?

Szlezak: Grundsätzlich bewerte ich den TV-Vertrag zwischen Sky und der HBL sehr positiv, immerhin ist die erfolgreiche Platzierung des Produkts Champions League der Wegbereiter für den jetzt zustande gekommenen Deal. Doch ich bin mir nicht sicher, ob alle Beteiligten die Auswirkungen des Donnerstag-Sonntag-Turnus überlegt haben. Die EHF versucht immer, Lösungen zu finden. Aber es wird in der neuen Spielplan-Konstellation ganz sicher Fälle geben, in denen ein deutscher Champions-League-Teilnehmer am Donnerstag in der Liga spielt und am Samstag auswärts auf der europäischen Bühne aufs Feld muss.

SPONSORs: Hätten Sie sich andere Anwurfzeiten für die HBL gewünscht?

Szlezak: Darum geht es nicht. Die HBL ist ein wichtiger Partner, aber wir müssen als EHF auf Europa schauen. Wir können den europäischen Handball nicht nach den Wünschen aus Deutschland ausrichten, sondern Deutschland muss sich auch ein bisschen nach Europa ausrichten. Das wissen beide Seiten auch. Der Koordinationsaufwand zwischen der HBL und der EHF war und ist sehr hoch, aber das läuft insgesamt auf einer sehr kollegialen und partnerschaftlichen Ebene ab. Die Problematik mit dem Spielplan liegt am Ende in der Natur der Sache.

SPONSORs: Würden Sie der HBL raten, sich von 18 auf 16 Teams zu verkleinern?

Szlezak: Das steht mir nicht zu, aber es würde das Spielplan-Problem definitiv vereinfachen.

SPONSORs: Es scheint, als wäre die Qualität der HBL und im Speziellen ihrer Top-Clubs gleichzeitig ihr größtes Problem hinsichtlich der Spielplan-Gestaltung. Führen Sie vergleichbare Diskussionen auch mit anderen nationalen Ligen?

Szlezak: Nein, im Prinzip nicht. Alle anderen nationalen Ligen – inklusive der französischen – wollen den Spielplan so, wie er jetzt ist. Aber nochmal: Wir versuchen, die Befindlichkeiten der Deutschen zu berücksichtigen. Die HBL-Clubs haben aber mit der 18er-Liga und dem Pokal schlichtweg mehr Spiele zu absolvieren als die Clubs in anderen Ligen. Das ist extrem schwer unter einen Hut zu bekommen. In Wirklichkeit sind wir uns auch alle einig: Nur wenn wir einen klaren Spielplan kommunizieren und auch durchhalten, werden wir das Produkt Handball am TV-Markt am Ende gut verkaufen können. Dazu gehören aber viele Elemente inklusive der Hallenverfügbarkeiten.

SPONSORs: Diesen Satz hört die Branche seit vielen Jahren.

Szlezak: Und wahrscheinlich auch noch in den kommenden Jahren. Die 1a-Lösung für alle gibt es einfach nicht. Wir als EHF behaupten von uns, dass wir den besten Blick für das Gesamte haben. Das ist bei den nationalen Ligen und deren Clubs naturgemäß anders. Deswegen sind alle aufgefordert, sich punktuell von ihren eigenen Interessen zu lösen. Nur wenn ein Umdenken stattfindet, werden wir zu Kompromisslösungen für den europäischen Club-Handball finden.

SPONSORs: Herr Szlezak, vielen Dank für das Gespräch.

15.02.2017
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Henning Eberhardt
 Der Autor 

Henning Eberhardt