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Die Reaktionen zur WM-Aufstockung

Die Reaktionen zur WM-Aufstockung
11.01.2017

Die FIFA hat die Mega-WM mit 48 Teams ab 2026 beschlossen. Die Reaktionen dazu sind nahezu einhellig.

Hier die wichtigsten Reaktionen zur WM-Aufstockung im Überblick:

Reinhard Grindel (DFB-Präsident):
"Ich bin nicht glücklich mit dieser Entscheidung und hätte mir vor allem gewünscht, dass alle wichtigen Fragen zu Organisation und Modus komplett geklärt sind. Da der Beschluss aber im FIFA-Council einstimmig getroffen wurde, gilt es nun, ihn zu respektieren und den Blick nach vorn zu richten. Meine große Sorge ist, dass sich der Fußball an sich verändert, dass die Attraktivität des Spiels leidet. Wir alle lieben Spiele, in denen sich die Mannschaften mit offenem Visier begegnen. Nun sehe ich aber die Gefahr, dass wir künftig vermehrt defensiv eingestellte Teams sehen könnten. Wenn die Fußball-WM insgesamt an Attraktivität verliert, leidet die Akzeptanz bei Fans und Sponsoren, und dann leidet zwangsläufig auch die Vermarktung. Bei allem Verständnis und Sympathie für die Bestrebungen, den Fußball auch weiter in Regionen Afrikas und Asiens zu entwickeln, muss jedem auch klar sein, dass es allen dient, den elementar wichtigen Kernmarkt Europa auch bei den Startplätzen weiterhin stark abzubilden. Bei den offenen Fragen, beispielsweise der Zahl der Startplätze für die einzelnen Kontinentalverbände, müssen wir nun in der UEFA zusammenfinden und eine gute, gemeinsame Lösung entwickeln."

Oliver Bierhoff (DFB-Manager):
"Ich kann jeden verstehen, der die Aufstockung des Teilnehmerfeldes als eine Verwässerung empfindet. Auch für mich fühlen sich 48 Teams beim größten und wichtigsten Turnier der Welt zu viel an. Die Faszination einer Weltmeisterschaft liegt für die Fans und Zuschauer doch darin, die besten Mannschaften mit den großen Stars zu sehen, davon geht was verloren. Auch die Spieler wollen sich in einem solchen Wettbewerb immer mit den Besten messen. Wir müssen aufpassen, dass der Wert und der Kern des Fußballs erhalten bleiben und die Fans weiterhin spüren, dass es primär um den Fußball auf dem Platz geht. Ein Format mit der Formel mehr Einnahmen durch mehr Teams kann nur funktionieren, wenn die Akzeptanz der Fans da ist. Ich bin gespannt, wie sich dies auf das Turnier auswirken wird. Entscheidend ist auch, dass die Belastung der Spieler nicht noch größer wird."

Reinhard Rauball (DFL-Präsident):
"Der deutsche Fußball ist bekanntlich im Vorfeld aus guten Gründen für eine andere Entscheidung eingetreten. Allerdings war dieses Votum des FIFA-Councils zu erwarten: Solange sich die großen europäischen Fußball-Nationen, ihre Verbände, Ligen und Klubs nicht auf eine gemeinsame Position verständigen können, ist auch die Meinung des Weltmeisters bedauerlicherweise nur eine unter vielen." 

Michael Schade (Geschäftsführer Bayer 04 Leverkusen):
"Alle sind sich einig, dass der Terminkalender übervoll ist und die Belastung für die Spieler immer höher wird. Die Zeche werden die Vereine zahlen."

Jörg Schmadtke (Geschäftsführer Sport 1. FC Köln):
"Das ist idiotisch. Wir haben ohnehin immer mehr Belastung, und dann wird die WM auch noch aufgeblasen, das finde ich nicht gut. Den sportlichen Wert kann ich nicht erkennen. Schon bei der EM waren viele Spiele langweilig."

Christian Heidel (Sportvorstand Schalke 04):
"Ich habe bis jetzt noch niemanden getroffen, der gesagt hat, das ist eine supergute Idee. Die Argumente haben mich auch noch nie überzeugt. Ich sehe das immer noch sehr kritisch. Das WM-Turnier sollte die Endrunde der besten Mannschaften der Welt sein, und wenn 25 Prozent aller FIFA-Mitglieder mitspielen dürfen, finde ich, ist es nicht mehr das Turnier der besten Mannschaften der Welt. Wenn wir jetzt mit 48 anfangen, warte ich nur darauf, dass die Idee kommt, wir können auch mit 64 spielen."

Alexander Rosen (Sportchef TSG 1899 Hoffenheim):
"Die WM ist gut, so wie sie ist. Meiner Meinung nach hätte unbedingt am aktuellen Modus festgehalten werden müssen. Ein Turnier verliert an Wert, wenn - wie etwa bei der EM - drei von vier Mannschaften in der Vorrunde weiterkommen oder noch mehr Teams teilnehmen. Über die Tatsache, dass hinter diesen Gedankenspielen keine sportlichen Beweggründe stecken, brauchen wir uns ohnehin nicht zu unterhalten. Diese Entwicklung ist meiner Meinung nach gefährlich. Der Kalender ist jetzt schon zu eng, und die Spieler bewegen sich im Grenzbereich."

Rüdiger Fritsch (Präsident SV Darmstadt 98):
"48 Mannschaften werden nicht dazu beitragen, die sportliche Qualität zu erhöhen. Für die Ausrichtung des Fußballs als Sportart Nummer eins ist das eine Entscheidung, die mehr Länder begünstigt. Wirtschaftlich ist die Entscheidung also sicher begründbar, sportlich ist sie fraglich."

European Club Association (ECA):
"Die ECA befürwortet das nicht. Wir sehen keinen Nutzen darin, das bestehende System mit 32 Teams zu verändern, das sich für alle Seiten als perfekt erwiesen hat. Es wurde aus politischen, nicht aus sportlichen Gründen sowie unter erheblichem politischem Druck entschieden."

Oliver Brüggen (Direktor PR Central Europe Adidas):
"Adidas hält nicht viel von der Vergrößerung des Teilnehmerfeldes bei Fußball-Weltmeisterschaften ab 2026. Wir glauben, dass darunter die Qualität der Veranstaltung und damit auch das Interesse der Zuschauer leiden werden."

Diego Maradona (ehemaliger argentinischer Nationaltrainer und -Spieler):
"Es ist eine wunderbare Idee. So haben Länder die Möglichkeit zur Teilnahme, die sonst niemals eine WM spielen dürften. So gibt man jeder Nation Hoffnung und die Leidenschaft für Fußball lebt neu auf."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident):
"Die Teilnahme an einer WM-Endrunde bringt einem kleinen Verband wie dem österreichischen mehrere Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen, die wir trotz unserer Sponsoren dringend benötigen."

11.01.2017
Gabriel Wagner
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Gabriel Wagner